Wie man sich vor Trollen schützt

von Eran
Übersetzung aus dem Englischen von Kurt Oertel

Teil 1: Das Grundproblem

Wir alle haben verschiedentlich mit ansehen müssen, wie heidnische Gruppen oder auch größere Vereine und Dachverbände durch innere Streitigkeiten zerstört wurden und zerfielen. In manchen Fällen ist das einfach nur Teil des natürlichen Kreislaufs von Entstehung und Zerfall, wobei sich etwas Überaltertes auflöst, um Platz für neues Wachstum zu ermöglichen. In anderen Fällen jedoch traf dieser Zerfall auch hoffnungsvolle heidnische Gruppierungen, die noch jung und unverbraucht wirkten. Dabei kam es nicht nur zu einer Zerstörung dieser Gruppen von innen heraus, sondern auch erfahrene Veteranen und hoch geachtete Personen, die das Heidentum lange Zeit hingebungsvoll mit aufgebaut hatten, fanden sich danach oft in einem Zustand völliger Desillusionierung wieder, weil sie dabei solche Verletzungen und Anfeindungen erlebt hatten, dass sie daran innerlich zerbrachen.

Die Mechanismen hinter solchen Vorgängen erscheinen oft rätselhaft und undurchschaubar. Wenn ein solcher Prozess noch im Vollzug begriffen ist, ist es fast immer unmöglich, klar zu erkennen, was falsch läuft. Untersucht man danach dann die Trümmer der Katastrophe, scheint es immer noch so, als hätten alle nur das Richtige zu tun versucht. Zwar gab es offensichtlich Missverständnisse und kommunikative Defizite, aber genauso offensichtlich schienen sich alle Beteiligten aufrichtig und ernsthaft um eine produktive Anwendung der Regeln zur Konfliktbewältigung bemüht zu haben. Aber aus völlig unverständlichen Gründen machte das alles nur noch schlimmer. Und die zuvor Angesehensten der Gemeinschaft, die als die ethisch Integersten galten und die sich dabei am intensivsten um gutwillige Lösungen bemüht hatten, die Geduldigsten und Verständnisvollsten – ausgerechnet sie wurden dabei aufgerieben. Ihre Kraft und Stärke wurden ins Nichts aufgesogen, ihr Idealismus wurde gebrochen, und sie zogen sich danach zutiefst verletzt ins Private zurück und wollten mit dem organisierten Heidentum nichts mehr zu tun haben, wodurch ihr Wissen und ihre Erfahrung dem Heidentum auf immer verloren gingen. Fast könnte einen das in Verfolgungswahn verfallen lassen und den Verdacht nähren, dass irgendwelche unguten Kräfte einen Geheimplan verfolgen, der die fähigsten Köpfe des Heidentums unschädlich machen will.

Vor einiger Zeit veröffentlichte Isaac Bonewits die Besprechung eines Buches, das sich diesem Thema widmet. Dieses Buch von Kenneth Haugk trägt den Titel Antagonists in the Church: How to Identify and Deal with Destructive Conflict (Augsberg Publishing House, Minneapolis 1988). Der Rezensent empfiehlt dieses Buch wärmstens, obwohl es aus christlicher Sicht und für ein christliches Zielpublikum von Priestern und in der Kirche engagierten Laien geschrieben ist. Er behauptet, dieses Buch mache deutlich, was ansonsten immer nur als undurchschaubarer Prozess erlebt wird. Und damit hat er völlig Recht.

Für Heiden ist die Lektüre des Buches allerdings deshalb ziemlich nervtötend, weil der Verfasser offenbar tatsächlich davon überzeugt ist, dass alle innerchristlichen Auseinandersetzungen und Konflikte ausschließlich ein reines Werk des Teufels mit dem Ziel sind, den einzig wahren christlichen Glauben und die Kirche zu vernichten. Wenn man diesen christlichen Unsinn aber einmal überliest, wird man in dem Buch eine Fülle unglaublich nützlicher Erkenntnisse finden. Für alle, die jemals einen der oben beschriebenen zerstörerischen Prozesse in heidnischen Gruppen oder Vereinen selbst erleben mussten, bietet das Buch Einsichten und Erklärungen, wie man sie sich nie zu erhoffen wagte. Das Buch müsste natürlich unter heidnischem Aspekt umgeschrieben werden, weil es speziell dem Heidentum eigene (positive wie negative) Aspekte gibt, die das Buch von Haugk für eine rein christliche Leserschaft verständlicherweise nicht abdecken kann.

Fangen wir also mit der wichtigsten und grundlegendsten Erkenntnis an: Es ist nicht so, dass solche Konflikte „einfach passieren“. Gerade die wirklich zerstörerischen und zersetzenden Streitereien, die kleine Gemeinschaften wie große Vereine gleichermaßen zerreißen können und die regelmäßig gerade die wertvollsten Mitglieder vertreiben, geschehen nicht etwa zufällig, und sie sind auch nicht nur eine Folge von Missverständnissen oder kommunikativen Defiziten. Nein, sie geschehen deshalb, weil bestimmte Menschen sie bewusst auslösen. Es gibt Menschen mit bestimmten Persönlichkeitsmustern, die das konstante Auslösen von Konflikten genauso nötig brauchen wie andere Menschen ihr täglich Brot. Wenn ein solcher Mensch sich austoben darf, funktioniert keine Strategie von Konfliktbewältigung mehr, weil diese Person nicht das geringste Interesse an einer Beilegung des Konflikts hat. Im Gegenteil macht man die Dinge nur umso schlimmer, je mehr Geduld und Verständnis man dabei aufzubringen versucht, weil diese Person genau das dazu missbrauchen wird, um den Streit zu verlängern und zu verschlimmern.

Glücklicherweise sind solche Menschen eher selten und lassen sich für gewöhnlich als solche erkennen, bevor sie ernstlichen Schaden anrichten können. Aufgrund ihrer typischen Persönlichkeitsmerkmale können sie dingfest gemacht werden, und das ist die Vorbedingung, um ihre Techniken zu vereiteln und unwirksam zu machen. Angemessen mit ihnen umgehen zu können, erfordert allerdings ein gehöriges Maß an Wissen und Erfahrung, das man sich zuvor erarbeitet haben muss. Es erfordert im Notfall aber vor allem die Bereitschaft zu schnellem und entschlossenem Handeln mit allen einem zu Gebote stehenden Mitteln. In einer kleinen und regional begrenzten Heidengruppe kann man sich relativ leicht gegen solche Menschen schützen. Leider ist das auf höherer Ebene nicht so leicht. Schleicht sich solch eine Person nämlich in große Vereine und Dachverbände ein, kann sie dort durch gezielte Verleumdungen und böswillige Gerüchte viel Schaden anrichten, bevor das Problem überhaupt erkannt wird. Und auch dann ist es nicht einfach, wirkungsvoll dagegen vorzugehen.

In dieser auf sieben Teile angelegten Artikelserie werde ich die Persönlichkeitsmerkmale dieser Menschen beschreiben, wie man sie erkennt, auf welche Warnsignale man dabei zu achten hat sowie die Maßnahmen, die gegen sie anzuwenden sind, und welche überhaupt nichts bewirken. Ich werde auf die Gründe eingehen, warum gerade heidnische Gruppen solche Menschen anziehen und wie man die eigene Gruppe besser gegen sie schützen kann. Da es dabei auch um religiöse Zusammenhänge geht, werde ich ebenfalls ein paar theologische Gedanken dazu äußern. Egal wie Haugk die Dinge sieht, als Heiden brauchen wir das nicht als Konflikt zwischen „gut und böse“ zu betrachten, sondern als Notwendigkeit, unsere Mitmenschen so zu behandeln, wie es jedem einzelnen angemessen ist. Wir haben es hier auch nicht mit einem Geheimplan oder einer Verschwörung zu tun, sondern mit ganz natürlichen Prozessen, auch wenn sie sehr unangenehm sind – genauso wie Seuchen und Hochwasser ganz natürliche Dinge sind. Wenn die Götter als Herrscher über die Natur uns mit solchen Katastrophen belegen, muss das nicht heißen, dass wir passiv daneben stehen und die Folgen einfach nur akzeptieren müssen. Wenn man in einer Gegend lebt, die z.B. von Hochwasser oder Lawinen gefährdet ist, kann und sollte man von vornherein entsprechende Maßnahmen treffen, um drohende Schäden solcher Katastrophen so gut wie möglich in Grenzen zu halten.

