Nachruf Christian “Krischan” Brüning

Liebe Mitglieder des Eldaring e.V.,

zu Jul 2017 erreichte uns die erschütternde Nachricht, dass unser langjähriges Mitglied und treuer Freund Christian Brüning, genannt Krischan, verstorben ist. Ein tödlicher Herzinfarkt ereilte ihn am 14. Dezember 2017 vor Arbeitsbeginn auf der Baustelle.

Krischan war eine tragende Säule unseres Vereinslebens. Geboren 1962 in Rheine, Westfalen, studierte er Kunst an der FH Köln und unterhielt danach eine kunsthandwerkliche Werkstatt in Münster, wo er insbesondere mit dem Siebdruckverfahren arbeitete. Darüber hinaus sicherte er seinen Lebensunterhalt als Maler und legte vor nicht allzu langer Zeit noch die Meisterprüfung ab.

2004 stieß er zum Eldaring und fehlte seither auf keinem einzigen Eldathing. Auch auf sämtlichen Ostara-Veranstaltungen war er seither präsent. Fast alle von uns kannten ihn daher persönlich und viele kannten ihn gut von den langen Nächten in den Hallen und an den Feuern des Eldarings. Meist reiste er mit seinem Bulli an, an Bord die Kreationen aus seiner Chiring Kunstproduktion, in der er germanische und keltische Ornamentik aufgriff.

Seine künstlerische Ader prägte und prägt weiterhin den öffentlichen Auftritt des Eldarings ganz entscheidend. So entwarf er das Eldaring-Vereinslogo und gestaltete jährlich ein neues Motiv für die Ostara-Treffen, seit diese unter dem Motto „Reise durch die neun Welten“ veranstaltet werden.

In seinen Jahren als aktives Redaktionsmitglied stellte er seine Fähigkeiten als Künstler auch in den Dienst der Vereinszeitschrift „Herdfeuer“. Sein reger Geist beschäftigte sich darüber hinaus mit geisteswissenschaftlichen Themen rund um das germanische Heidentum. In der „Herdfeuer“ veröffentlichte er zwischen 2006 und 2011 Artikel in den Heften Nr. 13, 14 und 31. Das Heft Nr.16 (2007) füllte er maßgeblich als gern zitiertes Themenheft „Die wilde Jagd“. Viel beachtete Artikel veröffentlichte er darüber hinaus in den Nr. 2, 3, 5 und 6 des Heidnischen Jahrbuchs während der Jahre 2007 bis 2012. Seine Texte waren immer von sorgfältiger Recherche getragen und zeugten von dem Herzblut, mit dem sie verfasst waren. Krischan ging den Dingen gern auf den Grund; er scheute sich nicht, pointiert Position zu beziehen und sich Kontroversen zu stellen. Dabei stellte er die Freundschaft über jede noch so harte Meinungsverschiedenheit.

Für Münster und das Münsterland übernahm er von 2007 bis 2014 die Verantwortung als Herdwart, d.h. als regionaler Ansprechpartner für den Eldaring e.V. In dieser Eigenschaft organisierte er mit dem Herd Münster das Eldathing 2012 in Tecklenburg.
Für die Homepage des Eldaring engagierte er sich als Administrator. Als vor wenigen Jahren ein „Umzug“ auf eine aktuellere Forensoftware erforderlich wurde, war es Krischan, der sich darum kümmerte.

Im persönlichen Umgang war er ein zurückhaltender Mensch, der sich trotz seiner künstlerischen Ambitionen und seiner Veröffentlichungen nie in den Vordergrund drängte, sondern eher sein Licht unter den Scheffel stellte. Seine schüchterne Art stand einem öffentlichen Auftritt lange Zeit im Wege; jedoch ließ er sich ermutigen, auf dem Eldathing im Oktober 2017 auf Burg Ludwigstein den Vortrag „Heidnisches Ritual oder Ritualmordlegende?“ zu halten. Dieses Eldathing war für viele von uns das letzte Mal, wo wir ihn getroffen haben.

Dem Vorstand des Eldarings war er ein geschätzter Ratgeber, der noch am 6.12.2017 als Gast aufgrund seiner Sachkunde an einer Vorstandssitzung teilgenommen hatte. An den Julfeiern der Eldaring-Herde im Ruhrgebiet (Schwarzalben) und in OWL (Widukinds Wölfe) im Dezember 2017 konnte er nicht mehr teilnehmen und wurde schmerzlich vermisst.

