Wie man sich vor Trollen schützt

von Eran
Übersetzung aus dem Englischen von Kurt Oertel

Teil 1: Das Grundproblem

Wir alle haben verschiedentlich mit ansehen müssen, wie heidnische Gruppen oder auch größere Vereine und Dachverbände durch innere Streitigkeiten zerstört wurden und zerfielen. In manchen Fällen ist das einfach nur Teil des natürlichen Kreislaufs von Entstehung und Zerfall, wobei sich etwas Überaltertes auflöst, um Platz für neues Wachstum zu ermöglichen. In anderen Fällen jedoch traf dieser Zerfall auch hoffnungsvolle heidnische Gruppierungen, die noch jung und unverbraucht wirkten. Dabei kam es nicht nur zu einer Zerstörung dieser Gruppen von innen heraus, sondern auch erfahrene Veteranen und hoch geachtete Personen, die das Heidentum lange Zeit hingebungsvoll mit aufgebaut hatten, fanden sich danach oft in einem Zustand völliger Desillusionierung wieder, weil sie dabei solche Verletzungen und Anfeindungen erlebt hatten, dass sie daran innerlich zerbrachen.

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Mythen der Alpen: Perchten, Klausen, Krampusse – modernes Brauchtum und die Wilde Jagd

von Uwe Ehrenhöfer

Toaset wie dös wildescht Meer,
röahret vürse, hindre!
S ischt im Gai huit s Müetes Heer
ka kui Rüeh it finde!

(nach Toni Gaßner-Wechs 1939)

Übersetzung aus dem Allgäuer Dialekt:
Toset wie das wilde Meer, röhrt von vorne und hinten.
Es ist im Land heut’ Wotans Heer, kann keine Ruhe finden.

Historischer Perchtenlauf
Historischer Perchtenlauf. Darstellung aus dem 19. Jahrhundert.

Erlebnisse eines Winters

Schladming / Österreich, am 27.11.2010:

Der Innenort dieses hauptsächlich vom Wintertourismus und der Nähe zum Dachsteinmassiv lebenden Örtchens kann in einem zehnminütigen Spaziergang durchschritten werden, der bei der örtlichen Brauerei beginnt und an den Bergbahnen und der „Tenne“ endet, einem fürchterlichen Restaurations- und Diskobunker im Pseudoalpinen Stil. Ab 18 Uhr an diesem Abend finden sich allmählich 40.000 Besucher ein und sammeln sich um die Hauptstraße, die durch metallene Absperrgitter gesichert ist. Der Innenort ist abgedunkelt, als sich zum Klang von hämmerndem Metal um 20 Uhr eine erste Gruppe wahrhaft „höllisch“ anmutender, in dunkles Fell gekleideter Gestalten durch die Umzugsgasse zu bewegen beginnt. In ihrem Schlepptau führen sie eiserne Karren mit gusseisernen Kesseln und darin flackerndem Feuer mit sich, ihre Masken sind wüste, aus Holz geschnitzte Fratzen mit großen, minotaurisch anmutenden Hörnern – und das ist nur der Anfang eines insgesamt tausend Larven zählenden Aufzuges aus wilden, dämonischen Gestalten, die teilweise auf bocksfußartigen Stelzen laufen und von denen die größten mit Hörnern deutlich über drei Meter hoch aufragen. Wenn einer aus dem Publikum unverschämt wird, dann springen die Krampusse drohend gegen das Geländer, und besonders ungebührliches Verhalten wird mit Schlägen von Weidenruten oder mit aus Tierschwänzen bestehenden Peitschen gestraft. Eine folgende Gruppe trägt silberne Menschengesichter, ist aber sonst ganz in Felllumpen gekleidet, einige tragen metallene Körbe am Rücken, in denen glimmendes Holz vor sich hin raucht, das die gesamte Promenade in einen grauen Nebel hüllt und alles mit seinem durchdringenden Geruch erfüllt. Holzgeschnitzte Teufelsfratzen mit bizarr verdrehten Mäulern und Augen tauchen aus der Dunkelheit auf, untermalt vom scheppernden Klang von Kuh- und Zugschellen in einem seltsamen, durch eine spezielle Laufweise bestimmten Rhythmus. Dazwischen tauchen vereinzelt Figuren im Ornat des katholischen Heiligen Sankt Nikolaus auf, der teils von einem sennenartigen, wilden Männlein mit Stab, Kiepe und Tannenzweigen begleitet wird, teils auch von weißen und schwarzen „Engeln“. Dann werden plötzlich mehrere Rauchbomben geworfen, aus denen dichter Qualm aufsteigt, der die ganze Hauptstraße vernebelt, und aus diesem weißen Rauch tauchen in weißes Fell gekleidete, gehörnte Figuren auf, deren geschnitzte Gesichter bärtige Männer darstellen. Zu ihrem tänzelnden Schritt tragen sie rot flammende Magnesiumfackeln, was alles in ein unwirkliches, rotorangenes Licht taucht. Dazu der typische Klang aus Rufhörnern …

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