Ich möchte all dies nur als Vorschläge verstanden wissen. Wer zu besseren Methoden des Umgangs mit dem Problem gefunden hat, sollte die in jedem Fall auch anwenden – und dieses Wissen bitte an uns andere weitergeben. Im nächsten Teil dieser Artikelserie werde ich eine Liste von Persönlichkeitsmerkmalen solcher Menschen vorstellen und darlegen, auf welche Warnsignale man dabei achten sollte. Aber hier geht es zunächst einmal um ein grundsätzliches Verständnis des Phänomens, mit dem wir es zu tun haben.

Die Suche nach einer treffenden Bezeichnung

Die wirklich zerstörerischen Konflikte in Gruppen jeder Art werden von Menschen verursacht, die davon besessen sind, andere in ein Kräftemessen zu verwickeln, bei dem man selbst nicht gewinnen kann. Solche Menschen haben für gewöhnlich wenig Selbstbewusstsein und Selbstachtung, nehmen keine Rücksicht auf andere, haben Probleme mit der Realitätswahrnehmung und weisen oft erhebliche Symptome von Verfolgungswahn auf. Aus ihrem geringen Selbstbewusstsein heraus entsteht der Wunsch, andere niederzumachen, damit sie selbst im Vergleich als besser dastehen. Da sie keine Rücksicht auf andere nehmen, interessiert es sie überhaupt nicht, welchen Schaden sie anrichten, ja, oft erkennen sie nicht einmal, dass sie überhaupt Schaden angerichtet haben. Da sie unfähig sind, zwischen der Wirklichkeit und den Phantasien in ihrem Kopf unterscheiden zu können, sind sie sehr überzeugende Lügner, weil sie oftmals tatsächlich an den Unsinn glauben, den sie von sich geben. Ihr Verfolgungswahn ist dabei in vielen Fällen allerdings durchaus berechtigt: Wenn sie ihren inneren Trieben folgen, richten sie maßlosen Schaden an und ziehen damit den Zorn anderer auf sich. Paranoiker haben eben deshalb zahlreiche Feinde und nur wenige Freunde.

Durch all das sind sie über die Jahre hinweg sehr vorsichtig, verschlossen und verschlagen geworden, was sie oft hinter einer sorgfältig zur Schau getragenen Maske äußerer Freundlichkeit verbergen. In einem Fall war der Lieblingsspruch einer dieser Personen das berühmte Wort von Machiavelli: „Binde deine Freunde eng an dich, aber deine Feinde noch enger.“ Auf diese Art von Falschheit und Doppelzüngigkeit gilt es also zu achten.

Kenneth Haugk nennt diese Sorte zersetzend tätiger Menschen „Antagonisten“, um dadurch den christlichen Leser immer an den Antagonismus zwischen Satan und dem Gott der Bibel zu erinnern. In heidnischem Kontext ist diese Vorstellung einer ewigen Auseinandersetzung aber unangemessen, und deshalb sollten wir einen besser zu heidnischen Mythen und Symbolen passenden Begriff wählen.

„Shiva“ oder „Kali“ wären da schon etwas bessere Alternativen. Schließlich ist Zerstörung ein ganz natürlicher Prozess, auch wenn wir dazu lieber den größtmöglichen Abstand halten. Andererseits beziehen zerstörerische Personen einen Großteil ihrer Kraft aus der Angst und Einschüchterung, die sie bei ihren Opfern auslösen können, deshalb würde man ihnen mit einer Bezeichnung wie „Kali“ viel zu viel Ehre erweisen. Besser wäre also ein Begriff, der sie nicht als größer erscheinen lässt als sie sind, ohne aber die von ihnen ausgehende Gefahr zu verharmlosen. Es gibt das Sprichwort „Jedes Ökosystem braucht seine Maden“, und den Begriff „Maden“ habe ich dementsprechend auch schon auf sie bezogen gehört, aber das geht wiederum zu extrem in die andere Richtung und verharmlost diese Menschen zu sehr. Deshalb habe ich mich für die Bezeichnung „Troll“ entschieden. In zahlreichen europäischen Mythologien und Überlieferungen sind Riesen, Trolle und Oger Verkörperungen der Kräfte des Chaos, Naturkräfte, die oft gegen die Grenzen unserer Zivilisation anbranden oder auch gegen die Formen, die die Natur selbst geschaffen hat. Das Chaos ist keine „böse“ Macht sondern einfach nur die Kehrseite aller schöpferischen Kräfte. Zerstörerisch handelnde Menschen als „chaotisch“ und nicht als „böse“ zu betrachten ist sehr hilfreich, um sie gerade in heidnischem Zusammenhang zu verstehen und richtig einzuordnen. Unter den Verkörperungen des Chaos gehören Trolle oft zu den stärksten dieser Kräfte – sie können aber unwillentlich auch komisch bzw. lächerlich wirken, wie in vielen Sagen und Märchen über sie deutlich wird. Trolle sind leicht auszutricksen, wenn man sich mit ihnen auskennt, und das Sonnenlicht verwandelt sie in harmlose Felsbrocken. Das Verständnis der wahren Natur solcher Menschen ist somit unser „Sonnenlicht“, das ihnen ihre Kraft nimmt und sie unschädlich macht.

Die inneren Triebkräfte

Trolle können nichts dafür, dass sie Trolle sind. Sie wollen genauso wenig bewusst zerstören, wie ein Pest-Floh Menschen töten und eine Lawine Häuser zerstören will. Das liegt einfach in der Natur dieser Phänomene. Eine Lawine bahnt sich gnadenlos und unaufhaltsam ihren Weg ins Tal, und wenn man ihr zufällig im Wege steht, hat man eben Pech gehabt. Man hat die Lawine nicht ausgelöst und hätte sie auch nicht verhindern können. Genauso folgt das zersetzende Treiben eines Trolls einem inneren Antrieb, der ihn so handeln lässt, wie er es tut. Nichts, was du tun könntest, wird ihn dazu bringen, sich anders zu verhalten. Man kann nur eines tun: einen größtmöglichen Abstand halten, wenn die Lawine abgeht.

Oft begreifen Trolle den Schaden nicht, den sie anrichten. Ein in die Enge getriebener Marder, der an Tollwut leidet, will dich nicht wirklich zerfleischen, er will nur entkommen. Genauso wird auch eine zersetzende Person normalerweise abstreiten, dass sie anderen Leid zufügen wollte. In Wirklichkeit wollen diese Menschen etwas ganz anderes, nämlich das, was auch alle anderen Menschen wollen und brauchen: Selbsterfüllung, Bestätigung, Sicherheit usw. Nur ist es dabei so, dass Trolle absolut kranke Methoden einsetzen, um diese Ziele zu erreichen. Und wenn sie die erreicht haben, flüstert ihnen ihre eigene Unsicherheit ein, dass das Erreichte nicht von Dauer sein wird, also wollen sie immer noch mehr davon. Unsere vorläufige Grunderkenntnis muss also lauten: Trolle sind kranke Menschen, deshalb kann man nicht erwarten, dass sie sich wie reife und vernünftige Menschen benehmen. Und mit ihnen genauso umzugehen, als seien sie reife und vernünftige Menschen, ist deshalb so, als würde man sich einem in die Enge getriebenen tollwütigen Marder genauso nähern, wie der eigenen verschmusten Katze. Die Folgen sind sehr unschön.

Ein tollwütiger Marder oder ein Pest-Floh werden sich schwerlich über Nacht in eine wohltätige Fee verwandeln. Genauso wenig ein Troll. Wenn man nicht gerade ein brillianter und sehr erfahrener Psychotherapeut ist, gibt es absolut nichts, was man tun könnte, um den Troll zu ändern. Was immer man normalerweise tut, um anderen Menschen zu helfen, wird in diesem Fall sogar alles nur noch schlimmer machen. Wenn man der Falschheit und dem Zerstörungswillen des Trolls mit Geduld und Verständnisbereitschaft begegnet, lernt der Troll daraus nur eines: Falschheit und Zerstörungswillen werden durch Geduld und Verständnis belohnt. Das bestärkt den Troll nur darin, in seinem Verhalten fortzufahren.