Am 6. Januar 2018 um genau 18.00 Uhr findet ein Gedenken an Krischan statt. Die Teilnahme ist von jedem Ort aus möglich, indem man da, wo man ist, innehält und sich dem Andenken von Krischan widmet, z.B. mit einem Zigarillo, einem Bier, einem Met oder einem anderen Opfer.

Mögen unsere guten Wünsche ihm Geleit von unserer in die nächste Welt geben – auf dem Weg, auf den die Wilde Jagd ihn geholt hat.

Im Namen des Eldaring-Vorstands

Petra Bolte
1. Vorsitzende

Freyja zu Besuch in Frankfurt am Main

von Nelly Dirks

(Ausstellung Februar bis Juni 2017)
Gedanken über die Abbildung der Göttin auf einer Fibel
(mit Nachzeichnungen der Freyja-Fibeln von Tissø)

Die Ausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt hieß zwar „Odin, Thor und Freyja“, doch für mich steht Freyja (die Herrin) an erster Stelle. Davon abgesehen ist sie – oder ihre „Vorgängerinnen“ – die älteste von den dreien. Also sollte sie auch als Erste genannt werden. Wenigstens wurde eine der Freyja-Fibeln als Werbeschild für diese Ausstellung verwendet – allerdings auch nur zwischen Odins Kopf und Thors Hammer.

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Stellungnahme / Presseerklärung der Vereine Eldaring e.V., Verein für Germanisches Heidentum (VfGH) e.V. und Celtoi e.V.

In der Nacht des 31.12.2016 wurde eine stilisierte „Irminsul“ in den Farben weiß-rot-schwarz auf den Externsteinen, einer Felsformation des Teutoburger Waldes im Kreis Lippe, von Unbekannten nach Art eines Gipfelkreuzes angebracht.

Dass die fragliche Irminsul-Nachbildung in den Farben des Kaiserreichs und des 3. Reichs gehalten wurde, legt nahe, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine politisch motivierte Tat aus dem rechtsextremen Spektrum handelt. Mithin wurde ein religiöses Symbol für einen politischen Zweck missbraucht – mal wieder.

Wir verurteilen diese Tat in aller Deutlichkeit und hoffen, dass die Täter ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden. Wer immer für diese Aktion verantwortlich ist, hat eine Straftat begangen und dem Heidentum einen Bärendienst erwiesen. Den politischen, insbesondere rechtsextremen Missbrauch heidnischer Symbolik, in diesem Falle der Irminsul, verurteilen wir auf das Schärfste! Wir wehren uns mit Nachdruck gegen Versuche der Vereinnahmung heidnischer Symbole durch rechtsextreme Kreise.

Die Irminsul – auch Ermensul – wird in heidnischen Kreisen als Symbol des Lebensbaumes verstanden und oft mit der Yggdrasil der isländischen Überlieferung gleichgesetzt. Die Yggdrasil verbindet die neun Welten der nordeuropäischen Mythologie miteinander. Im Zuge des Eroberungskrieges Karls des Großen gegen die Sachsen im 8. Jahrhundert soll eine für den Kult der Sachsen bedeutsame Irminsul durch die Franken vernichtet worden sein. In Erinnerung an die altsächsische Irminsul wird von vielen Neuheiden heute eine stilisierte Irminsul als Symbol ihrer religiösen Identität verwendet.

Ob die Externsteine in vorchristlicher Zeit Schauplatz kultischer Handlungen waren, ist nicht belegt. Die Externsteine sind jedoch ein ehrfurchtgebietendes Naturdenkmal und sollten als solches gewürdigt und respektiert werden. Jedwede Instrumentalisierung der Externsteine für extremistische Inszenierungen lehnen wir in aller Deutlichkeit ab.

Die Vorstände des Eldaring e.V., VfGH e.V. und Celtoi e.V.

