Ostara – Feste feiern mit Kindern

von Ines Hardy

Es ist schon einige Jahre her, dass ich so schön Ostara feiern konnte wie damals mit den Kindern. Ich versuche also aus dem Gedächtnis davon zu berichten und mir sei verziehen, wenn ich verschiedene Ostarafeste durcheinander würfele. Aber das würden ohnehin nur diejenigen bemerken, die dabei waren. Allen anderen soll es Inspiration schenken.

Wir haben uns immer am Nachmittag der Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche am 20. bzw. 21. März am Gelände des Treppenhauers getroffen. Meist waren wir 5-8 Frauen mit ebenso vielen Kindern im Alter zwischen 2-6 Jahren. Von zu Hause brachten wir Beutel voller Stoffreste, Stricke und Stroh mit. Mit dort zusammen gesammelten Ästen bastelten wir daraus als Erstes den Herrn Winter, den wir schließlich alle lautstark austreiben wollten. Nach und nach trudelten alle ein. Wir Frauen bastelten, stellten das Essen für das spätere Picknick in den Kühlschrank und die Kinder tobten durch das Museumsgelände, das langsam aus der Winterstarre erwachte. Als der Herr Winter fertig war und alle sich am Eingangstor versammelt hatten, konnte es ab in den Wald gehen. Es gab ein ziemliches Gerangel unter den Kindern bei der Frage, wer die Winterpuppe tragen durfte. Jeder wollte einen Zipfel von ihr ergattern. Die Muttis bestimmten dann, dass abwechselnd getragen werden durfte. Und so ging es laut mit dem Winteraustreib-Lied in den Wald:

So treiben wir den Winter aus
durch unsre Stadt zum Tor hinaus
und jagen ihn zu Schanden,
hinweg aus unsren Landen.

Wir stürzen ihn von Berg zu Tal,
damit er sich zu Tode fall
und uns nicht mehr betrüge
mit seine späten Züge.

Nun haben wir den Winter ausgetrieben,
So bringen wir den Sommer wieder.
Den Sommer und den Maien,
die Blümlein mancherleien.

Unter dem Vorwand, dass ich noch auf die Nachzügler warten wolle, blieb ich mit dem Korb voller bunt gefärbter Eier und diverser Schokoleckereien zurück. Als ich die Kinder nicht mehr durch die Bäume sehen konnte, begann ich damit, den ganzen Inhalt des Korbes im Wald zu verteilen. Im Gebüsch, in Sträuchern, in Astgabelungen, in ausgehöhlten Baumstümpfen … Danach wetzte ich den anderen hinterher. Die waren inzwischen an unserer Quelle am Bach angekommen und hatten sie vom Wintermüll befreit. Es gehört immer bei uns mit zu Ostara, die Quelle sauber zu machen, altes Laub zu entfernen, das ihren Abfluss verstopft, und Müll aufzusammeln, der von dem nahegelegenen Jugendclub immer irgendwie seinen Weg in den Wald findet. Es werden Frühjahrsblüher gepflanzt, wie Narzissen oder Primeln. Um eine große Kerze drapieren wir unsere Opfergaben: rohe angeknackste Eier (roh deshalb, damit die Tiere des Waldes ohne Probleme die Eier fressen können), Milch, Lauch, Hirse, Honig … darum einige duftige Räucherstäbchen.

Die Kinder stellten natürlich mit Bestürzung fest, dass inzwischen mein Korb leer war. Ich erfand schnell die Geschichte, dass mich unterwegs doch tatsächlich der Osterhase überfallen und alle Eier gestohlen hatte! Und als ich ihn verfolgte, hatte er bei seiner Flucht alles panisch in den Wald geworfen, und deshalb müssten die Kinder mir helfen, alles wieder zu finden. Ich erntete nur ein Kopfschütteln und die Bemerkung, dass es ein ziemlich dummer Hase gewesen sein müsse. 😉

Nun wo wir alle beisammen waren, konnte das Ritual mit den Kindern beginnen. Ich erklärte, dass nun die Frau Sommer über den Herrn Winter siegt, die Sonne immer wärmer strahlt und die Tage länger werden. Und um sie dabei zu unterstützen, müsste zunächst der Herr Winter in den Bach geworfen werden, damit er auch wirklich verschwindet. Gesagt getan: Die Kinder stellten sich alle auf der sehr wackeligen selbstgebauten Brücke auf, die über den Bach führte. Jedes Kind wollte die Winterpuppe in den Bach werfen. Die Mütter am Ufer hatten die Befürchtung, dass die Kinder gleich mit hinterher fliegen. Aber sie schafften es wie jedes Jahr, dass nur die Winterpuppe in den Bach flog und sich wie immer am einzigen Felsbrocken im Bach vehement festkrallte, und ich, auch wie jedes Jahr, bewaffnet mit einem langen Stock zum Bach hinunterklettern musste, um die Winterpuppe vom Felsen zu stoßen. Der vom Tauwetter angeschwollene Bach nahm die Winterpuppe schnell mit hinunter zur Zschopau. Zurück um die Kerze versammelt, begannen wir unsere Runenintonation. Meist waren es Laguz – für die fließenden Wasser und erwachenden Gefühle –, Berkana – für das erwachende Grün – und Sowilo – für das stärker werdende Licht.