Trolle brauchen den Konflikt so wie andere Menschen ihr täglich Brot. Egal, wie Menschen auf das Verhalten eines Trolls reagieren, jede nur mögliche Reaktion gibt ihm das Gefühl, etwas Bedeutsames erreicht zu haben. Ihres geringen Selbstwertgefühls wegen empfinden sie jede Reaktion auf ihr Tun besser als gar keine. Und da Angst und Hass sehr starke Gefühle sind, gibt es ihnen das Gefühl großer Macht und Einflussmöglichkeit, wenn sie diese Gefühle bei anderen auslösen können. Schlägt ihnen Hass entgegen, nährt das außerdem ihren Verfolgungswahn („Seht ihr? Ich hatte Recht, niemand kann mich leiden!“) und ermutigt sie zu weiteren solchen Handlungen, die bei anderen schon zuvor Hass und Angst hervorgerufen hatten („Ich muss als Erster zuschlagen!“). Begegnet man ihnen aber mit Zuneigung und Verständnis, hält sie das genauso wenig von ihrem Tun ab, da sie sich nach Zerwürfnis und Streit sehnen, nicht aber nach Zuneigung. Ihres Verfolgungswahns wegen werden sie dann glauben, dieses Verhalten solle sie täuschen und in Sicherheit wiegen, und werden davon überzeugt sein, freundliches Verhalten ihnen gegenüber sei Teil einer tückischen Falle („Ich weiß, dass mich keiner mag. Weshalb tust du also so, als sei das bei dir anders? Was steckt dahinter?“)

Da Trolle lebensnotwendig des Streits bedürfen, sind sie darin auch sehr geübt. Erfahrung ist ein guter Lehrmeister, und die meisten Trolle dürften bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie alt genug sind, sich einer heidnischen Gemeinschaft anzuschließen, erhebliche Erfahrung darin gesammelt haben. Wenn über die eigene Gruppe also das Unglück hereinbrechen sollte, Ziel eines Troll-Angriffs zu werden, ist es keine gute Idee, mit denselben Mittel zurückschlagen zu wollen. Trolle haben eine Meisterschaft darin entwickelt, Frontalangriffe gegen sich zum eigenen Vorteil umzuwandeln. Noch besser sind sie darin, darauf mit subtilen Manipulationen zu reagieren. Eine ihrer erfolgreichsten Verteidigungsstrategien besteht darin, sich dabei selbst als Opfer einer „Hetzkampagne“ darzustellen. Wie immer man darauf auch reagiert und egal, wie maßvoll und kontrolliert die eigene Reaktion dabei ausfällt, sie beginnen danach allen zu erzählen, wie gemein, boshaft und nachtragend du in Wirklichkeit bist. Das ist eine bewährte Methode, um deine eigenen Freunde gegen dich einzunehmen, und plötzlich steht man ganz alleine da und verfällt daraufhin selbst dem Verfolgungswahn. Diese Taktik hat zusätzlich den Vorteil, die Aufmerksamkeit von dem Verhalten des Trolls abzulenken, durch das er die Situation zuvor überhaupt erst herbeigeführt hat.

Wenn zwischen gutwilligen und intelligenten Menschen Missverständnisse auftreten, kann man in einem konstruktiven Dialog fast immer klären, was genau an welcher Stelle schief gelaufen ist, und dadurch solche Spannungen auch wieder aus der Welt schaffen. Bei einem kranken Menschen wie dem Troll hat das aber nicht die gewünschte Wirkung. Versuche nie, einem Troll gegenüber etwas erklären zu wollen. Wenn du dich mit einem Troll zusammensetzt und ihm erklärst: „Diese Handlung von dir hat den und den Schaden angerichtet. Diese Behauptung hat zu jenem Streit geführt. Und hierbei hat du mich missverstanden, was zu jeden Problem geführt hat …“ usw., dann verrät man dem Troll damit lediglich, welche seiner Strategien erfolgreich waren und welche nicht. Solch ein Versuch verschafft dem Troll also genau die Informationen, die er braucht, um den Konflikt zu verlängern und zu verschlimmern. Wenn du ihm sagst: „Wir können das Problem lösen, indem wir dies oder jenes machen“, dann hast du den Troll damit genau wissen lassen, welche Aktionen er zu sabotieren hat. Trolle versprechen dir gerne das Blaue vom Himmel, um dich in Sicherheit zu wiegen und dich glauben zu lassen, das Problem sei damit gelöst. Danach aber verstehen sie es meisterlich, Rechtfertigungen dafür zu finden, warum sie ihre Versprechen gebrochen haben, oder sie finden Wege, sie geschickt zu umgehen, also geht der Konflikt immer weiter. Vor allem, wenn weitere Personen einbezogen sind, verstehen Trolle es hervorragend, die Diskussion vom Wesentlichen abzulenken – nämlich von ihrem eigenen zersetzenden Treiben.

Somit hilft also weder Geduld noch Nachsicht. Mit denselben Mitteln zurückzuschlagen hilft auch nicht – und Zuneigung und Verständnis genauso wenig. Es ist aussichtslos, die Lage sachlich klären zu wollen, ebenso das Entwickeln von Lösungsvorschlägen und Kompromissen, der Versuch einer Mediation oder eines konstruktiven Dialogs. Sich mit einem Troll in eine Diskussion einzulassen, macht alles nur noch schlimmer, und all solche Versuche werden zwangsläufig böse enden. Andererseits aber sind das natürlich genau die Mittel, die man bei Menschen anwenden sollte, die keine Trolle sind. Die meisten Menschen sind vernünftig und konstruktiv. Trolle sind das nicht und sollten deshalb auch nicht so behandelt werden, als seien sie es. Trolle sind krank, man kann sie nicht heilen, und sie wollen auch gar nicht geheilt werden. Und sie in deiner Nähe zu dulden, wird letztlich nur damit enden, dass du selbst dadurch den größtmöglichen Schaden auf dich ziehst.

Die einzig wirksame Methode im Umgang mit Trollen liegt also ganz klar auf der Hand. Sie ist auch sehr einfach – zumindest in der Theorie: Lass dich nicht mit Trollen ein! Und wenn sich einer in die eigene Gemeinschaft oder den Verein eingeschlichen hat, muss er (oder sie) sofort ausgeschlossen werden, sobald man erkannt hat, dass man es mit einem Troll zu tun hat. Auf keinen Fall darf man darüber ausgiebig mit dem Troll selbst diskutieren, um ihm die Hintergründe der eigenen Entscheidung erklären zu wollen. Er wird einfach ausgeschlossen – und damit hat es sich.

Aber so sollte man natürlich nicht mit vernünftigen Personen verfahren, nur weil man vielleicht mit jemandem eine ernstliche Meinungsverschiedenheit oder ein Zerwürfnis hat, das möglicherweise lediglich auf Missverständnissen beruht. Das nächste Hauptproblem ist also nicht die Frage, wie man mit Trollen umgeht, sondern wie man sie rechtzeitig und zuverlässig erkennt.

Genau darauf werde ich im nächsten Teil dieser Artikelserie eingehen.

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Teil 2: Das Erkennen von Trollen

Im ersten Teil dieser Artikelreihe habe ich einige Eigenschaften destruktiver Menschen jener Sorte beschrieben, die heidnische Gemeinschaften zerstören und Vorstandsmitglieder in den Wahnsinn treiben können. Diese wirklich zerstörerischen Konflikte werden von Menschen verursacht, die davon besessen sind, andere in ein Kräftemessen zu verwickeln, bei dem man nicht gewinnen kann. Solche Menschen haben für gewöhnlich wenig Selbstachtung, nehmen wenig Rücksicht auf andere, haben Probleme mit ihrer Wahrnehmung der Realität und weisen oft erhebliche Symptome von Verfolgungswahn auf. Solche Menschen sind krank, man kann sie nicht heilen und sie wollen auch gar nicht geheilt werden, und sie in deiner Nähe zu dulden, wird dir schließlich allergrößten Schaden zufügen. Sie so zu behandeln, als seien sie vernünftige und konstruktive Menschen, macht alles nur noch schlimmer. Und wenn man dem Tun eines Trolls z.B. mit Verständnis und Geduld begegnet, wird er daraus lediglich die Lehre ziehen, dass du auf seine Zersetzungsarbeit mit Verständnis und Geduld reagierst, und das wird ihn nur zu weiteren Untaten ermutigen.

Ich habe für solche Menschen den Begriff „Trolle“ gewählt und stütze mich damit auf das mythische und folkloristische Bild der Mächte des Chaos, die aber natürlich auch zerstörerisch sind. Dieses Bild ist tief in dem Symbolismus Europas verwurzelt. Das Wort vermittelt etwas von ihrer Gefährlichkeit, lässt aber auch die komischen bzw. lächerlichen Seiten durchklingen, die Trolle in zahlreichen Märchen besitzen. Ein Großteil der Macht, die destruktive Menschen ausüben, nährt sich aus der Angst und Unschlüssigkeit, die sie bei anderen auslösen können. Wenn man ihre lächerliche Seite nicht aus dem Blick verliert, kann man ihnen schon viel von dieser Macht nehmen.