Thorri und das Thorrablót

von Gunivortus Goos

Wer dem Titel zu entnehmen glaubt, dass dieser Beitrag von dem nordischen Gott Thor (altnordisch: Þórr) handelt, unterliegt einem Irrtum. Thorri bezieht sich auf eine andere Gestalt der nordischen Mythologie. Aber wer dieser Thorri (altnordisch: Þorri) nun eigentlich war, ist nicht sicher geklärt, die alten Quellen sind darüber leider nicht eindeutig und gleicher Ansicht. Nach der Orkneyinga Saga aus dem 13. Jahrhundert war Thorri der König eines frühen Königreichs in Norwegen. Aus historischer Sicht gibt es dafür keine Belege, es gehört deshalb auch wohl zur Mythologie, so wie das vermutlich auch bei dem dänischen König Rolf Krake (altnordisch: Hrólfr Kraki) der Fall ist.

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Arbogast – eine vergessene Heldengeschichte

von Kurt Oertel

Die Völkerwanderungszeit war ein Zeitalter, in dem herausragende und entschlossene Persönlichkeiten zu Legenden werden konnten. Praktisch alle großen Figuren der südgermanischen Heldensage haben ihren Ursprung in dieser unruhigen Zeit, aus der letztlich ein neues und völlig verändertes Europa hervorging. Wenn im heutigen Heidentum Namen der großen Volkskönige wie Theoderich der Große, Alarich, Geiserich usw. bewundernd genannt werden, scheint dabei jedoch gerne übersehen zu werden, dass all diese Herrscher und ihre Völker bereits Christen waren. Mit dem Namen Arbogast aber scheinen nur spezialisierte Historiker vertraut zu sein. Und doch ist gerade seine Geschichte des Erzählens wert, nicht nur, weil er Zeit seines Lebens den Göttern seiner Ahnen treu blieb, sondern mehr noch, weil er in Ereignisse verwickelt wurde, deren Kenntnis jedem heutigen Heiden gut anstehen würde und die in zusammenhängender und gemeinverständlicher Form so noch nie erzählt worden sind, sondern in fachwissenschaftlichen Gesamtdarstellungen bestenfalls nur in wenigen Sätzen abgehandelt werden. Dies also ist sie, die seltsame, großartige und (wie jede gute germanische Heldensage) tragische Geschichte Arbogasts.

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Gleiches Recht für alle Bürger!

In den vergangenen Wochen und Monaten häufen sich die Diskussionen und Pressemitteilungen über Homosexualität und Ehe in unserer Gesellschaft.

Gerade im Bezug zu Glauben und Religion ist dies leider oft ein heikles Thema.

Demnach halten wir es für nötig, hier für Klarheit zu sorgen und als religiös und kulturell ausgerichteter Verein offiziell Stellung zu nehmen. 

Wie man in den Medien mitverfolgen konnte, hat sich die isländische Ásatrú-Organisation Ásatrúarfélagið offen zur gleichgeschlechtlichen Ehe bekannt und stark dafür gekämpft, diese in Island rechtlich zu legitimieren.

Quelle: www.gayiceland.is/2015/viking-weddings-trending/

Wir begrüßen dieses Engagement und unterstützen die Bestrebungen, Homosexualität als selbstverständliches, voll- und gleichwertiges Partnerschaftsmodell anzuerkennen.

Der Vorstand des Eldaring e.V.

Von den Beschwernissen der letzten Reise – Jenseitsvorstellungen und Seelenglaube

von Kurt Oertel

In einer Veröffentlichung über Moorfunde in Schleswig-Holstein schreibt der Archäologe Herbert Jankuhn:

„Bei Lottorf im Kreise Schleswig gibt es ein kleines Moor, in dem über zehn Lederschuhe, z.T. abgetragene Stücke, gefunden wurden, und da einzelne Schuhe auch in anderen Mooren auftreten, muß hier ein fest umrissener Brauch vorliegen, der es erforderte, daß aus bestimmten Anlässen oder zu ganz bestimmten Zwecken Schuhe auf Mooren niedergelegt wurden. Welche Gedanken die Menschen der alten Zeit damit verbanden, wissen wir nicht.“ 1