Besonders gern erzählte ich zu Ostara von Thor und seinem Kampf gegen die Winterriesen. Witzigerweise ist auch das Wetter meist passend, ein wildes Wechselspiel zwischen Schneegestöber und plötzlicher Sonne. Vor vielen Jahren hatte ich für Ostara einen Text zur Anrufung des Gottes verfasst, den ich hier auch nicht vorenthalten will:

Heil dir Thor, Sohn der Erde,
Freund und Beschützer der Menschen.
Mit Blitz und Donner ziehst du durch die Lüfte.
Stürmst vorwärts und vertreibst alle Eisriesen
und befreist so deine Mutter Erde,
damit wieder alles grünen und blühen kann.

Nun kannst du kommen, geweihgeschmückter Gott,
der du auch Frey, Pan, Cernunnos genannt wirst.
Komm zu uns mit all deinen Begleitern,
Lichtalben, Kobolden, Feen und Idisen.
Verspritze deinen Samen über die grünende Erde
auf dass alles gedeiht und wächst.

Heil Euch, Thor & Frey,
feiert mit uns unser Frühlingsfest!
Seid willkommen!

Man kann ein Eierorakel machen, wo jeder aus einem verdeckten Korb bunt gefärbte, mit Runen verzierte Eier zieht, die dann dementsprechend gedeutet werden. Die Eier hatte ich in der Nacht zuvor gefärbt: Rot mit dem Saft Roter Bete, Gelb mit Kurkuma, Blau bis Schwarz mit Heidelbeersaft, das Grün habe ich mit dickem Brennesseltee versucht, ist aber eher Blassgelb geworden. Und natürlich werden jede Menge Frühlingslieder gesungen.

Inzwischen wurden die Kinder immer hippeliger und wollten endlich wieder in den Wald, um die Leckereien zu suchen. Wir mussten uns auch wirklich beeilen, noch wurde es zeitig dunkel, und wir mussten auch aufpassen, dass die Hunde die Eier nicht zuerst finden. Also schnell noch an der Quelle das Osterwasser geschöpft und den Kindern hinterher. Aber wie war das herrlich, dieses vergnügte Quietschen und Jauchzen, wenn die Kinder etwas gefunden hatten, und schnell füllten sich deren mitgebrachten Körbchen. Und wir konnten uns oft genug das Lachen nicht verkneifen, wenn jemand zum xten Mal an einem offensichtlichen Versteck vorbeilief und absolut nichts sah. Aber irgendwann hatten wir wieder alles gefunden, hofften wir jedenfalls.

Zurück im Museumsdorf deckten wir die Tische mit unseren mitgebrachten Picknicksachen. Zu Ostara versuchen wir immer Essen in den Farben Grün, Weiß und Gelb aufzutischen. Natürlich gab es alles Mögliche aus Eiern. Die üblichen buntgefärbten Eier, Eiersalat … und was ich immer mache: aus dem Eigelb Eierlikör und dem übriggebliebenen Eiweiß Baiser. Hier die Rezepte:

Ines’ Eierlikör:

6 Eigelb mit 250 g Puderzucker und 2 Tüten Vanillezucker schaumig schlagen. Nach und nach 1 kleine Dose Kondensmilch und dann einen halben Liter Klaren unterrühren. Alles in eine Flasche füllen und solange stehen lassen wie man’s aushält. Lecker!

Plätzchen aus Zucker im Schnee – wird heutzutage „Baiser“ genannt und ist ein Rezept aus dem 17. Jahrhundert:

6 Eiweiß mit 200 g Zucker steifschlagen. Mit der Spritze kleine Spitzen auf das Backblech setzen und bei 125 °C in 45 min luftig locker backen. Eine schreckliche Krümelei, aber ein Traum!

Dazu gab’s natürlich selbst gebackenes Weißbrot mit Kräuter-Schmand-Aufstrich, und auch ein Lauch-Apfel-Salat ist sehr frühlingshaft. Die Kinder hatten natürlich hauptsächlich mit ihrem Naschwerk zu tun.

Als es dann langsam dunkel wurde, fuhren nach und nach alle heim. Doch noch Tage später musste der Kleine einer Freundin regelmäßig kontrollieren, ob der Winter jetzt wirklich weggespült worden war und langsam die Knospen an den Bäumen sprossen. Und als einen Monat später die Christen immer noch Ostern feierten, beschwerte er sich im Kindergarten, dass der dumme Hase langsam aufhören könne, ständig die Eier zu verstecken. Das werde langsam albern. 😉

Erschienen 2012 in Herdfeuer 33