Die richtige Umgehensweise mit einem Troll besteht in sofortigem Ausschluss aus der Gruppe. Sehr kleine Gruppen sind in der Hinsicht gut dran. Auch wenn es keine Führungsperson mit der alleinigen Autorität zu solchen Entscheidungen gibt, kann die Gefahr in einer kleinen Gruppe aber eher erkannt und es kann schnell gehandelt werden, da es hier selten Statuten und Satzungen gibt, die ein solches Vorgehen im Detail regeln würden. Man sagt der Person einfach, sie solle verschwinden und sich nie wieder blicken lassen. Das ist bei größeren Gruppen und großen Vereinen anders, dort gibt es in der Regel strenge Vorgaben und bürokratische Regeln für einen Ausschluss mit offiziellen Anhörungen, Mehrheitsbeschlüssen usw. Trolle lieben dergleichen und sind in der Lage, größere Vereine mit solchen Verhandlungen über Monate oder gar Jahre beschäftigt zu halten. Trolle brauchen den Streit wie andere Leute ihr täglich Brot, und formale Anhörungen mit der Notwendigkeit zahlreicher Stellungnahmen – selbst wenn es dabei um ihren eigenen Ausschluss geht – stellen für sie eine Bühne dar, auf der sie geradezu über sich selbst hinauswachsen können.

Also nochmals auf den Punkt gebracht: Die beste Möglichkeit des Umgangs mit einem Troll ist der sofortige Ausschluss aus der Gruppe. Mit allen Dingen in der Natur sollte man auf angemessene Weise umgehen. Man lässt ja auch nicht zu, dass sich ein Skorpion oder eine Kobra in der eigenen Sockenschublade einnisten. Das soll nicht heißen, die Kobra sei „böse“, es soll nur heißen, dass nach allgemein menschlicher Ansicht die eigene Sockenschublade nicht der angemessene Wohnort für eine Kobra ist. Genauso will man, dass der Troll sein Zersetzungswerk woanders ausübt und er sich von der eigenen heidnischen Gruppe fernhält. Dabei sagt man ihm einfach klipp und klar, dass er gehen soll. Dabei sollte man sich nicht mit zeremoniellen Formalien oder Erklärungen aufhalten, denn die würden dem Troll nur wieder Material liefern, dich in den nächsten Konflikt hineinzuziehen. Sie würden dem Troll außerdem klarmachen, was genau bei seiner Strategie funktioniert hat und was nicht, und es gibt keinen Grund dafür, den Troll auch noch bei der Perfektion seiner Troll-Künste zu unterstützen.

Aber genauso wenig, wie man ein zahmes Meerschweinchen im Wald aussetzen würde, möchte man einen normalen Mitmenschen auch nicht so behandeln wie einen Troll. Das bedeutet, dass es wichtig ist, die Unterschiede zwischen einem gutwilligen Mitmenschen und einem Troll zu kennen, genauso wie man den Unterschied zwischen einem Meerschweinchen und einer Kobra kennen sollte.

Die Identifizierung des Trolls

Nun kommen wir zu den typischen Eigenschaften von Trollen. Diese Aufzählung sollte man als Hilfe zum Erkennen von Warnsignalen und Alarmzeichen benutzen. Aber dabei ist natürlich eine gewisse Vorsicht und große Verantwortung nötig. Auch sehr vernünftige Menschen können zeitweise einige dieser Eigenschaften zeigen. Als Heiden sollte uns ein strenger Dualismus fremd sein. Wenn bei jemandem ab und zu einmal ein paar dieser Merkmale auftreten, hat er wahrscheinlich nur einmal einen schlechten Tag gehabt und muss deshalb noch lange kein Troll sein. Und das völlige Fehlen all dieser Eigenschaften bei einem Menschen bedeutet auch nicht, dieser müsse ein ideales Mitglied der Gruppe sein. Hier ist also vor allem gesunder Menschenverstand gefragt, und es gibt keinen Grund, jetzt sofort panisch alle Mitheiden auf die nachfolgend aufgeführten Merkmale hin zu überprüfen. Handlungsbedarf besteht nur in Fällen eindeutiger Verhaltensauffälligkeit, keinesfalls soll hier aber einem präventiven Verfolgungswahn das Wort geredet werden.

Umgekehrt wiederum gibt es nur sehr wenige Trolle, bei denen sich all diese Eigenschaften – oder auch nur die meisten davon – gleichzeitig finden lassen. Wonach es Auschau zu halten gilt, ist ein ganz bestimmtes Muster: Wenn eine Person etliche dieser Eigenschaften aufweist – und zwar konstant – oder auch, wenn sie nur drei oder vier davon aufweist, die aber in extremer Form und ebenfalls konstant, dann hat man mit großer Sicherheit einen Troll vor sich.

• Extreme Liebenswürdigkeit. Trolle haben oft die Eigenschaft, dass jeder sie auf Anhieb mag. Sie können von sehr einnehmendem Wesen sein und wirken erstaunlich offen und freundlich. Deshalb muss man aber nicht sofort jedem gegenüber misstrauisch sein, von dem man einen guten ersten Eindruck hat. Auch wahre Wissende haben oft ein hohes Maß an persönlichem Charisma. Aber im Verbund mit weiteren Warnsignalen könnte dies auch auf den ersten Versuch einer Manipulation hindeuten. Trolle haben diese Fähigkeit, beim ersten Eindruck liebenswert und sympathisch zu wirken, notgedrungen perfektionieren müssen, um nicht sofort erkannt zu werden, was meistens gut funktioniert. Und das hat sie wahrscheinlich auch davor bewahrt, schon in jungen Jahren enthauptet zu werden.

• Einschmeichelei. Dieser Aspekt hängt eng mit ihrer Liebenswürdigkeit zusammen. Versucht diese Person, dir Honig um den Mund zu schmieren, dabei gleichzeitig deine schwachen Punkte herauszubekommen (jeder hat welche) und damit so umzugehen, dass es dir schmeichelt, um sich deine Akzeptanz zu erschleichen? Macht dir diese Person Geschenke, die in keinem Verhältnis zum Grad eurer Vertrautheit und Bekanntschaft stehen?

• Schlechtmacherei. Scheint diese Person es zu genießen, auf Irrtümer, Fehler, Unterlassungen, Unfähigkeiten und schlechte Angewohnheiten anderer hinzuweisen? Und scheint diese Person damit andeuten zu wollen, sie selbst sei besser dafür geeignet, die Aufgaben oder Pflichten dieser Leute zu übernehmen? Und stellt diese Person dir manchmal Fragen, deren Antworten sie schon kennt, nur um herauszufinden, ob du sie auch kennst?

• Gruppenwanderer. Ist diese Person in der Vergangenheit dauernd von einer Gruppe zur anderen gewechselt und meistens (oder immer) im Streit wieder gegangen? Erzählt sie nur Negatives über diese anderen Gruppen und ihre Mitglieder und äußert sie eine allgemeine Ablehnung von deren Vorstandsmitgliedern oder anderer geachteter Personen im Heidentum?

• Angeberei. Versucht diese Person, dich mit der Aufzählung von bekannten Personen im Heidentum zu beeindrucken, denen sie allen schon begegnet sein will? Oder mit all den verschiedenen religiösen Traditionen, die sie studiert und den Initiationen, die sie durchlaufen hat? Gibt es dabei dauernd Andeutungen auf ihre unvergleichlichen Erfahrungen, Fähigkeiten und Kenntnisse? (Wirkliche Weise haben es nicht nötig, damit anzugeben).

• Exzessive Ablehnung von Regeln. Viele Heiden sind ausgeprägte Individualisten. Wenn man aber Mitglied in einer heidnischen Gruppe ist, muss man sich an bestimmte Regeln halten, egal wie locker oder restriktiv die angelegt sind. Trolle hassen solche Regeln. Vernünftige Menschen, die mit den Regeln einer Gruppe nicht einverstanden sind, erkennen problemlos, dass die Gruppe nicht ihren Vorstellungen entspricht, und machen sich ohne Groll oder Feindschaft auf die Suche nach einer passenderen Gemeinschaft. Ein Troll dagegen wird seinen Zorn persönlich gegen die Gruppenmitglieder richten, wenn ihm etwas an den Regeln der Gruppe nicht passt.

• Streitstifter. Ist diese Person auffällig oft in Streitigkeiten und zersetzende Konflikte verwickelt? Scheint es immer dann zum Streit zu kommen oder ein Streit wieder aufzuflammen, wenn diese Person auftaucht oder anwesend ist (bzw. in der Zeit kurz danach)? Ist diese Person bereit, eigene Verantwortung für ihre Rolle in früheren Streitigkeiten zu übernehmen, oder wird die Schuld daran immer anderen zugeschoben?