Das wissen wir in der Tat nicht. Eine Betrachtung anderer Quellen aber könnte den Blick immerhin in eine bestimmte Richtung lenken. Schuhe waren nämlich auch ein wichtiger Bestandteil des Totenbrauchtums, und die damit verbundenen Vorstellungen, die auf heidnische Denkmuster zurückgreifen dürften, sind dabei noch deutlich erkennbar. Die sogenannten Totenschuhe, auch Hel-Schuhe genannt (altnordisch: helskór) gehörten zu den wichtigsten Dingen, mit denen man Verstorbene auszustatten hatte. Natürlich steht dahinter zunächst einmal die sehr real gedachte Reise in die Jenseitswelt, die der Verstorbene anzutreten hatte, und für die gutes Schuhwerk als genauso unerläßlich galt wie weitere Grabbeigaben auch. Nun gibt es aber eine wenig beachtete Quelle, die heutigen Heiden allein schon deshalb unbekannt ist, weil sie erstmals 1979 vollständig und mit einer deutschen Übersetzung versehen veröffentlicht wurde,2 und die uns möglicherweise interessante Detaileinblicke eröffnet.

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Holda, Frigga, Percht und Hel – eine strukturale Betrachtung

von Petra Bolte

Die Beschäftigung mit den Zeugnissen für die heidnische Religion unserer Vorfahren – mittelalterliche skandinavische Autoren, kontinentalgermanische Volksmärchen, archäologische Funde, überliefertes Volksbrauchtum, sprachwissenschaftliche Forschung – führt fast zwangsläufig zur Frage: Kontinentalgermanisch oder nordisch, wo sind die Schnittmengen, wo die Unterschiede zwischen den Gottheiten? Der vorliegende Beitrag greift diese Fragen auf im Rahmen einer strukturalen Betrachtung der kontinentalgermanischen Holda und Percht und der nordischen Frigga und Hel.

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Ostara – Feste feiern mit Kindern

von Ines Hardy

Es ist schon einige Jahre her, dass ich so schön Ostara feiern konnte wie damals mit den Kindern. Ich versuche also aus dem Gedächtnis davon zu berichten und mir sei verziehen, wenn ich verschiedene Ostarafeste durcheinander würfele. Aber das würden ohnehin nur diejenigen bemerken, die dabei waren. Allen anderen soll es Inspiration schenken.

Wir haben uns immer am Nachmittag der Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche am 20. bzw. 21. März am Gelände des Treppenhauers getroffen. Meist waren wir 5-8 Frauen mit ebenso vielen Kindern im Alter zwischen 2-6 Jahren. Von zu Hause brachten wir Beutel voller Stoffreste, Stricke und Stroh mit. Mit dort zusammen gesammelten Ästen bastelten wir daraus als Erstes den Herrn Winter, den wir schließlich alle lautstark austreiben wollten. Nach und nach trudelten alle ein. Wir Frauen bastelten, stellten das Essen für das spätere Picknick in den Kühlschrank und die Kinder tobten durch das Museumsgelände, das langsam aus der Winterstarre erwachte. Als der Herr Winter fertig war und alle sich am Eingangstor versammelt hatten, konnte es ab in den Wald gehen. Es gab ein ziemliches Gerangel unter den Kindern bei der Frage, wer die Winterpuppe tragen durfte. Jeder wollte einen Zipfel von ihr ergattern. Die Muttis bestimmten dann, dass abwechselnd getragen werden durfte. Und so ging es laut mit dem Winteraustreib-Lied in den Wald:

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Wie man sich vor Trollen schützt

von Eran
Übersetzung aus dem Englischen von Kurt Oertel

Teil 1: Das Grundproblem

Wir alle haben verschiedentlich mit ansehen müssen, wie heidnische Gruppen oder auch größere Vereine und Dachverbände durch innere Streitigkeiten zerstört wurden und zerfielen. In manchen Fällen ist das einfach nur Teil des natürlichen Kreislaufs von Entstehung und Zerfall, wobei sich etwas Überaltertes auflöst, um Platz für neues Wachstum zu ermöglichen. In anderen Fällen jedoch traf dieser Zerfall auch hoffnungsvolle heidnische Gruppierungen, die noch jung und unverbraucht wirkten. Dabei kam es nicht nur zu einer Zerstörung dieser Gruppen von innen heraus, sondern auch erfahrene Veteranen und hoch geachtete Personen, die das Heidentum lange Zeit hingebungsvoll mit aufgebaut hatten, fanden sich danach oft in einem Zustand völliger Desillusionierung wieder, weil sie dabei solche Verletzungen und Anfeindungen erlebt hatten, dass sie daran innerlich zerbrachen.

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