• Geheimnisvolle „Andere“. Tragen an den Problemen dieser Person angeblich immer nur irgendwelche „Anderen“ Schuld? Sind umgekehrt gewisse „Andere“ angeblich immer einer Meinung mit dieser Person? Gibt diese Person alle möglichen Geschichten weiter, die ihr angeblich von „Anderen“ erzählt worden sind? Und weicht diese Person geschickt allen gezielten Fragen danach aus, wer genau denn diese „Anderen“ sind oder waren?

• Religiöse Praxis. Zeigt diese Person in anderen Bereichen seines Lebens unethisches, ehrloses, und unaufrichtiges Verhalten? Ein Mensch, der in anderen Bereichen seines Lebens falsch und zersetzend ist, kann ein solches Verhalten nicht einfach ablegen, wenn er einer heidnischen Gruppe beitritt, sondern wird diese Destruktivität unweigerlich in die Gemeinschaft hineintragen. Trolle versuchen deshalb möglichst zu verhindern, dass man genauere Einblicke in ihre sonstigen Lebensverhältnisse und ihr Privatleben gewinnt.

• Lügner. Wird diese Person oft eindeutiger Lügen überführt? Und ist sie dann mit Ausreden, windigen Erklärungen oder Gegenanschuldigungen immer schnell zur Hand? Solche Erklärungen können oft sehr einfallsreich sein. Eine übliche Behauptung ist, dass man dann wohl ohne böse Absicht irgendetwas missverstanden oder verwechselt hätte. Ein entlarvter Troll hat zur „Erklärung“ seiner häufigen Falschaussagen unlängst aber sogar eine neue Behinderung erfunden, an der er angeblich leide: „Aurale Dyslexie“.

• Aufzeichner und Tagebuchschreiber. Trolle lieben schriftliche Aufzeichnungen – die sie dann natürlich so abfassen, dass sie selbst in glänzendem Licht dastehen, alle anderen aber als Idioten und Bösewichte. Diese Aufzeichnungen zücken sie dann im geeigneten Moment, um zu „beweisen“, wie gemein irgendjemand sich angeblich verhalten habe, oder um ihre eigenen unhaltbaren Behauptungen zu untermauern. Natürlich machen sich auch vernünftige Menschen Aufzeichnungen, und somit ist nicht jede Person, die ein – inhaltlich oft sehr subjektives – Tagebuch führt, deshalb schon ein Troll. Aber benutzt diese Person solche sehr subjektiven persönlichen Aufzeichnungen, um eigene Behauptungen zu stützen? Und strotzen diese Aufzeichnungen dann von extremen Eigenschaftswörtern und Andeutungen bezüglich des angeblichen Geisteszustandes von anderen? Und scheint diese Person unfähig zu der Erkenntnis, dass solche Aufzeichnungen ein rein subjektives Zeugnis und nicht etwa objektive Beweise sind?

• Exzessiver Sarkasmus. Geisteswitz ist eine gute Sache, dauernder und ätzender Sarkasmus auf Kosten anderer aber nicht. Scheint diese Person nicht begreifen zu können, wie verletzend und destruktiv ihr konstanter Sarkasmus ist und welchen Schaden sie damit anrichtet?

• Nervensägen. Liegt einem diese Person ständig mit Fragen, Vorschlägen oder dem Jammern über die eigenen Probleme in den Ohren? Erwartet sie, dass du dann sofort alles stehen und liegen lässt, um sich nur ihren Anliegen zu widmen? Und ist sie beleidigt oder wütend, wenn du das nicht kannst oder willst?

• Politisch-soziales Engagement. Ein soziales und politisches Bewusstsein ist eine gute Sache, und zahlreiche Heiden sind gerade in Umweltbelangen oder gegen Rechtsextremismus politisch aktiv. Aber solch ein Einsatz kann auch eine Maske für selbstsüchtige Forderungen oder für das Verlangen nach persönlicher Macht sein. Überschüttet diese Person all die mit Verachtung, die sich in derselben Sache nicht mit ähnlichem Eifer engagieren? Missbraucht diese Person ihr Engagement, um Streit vom Zaun zu brechen – auch in Situationen, in denen die Bewältigung ganz anderer Aufgaben angesagt ist?

• Schlechte Verlierer / schlechte Gewinner. Wie verhält sich diese Person in Diskussionen und Auseinandersetzungen – aber auch bei Freizeitvergnügungen wie Spielen und Wettkämpfen – angesichts ihres Ausgangs? Geht ein Gewinnen mit ausgeprägter und hämischer Schadenfreude einher und ein Verlieren mit übellaunigen Bemerkungen und noch langem Herumreiten darauf? Wie stellt diese Person Konflikte dar, in die sie in der Vergangenheit verwickelt war? Werden persönliche Auseinandersetzungen eher in Begriffen von Sieg und Niederlage verstanden und nicht als Versuch einer Problemlösung? Erwecken vermeintliche Niederlagen ein Rachebedürfnis? Nutzt diese Person unterschiedliche Formen der Einschüchterung oder passiv-aggressive Techniken, um ihre Ziele zu erreichen?

• Geheimnistuerei und Tratsch. Die geschickte Platzierung von Informationen und das Streuen von Gerüchten und Verleumdungen ist eines der wirkungsvollsten Werkzeuge von Trollen. Sei vorsichtig, wenn dir eine Person allzu viele Details „streng vertraulich“ offenbart oder dich vor auffällig vielen Leuten warnt, mit denen sie früher einmal zu tun hatte, oder vor denen, die sie dauernd in ihren Erzählungen erwähnt. Scheint sie geradezu versessen darauf zu sein, dir alle intimen Details aus anderen Gruppen oder heidnischen Richtungen verraten zu müssen? Dann wird sie in ihrer nächsten Gruppe über dich und euch mit genau derselben Geringschätzung herziehen. Ist diese Person unangemessen stolz darauf, solche „Geheimnisse“ zu kennen und angebliche Insiderkenntnisse zu besitzen, zu denen andere keinen Zugang haben?

• Zweierlei Maßstab. „Wenn du irgendwelche Vorwürfe äußerst, ist das nur boshaftes Geschwätz. Aber ich drücke damit nur meine Gefühle aus, oder ich will damit nur jemand anderen vor einer Gefahr warnen!“ – „Wenn ich etwas Negatives über dich sage, ist das eine wohlüberlegte Feststellung, aber alles, was du hinter meinem Rücken über mich verbreitest, sind nur böswillige Verleumdungen!“ Trolle sind unfähig oder nicht willens, die ethischen Ansprüche und Verhaltensweisen, die sie von anderen Menschen erwarten und fordern, auch auf sich selbst zu beziehen. Sie werden allen anderen genau das Verhalten zum Vorwurf machen, das sie selbst praktizieren. Ist diese Person unfähig oder nicht willens, andere Sichtweisen und Standpunkte zu verstehen?

• Besserwisserei. Wenn eine Person deiner Gruppe neu beitritt, lässt sie dann sofort durchblicken, wie man ihrer Meinung nach alles besser machen könnte? Versucht diese Person, die Regeln der Gemeinschaft zu dehnen oder ganz in Frage zu stellen? Bedenke: Das Heidentum bietet viele Wege an, und man muss nicht die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen erfüllen, der zu einem stößt. Wenn einem Neumitglied alles an eurer Gruppe nicht passt, dann soll er sich doch eine Gruppe suchen, die ihm besser gefällt oder selbst eine gründen.

• Verdrehung heidnischer Grundwerte. Werte wie Treue, Ehre, das Stehen zu den eigenen ethischen Werten, eine eigene Sichtweise der Welt und ein individuelles Verständnis der Götter – all das und vieles mehr sind wichtige Prinzipien im Heidentum, bezüglich derer keiner einem anderen Vorschriften zu machen hat. Diese Individualität bei Heiden ist eine unerschöpfliche Kraftquelle für Trolle, um ihr zersetzendes Tun zu rechtfertigen. Dazu später mehr. Das eindeutige Warnsignal: Versucht eine Person, ihr ehrloses Verhalten mit dem Hinweis auf heidnische Grundwerte oder mit Schlagwörtern aus Esoterik oder New Age-Terminologie zu rechtfertigen?

Dieser letzte Punkt der Liste ist von ganz besonderer Bedeutung, da Trolle eine Meisterschaft darin entwickelt haben, heidnische Grundwerte zu ihren eigenen Zwecken so zu verdrehen, dass sich ihr zersetzendes Treiben damit gut tarnen lässt. Diese Technik erweist sich oft als erschreckend wirkungsvoll, weil damit ihr Tun – selbst ihren Opfern gegenüber – scheinbar gut zu rechtfertigen ist. Und daraus können große Schwierigkeiten dabei entstehen, einen Troll los zu werden, selbst wenn er (oder sie) für alle offensichtlich sein dreistes Zerstörungswerk weiter betreibt, was sich aber vor allem in größeren Vereinen zu einem riesigen Problem entwickeln kann, wo man die gesamte bürokratische Maschinerie der Satzung und personal-, zeit- und arbeitsintensive Prozesse in Bewegung setzen muss, um den Troll unschädlich zu machen. Trolle schaffen es dabei regelmäßig, auch wohlmeinende und vernünftige Leute auf ihre Seite zu ziehen und sogar einen Spaltpilz bis hinein in die entsprechende Untersuchungskommission zu tragen, sodass es selbst dort zu offenem Krieg untereinander kommen kann. Menschliche Tragödien sind dabei in jedem Fall vorprogrammiert.

Weil das Verständnis dieser speziellen Technik der Trolle von allergrößter Wichtigkeit ist, werde ich die nächste Folge dieser Artikelreihe ganz diesem Thema widmen. In der Folge darauf werde ich auch deutlich machen, warum gerade heidnische Gruppen ein solch dankbares Zielobjekt für die Angriffe von Trollen darstellen. Wenn man erst einmal verstanden hat, wo genau dabei unsere verwundbaren Stellen liegen, kann man auch erfolgreiche Abwehrstratgegien gegen den Einfall von Trollen entwickeln, indem man die Attraktivität der eigenen Gemeinschaft für Trolle vermindert oder zumindest die möglichen Folgeschäden von Troll-Angriffen in Grenzen halten kann. Dafür aber ist es unerlässlich zu wissen, wo genau im Heidentum die offenen Einfallstore für Trolle zu finden sind, die sie immer wieder für ihre Angriffe nutzen.

* * *

Teil 3: Troll-Philosophie

Diese Artikelserie beschäftigt sich damit, wie man mit zersetzenden Menschen in heidnischen Gemeinschaften umgeht. Es gibt eine bestimmte Art von Menschen, die es zwanghaft dazu treibt, all das niederzureißen, was andere aufgebaut haben. Ich benutze für solche Menschen den Begriff „Trolle“, weil ich mich damit einer sehr mächtigen und sehr alten europäischen Vorstellung von den zerstörerischen Kräften des Chaos bediene. Zerstörerisch und machtvoll sind sie, ja – aber auch leicht auszutricksen und fast schon lächerlich, wenn man erst einmal begriffen hat, was sie antreibt und wo ihre schwachen Punkte liegen.

Trolle lieben es, heidnische Grundwerte zu verdrehen, um ihre eigene Zersetzungstätigkeit zu verschleiern. Diese Technik funktioniert oftmals erschreckend gut, weil sie so ihr Tun scheinbar zu rechtfertigen in der Lage sind – sogar gegenüber ihren Opfern. Gleichzeitig erschwert das die eigene Rechtfertigung dafür, den Troll möglichst umgehend aus der eigenen Gemeinschaft zu entfernen, selbst wenn der Troll weiterhin offen seiner Zersetzungstätigkeit nachgeht. Das kann vor allem in größeren Vereinen oder Dachorganisationen zu einem echten Problem werden, weil es hier sehr formalisierter Prozeduren und Anwendungen der Satzung bedarf, um einen Troll loszuwerden. Trolle können sehr manipulativ mit heidnischen Grundwerten operieren und sogar Streit und offenen Krieg in die Arbeitsgemeinschaft hineintragen, die mit der Lösung des Problems beauftragt ist.

Die heidnische Weltsicht beinhaltet zahlreiche Aspekte, die Trolle leicht zu ihren Gunsten manipulieren und verdrehen können. Sobald ein Troll als solcher erkannt ist, wird er sich zu seiner Verteidigung oft auf heidnische Konzepte wie dem Recht auf eine eigene Sicht der Dinge, Loyalität und Gefolgschaftstreue und eigene ethische Ideale berufen, vielleicht auch darauf, dass er sich gerade in einem Reha-Programm irgendeiner Art befindet sowie mit dem Gegenvorwurf, es würde „von oben“ autoritäre Macht gegen ihn ausgeübt. Solche Vorwürfe können auf andere Mitglieder sehr überzeugend wirken – und auch auf einen selbst, sogar dann, wenn man persönliches Opfer dieses Trolls ist. Und sie können einen gerade in solchen Momenten verunsichern und zögerlich werden lassen, in denen eher Selbstbewusstsein das Gebot der Stunde wäre.

Wie Trolle heidnische Grundwerte verdrehen

Im Folgenden möchte ich einige markante Beispiele dafür aufführen, wie Trolle heidnische Grundwerte verdrehen, um ihr zersetzendes und übles Tun zu erklären oder zu verteidigen.

1. Erwischt man einen Troll bei einer glatten Lüge, wird er einem damit kommen, dass Realität eine sehr subjektive Erfahrung ist, die sich jedem anders darstellt. Er wird dann überzeugend behaupten, für ihn hätte sich das in dem Moment aber so „angefühlt“, und dass du kein Recht hättest, ihm deine eigene Form der Realitätswahrnehmung aufzuzwingen. Ist es nicht gerade ein Grundwert des Heidentums, die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Realität zu tolerieren? Danach wird einem wahrscheinlich sofort vorgehalten werden, man wolle die eigene Ethik auch dem Troll vorschreiben. Aber hat der Troll nicht dasselbe Recht auf die Entwicklung einer eigenen Ethik für sich selbst? Ist es nicht gerade ein Grundwert des Heidentums, dass es Menschen dazu ermutigt, ihr eigenes Wertesystem zu entwickeln und somit auch die Wege, wie sie sich dem Göttlichen annähern?

2. Wenn du zögerst, einem Troll, der dich in der Vergangenheit konstant belogen hat, auch nur noch ein Wort zu glauben, wird er dir vorwerfen, du würdest ihm nicht auf derselben Augenhöhe begegnen wollen, wie es doch heidnischen Grundwerten entsprechen würde. Und verlangen diese Grundwerte nicht auch, dass du dem Wort eines anderen Heiden zu trauen hast?

3. Etliche Trolle sind gut mit der Terminologie (aber nicht ihrer Bedeutung) der sogenannten Zwölf-Schritte-Programme diverser Selbsthilfegruppen zur Suchtentwöhnung vertraut. Sag einem Troll, er möge von seiner zersetzenden Tätigkeit innerhalb deiner Gruppe Abstand nehmen, und dir wird entgegnet werden, du mögest gefälligst nicht sein „Reha-Programm“ sabotieren. Haben Heiden nicht Toleranz gegenüber allen unterschiedlichen spirituellen Wegen zu zeigen?

4. Sag einem Troll, dass seine zersetzende Tätigkeit in deiner Gruppe einfach nicht zu tolerieren ist, und du wirst plötzlich als autoritär, unflexibel und kontrollsüchtig bezeichnet werden. Heiden müssen doch jeglichem autoritärem Gehabe ablehnend gegenüberstehen, oder etwa nicht?

5. Wenn du eine irgendeine Meinung äußern solltest, die dem Troll nicht behagt, wird dir der Vorwurf zuteil werden, für dich gebe es nur „die eine und einzige allein selig machende Wahrheit“, und du wirst sofort mit der Inquisition oder dem Papst gleichgesetzt werden. Heiden lehnen doch schließlich jegliche Dogmatik ab, oder nicht? Wie kannst du es also wagen, deine Meinung anderen vorschreiben zu wollen?

In all diesen Fällen missbraucht der Troll die heidnischen Grundwerte natürlich nicht nur als Entschuldigung für sein eigenes Verhalten, sondern auch dazu, um für sich selbst jegliche Akzeptanz der Verantwortung für das eigene Handeln möglichst zu vermeiden. Solche Argumente dienen lediglich dem Zweck, dich (bzw. alle anderen Beteiligten) von den Kernpunkten des eigentlichen Problems abzulenken: dem zersetzenden Handeln des Trolls selbst, einem Handeln, das der Troll mit dem listigen Vorschieben heidnischer Grundwerte zu maskieren trachtet.

Man kann es nicht oft genug sagen: Auf keinen Fall sollte man all dies mit dem Troll selbst erörtern. Das bringt überhaupt nichts. Wenn man erst einmal die Gewissheit hat, dass man es tatsächlich mit einem Troll zu tun hat, ist jegliche Diskussion nutzlos und dient letztlich nur dem Troll. Mit ihm über heidnische Grundwerte diskutieren zu wollen, anstatt ein scharfes Auge auf sein Tun zu richten, ist genau das, was sich der Troll von dir wünscht, weil es wiederum von dem wirklichen Problem ablenkt. Außerdem wird der Troll deine Argumente nur zu der Behauptung missbrauchen, in Wirklichkeit würdest du selbst ja die heidnischen Grundwerte ablehnen, und da er in der Verdrehung von Tatsachen und Behauptungen sehr geschickt ist, wirst du plötzlich sehr dumm dastehen, wenn sich der Troll dabei gleichzeitig auch vor anderen produzieren kann.

Gegenpositionen

Zu den oben angeführten fünf Punkten möchte ich deshalb hier auch die nötigen Gegenargumente aufführen, die man sich zur Stärkung der eigenen Position zu eigen machen sollte. Nochmals: Diese niemals mit dem Troll selbst diskutieren! Verinnerliche sie vor allem zu dem Zweck, die nötigen Schritte gegen ihn auch durchführen zu können. Verinnerliche sie, um gegen das Arsenal hinterhältiger Ablenkungsstrategien des Trolls gefeit zu sein.

Zu Punkt 1: Wenn der Troll behauptet, seine subjektive Sicht der Wirklichkeit oder seine eigene Ethik hätten ihre eigene Wertigkeit, die sich wie alle heidnischen Grundwerte auf die Menschenwürde berufen, vergiss dabei niemals, dass du dasselbe Recht auch für deine eigenen Positionen einfordern kannst. Natürlich sind die unterschiedlichen Sichtweisen Einzelner von Bedeutung und sollten respektiert werden, und jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen davon, wie er angesichts seiner eigenen ethischen Konzepte und seinem Verständnis unserer Gottheiten zu handeln hat. Aber das bedeutet eben auch, dass du genauso das Recht hast, dein Handeln auf eigene Wahrnehmung und Ethik zu gründen. Wenn du also jemanden konstant als lügnerisch, ehrlos und zersetzend erlebst, dann handele so, wie es diese Situation und deine eigene heidnische Ethik erfordert. Lass nicht zu, dass der Troll dir seine eigenen vermeintlich ethischen Bedingungen diktiert.

Zu Punkt 2: Vertrauen auf ein heidnisches Wort und das Entgegentreten auf gleicher Augenhöhe kann nicht in naiver Vertrauensseligkeit bestehen. Diese Lektion sollten wir inzwischen alle leidvoll gelernt haben. Welche Haltung man dabei einnimmt, muss immer davon abhängen, mit wem man es dabei im Einzelfall zu tun hat. Ich kann auch einem tollwütigen Marder gegenüber viel Liebe und Verständnis empfinden. Das heißt aber nicht, dass man sich ihm so nähern sollte wie der eigenen verschmusten Katze, sondern eben wie einem tollwütigen Marder und somit genau so, wie die jeweilige Situation es im Einzelfall erfordert. Wenn dich jemand dauernd belügt, bist allein du es, der dir, deiner Gruppe und den Göttern dadurch schadet, dass man eine solche Person nicht auch als notorischen Lügner behandelt.

Zu Punkt 3: Wenn du zulässt, dass der Troll seine zersetzende Tätigkeit in eurer Gruppe auch weiterhin fortsetzt, machst du dich zu einem „Co-Süchtigen“. Mit diesem Begriff bezeichnet man Menschen aus dem Umfeld eines Alkohol- oder Drogenabhängigen, die ihn zu schützen versuchen. Sie mögen ihn beim Arbeitgeber entschuldigen, ihm aus Schwierigkeiten mit der Justiz heraushelfen und ihn aus einer falsch verstandenen Zuneigung und Loyalität heraus vor den Folgen seines eigenen Tuns zu schützen versuchen. Das aber führt nur dazu, dass der Abhängige sein sich selbst (und andere) zerstörendes Verhalten fortsetzt, und daraus entsteht nur weiteres Unheil. Natürlich will man niemandem seinen Willen aufzwingen, ein Auge auf die Aktivitäten in der eigenen Gemeinschaft sollte man aber doch haben. Die Lösung ist also klar: „Du kannst dich verhalten, wie du willst, aber nicht hier bei uns!“ Wenn ein Troll dir mit dem Zwölf-Schritte-Programm zu kommen versucht, sage ihm einfach, er soll sein Reha-Programm woanders durchziehen.

Zu Punkt 4: Ist das autoritär? Ganz sicher nicht. Keiner ist dazu gezwungen, in eurer Gruppe zu sein, sondern die Mitglieder sind mündige Erwachsene, die sich aus freiem Willen dazu entschieden haben. Ihr habt jedes Recht dazu, eure Gemeinschaft so zu leben, wie euch das angemessen scheint, und alle anderen haben das Recht, sich darin eingliedern oder auch nicht, wenn sie daran etwas stört. Autoritäre Strukturen können nur dort entstehen, wo man Mittel zum Zwang zu benötigen meint. Wo es Übereinstimmung gibt, kann auch kein autoritäres Verhalten entstehen, und niemand bleibt in eurer Gemeinschaft, der sich nicht persönlich dazu entschlossen hat. Du hast weder das Recht noch die Macht, über andere zu herrschen oder zu bestimmen, aber wenn du eine verantwortliche Position in eurer Gruppe hast, dann hast du das Recht (und die Verantwortung!), ein paar Grundregeln festzulegen. Andererseits hat der Troll kein Recht, dich dazu zwingen zu wollen, weiterhin Kontakt mit dir oder eurer Gruppe zu halten zu dürfen. Der Troll hat kein Recht zu diktieren, welches Verhalten in eurer Gruppe annehmbar ist und welches nicht. Dieses Recht liegt bei dir und euch.

Zu Punkt 5: Versuchst du „die eine und allein selig machende Wahrheit“ zu verkünden, nur weil du eine Meinung äußerst? Natürlich nicht. Vorwürfe, man sei autoritär oder religiös dogmatisch, sind in heidnischem Zusammenhang einfach absurd (wer seine eigene Lehre verkünden will, ist nun einmal kein Heide). Wir können keinem seinen Glauben diktieren oder ihm vorschreiben, wie er diesen zu leben hat. Jeder Heide, der mit den Vorstellungen und der Glaubenspraxis einer Gruppe Schwierigkeiten hat, kann sich jederzeit woanders hin wenden oder zumindest Abstand zu der Person halten, deren Meinungen ihm nicht passen. Jemand der euch öffentlich (!) des Autoritarismus und religiöser Dogmatik bezichtigt, ist zweifellos ein Troll, der einfach versucht Ärger zu machen und euch in Schwierigkeiten zu bringen. Entsprechende Angriffe gegen andere Gruppen sollte man einfach ignorieren, aber auch wenn man selbst das Ziel ist, sollte man dem keine Aufmerksamkeit schenken. Vorwürfe religiöser Dogmatik sind lediglich der Versuch, dich einzuschüchtern und mundtot zu machen. Tatsächlich sind das Beispiele dafür, wie der Troll seine Meinung anderen aufzuzwingen versucht. Der Troll versucht einen Standpunkt zu unterdrücken, der ihm nicht behagt. Wer also versucht hier tatsächlich, die „eine und einzig mögliche Wahrheit“ zu verkünden?

Von der Gesundheit des Selbstzweifels

Natürlich ist es vernünftig und wichtig, die eigenen Meinungen und Ansichten in Frage zu stellen. Gerade Heiden in verantwortungsvoller Position, die ihre eigenen Entscheidungen nicht auch einer konstanten selbstkritischen Betrachtung unterwerfen, sind gefährliche Menschen, vor denen man sich hüten sollte. Wenn das aber zum konstanten Selbstzweifel wird, der nötiges und effektives Handeln lähmt, ist das genauso gefährlich. Ja, natürlich: Unterziehe dein eigenes Verständnis gerade ethischer Fragen immer wieder einer erneuten Selbstprüfung. Gehe nicht davon aus, dass du immer Recht hast, wenn du dich nicht in die Rolle eines unfehlbaren Papstes drängen möchtest, der andere am liebsten schon abweichender Meinungen wegen am liebsten auf den Scheiterhaufen bringen möchte (tatsächlich ist das Unvermögen, die eigene Meinung in Frage zu stellen, geradezu ein Markenzeichen von Trollen!). Aber andererseits drücke dich nicht vor Entscheidungen, nur weil andere in der Sache anderer Meinung sein könnten.

Heiden haben auch die Verantwortung, alles zu tun, um ihre Gemeinschaft zu schützen. Das hat nichts mit unrechtmäßig angeeigneter Befehlsgewalt, sondern vielmehr mit Verantwortung für alle Mitglieder der Gruppe zu tun. Wenn man einem Troll erlaubt, diese Selbstzweifel bei sich selbst noch zu nähren oder sie zu manipulieren, kommt man dieser Verantwortung nicht nach. Vielmehr handelt es sich bei dieser unangemessenen Manipulation gesunder Selbstkritik bei anderen nur um ein weiteres Beispiel für die Verdrehung wichtiger heidnischer Grundwerte durch Trolle.

Die Konsequenzen sollten sich klar aus eben diesen Grundwerten ergeben, wie man sie selbst verinnerlicht hat. Genau mit diesen Grundwerten sollte man sich deshalb auch immer wieder intensiv auseinandersetzen, um ein möglichst tiefgreifendes Verständnis für sie zu entwickeln. Eine solche Zeit der Innenschau ist aber nicht ausgerechnet dann angesagt, wenn eine Krise sich zuspitzt. Diese Fragen gilt es zu lösen, bevor ein Troll sie in Frage zu stellen versucht. „Lösen“ soll dabei nicht heißen, diese Fragen auf ewig endgültig beantwortet zu haben, es ist vielmehr dringend angeraten, sich immer wieder erneut damit zu beschäftigen, weil man im Lauf der Jahre und der eigenen Weiterentwicklung dabei immer neue Aspekte und Antworten entdecken wird. Aber wenn jemand die eigene Gemeinschaft akut bedroht, ist schnelles und und entschlossenes Handeln gefragt, und die sollte sich auf Vorsichtsmaßnahmen und frühere Erkenntnisse zu solchen Problemen stützen. Danach ist dann immer noch Zeit genug, die Situation erneut zu bewerten und die Erkenntnisse darüber zu vertiefen. Menschen wachsen auch daran, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Man sollte also keine übermäßige Angst davor entwickeln, im schlimmsten Fall auch selbst einmal einen Fehler zu machen und daraus zu lernen.

Man sollte dieses Thema innerhalb der eigenen Gruppe ausreichend durchdiskutieren, damit alle bezüglich eines jederzeit möglichen Ernstfalls hinreichend mit der Problematik vertraut sind. Wenn ein Troll damit anfängt, heidnische Grundwerte zu verdrehen, um so sein eigenes ehrloses und zersetzendes Verhalten zu entschuldigen oder gar erklären zu wollen, sollten so viele andere wie möglich dazu in der Lage sein, diese Taktik ebenfalls durchschauen zu können. Aber nochmals: Diese Punkte darf man auf keinen Fall mit dem Troll selbst besprechen! Das würde das ganze Leid nur verlängern! Es gilt nur, ihn umgehend loszuwerden, und danach kann man in aller Ruhe noch einmal alles mit den anderen besprechen. In größerem Umfeld – also in überregionalen Vereinen und Dachorganisationen – liegen die Dinge leider viel komplizierter, weil man sich hier bezüglich jeglicher Beschwerden über andere Mitglieder normalerweise nur an einen Vorstand oder Rat wenden kann, und in dieser Situation ist es dem Troll ein Leichtes, die Dinge immer noch weiter zu verdrehen und darauf zu bestehen, dass sie endlos ausdiskutiert werden, bevor es überhaupt zu einer Abstimmung über seinen Ausschluss kommt. Auf dieses Problem werde ich in einer der nächsten Folgen dieser Artikelreihe ausführlich eingehen. An dieser Stelle kann ich für größere Vereine nur schon einmal zwei wichtige Grundregeln dafür nennen:

1. Über die Möglichkeit einer solchen Bedrohung und des Umgangs damit sollte man sich schon sehr frühzeitig geeinigt haben.

2. Man sollte dafür eine Vorgehensweise entwickelt haben, die sicher gewährleisten kann, dass man angesichts nötiger Maßnahmen dabei „beim Thema“ bleibt und sich nicht verzettelt.

In der kommenden Folge werde ich darlegen, welche Aspekte des Heidentums entsprechende Gruppen so verwundbar für Trollangriffe und zu einem so dankbaren Ziel zersetzender Persönlichkeiten macht. Es ist wichtig zu verstehen, wo unsere schwachen Stellen liegen, durch die sich Trolle stets die Schneisen für ihre Einfälle bahnen.

* * *

Teil 4: Warum Trolle heidnische Gemeinschaften lieben

Diese Artikelserie beschäftigt sich damit, wie man mit zersetzenden Menschen in heidnischen Gemeinschaften umgeht. Es gibt eine bestimmte Art von Menschen, die es zwanghaft dazu treibt, all das niederzureißen, was andere aufgebaut haben. Solche Menschen können sich auch in eure Gemeinschaft einschleichen. Ich benutze für solche Menschen den Begriff „Trolle“, weil ich mich damit einer sehr mächtigen und sehr alten europäischen Vorstellung von den zerstörerischen Kräften des Chaos bediene – aber sie sind auch leicht auszutricksen, wenn man sich ein wenig mit ihnen auskennt.

Dieses Trollproblem ist für das Heidentum seit Jahrzehnten typisch. Bereits in Berichten und Briefwechseln aus dem Wicca seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts lässt sich überall und immer wieder der Stallgeruch von Trollen wahrnehmen. Was also hat das Heidentum an sich, dass es Trolle unwiderstehlich anzuziehen scheint?

Verwundbare Stellen

Trolle sind stets auf der Suche nach bestimmten Situationen und Konstellationen, die sie für ihre Zwecke missbrauchen können. Allen heidnischen Gruppen sind bestimmte Merkmale gemeinsam, die sie einerseits zu attraktiven Angriffszielen für Trolle machen, es aber gleichzeitig erschweren, solchen Angriffen angemessen zu begegnen.

Zum einen – wie in der letzten Folge dargelegt – sind Trolle sehr geschickt darin, bestimmte heidnische Grundwerte zu ihren Gunsten zu verdrehen. Sobald sie erkannt worden sind, ziehen sich Trolle sofort auf windige Verteidigungsstrategien zurück, wie z.B. das Konzept „subjektiver Sichtweise“, heidnische Loyalität, das eigene Reha-Programm, selbstverantwortliche Ethik, Gegenvorwürfe von Autoritarismus usw. Zum anderen gibt es weitere verwundbare Stellen im Heidentum, die sich Trollen als willkommene Einfallsschneisen darstellen, und um die soll es in dieser Folge gehen.

• Kleine Gruppengrößen. Trolle lieben kleine Gruppen. Es ist relativ leicht, in einem kleinen Teich zu einem großen Fisch zu werden. Da Trolle sich wichtig vorkommen wollen, sind Gruppen von etwa zwölf Personen für sie ideal.

• Anti-autoritäre Strukturen. Heiden haben gegenüber autoritären Strukturen ein natürliches Misstrauen und ein großes Unabhängigkeitsbedürfnis. Ein Troll kann das ausnutzen, um Verdacht gerade gegen Respektspersonen in der Gruppe zu säen, den er dann verstärken und weiter aufbauen kann.

• Unbürokratische Strukturen. Im Allgemeinen gibt es in heidnischen Gruppen keine strikten Vorschriften oder Verhaltensregeln – und auch in größeren Vereinen so gut wie kaum. So existieren z.B. im Fall von Streitfällen keine formalen Regeln über die Belegbarkeit von Aussagen oder Grundregeln der Fairness. Das bedeutet, dass ein Troll völlig haltlose Gerüchte in die Welt setzen kann, die oftmals kritiklos geglaubt werden, ohne dass man ihn auffordern würde, seine Aussagen auch zu belegen.

• Keine ethischen Regeln. Es gibt so gut wie keine heidnischen Ältestenräte oder Komitees für Ethik. Somit gibt es auch keine kompetente Stelle, an der man Beschwerden über einen Troll mit Aussicht auf Erfolg vorbringen könnte. Es gibt keine Instanz, die einen Troll stoppen oder auch nur behindern könnte. Und wenn es eine solche Instanz gäbe, würden Heiden ihrer anti-autoritären Grundhaltung wegen vermutlich sofort den Verein wechseln.

• Toleranz. Toleranz bezüglich unterschiedlicher Ansichten ist geradezu ein Markenzeichen des Heidentums (oder zumindest eines der Ziele). Trolle können sich meisterlich so darstellen, als wenn nur deshalb auf ihnen „herumgehackt“ würde, weil sie anders sind. Sie beschuldigen dann andere, keiner Meinung gegenüber offen zu sein, die von der eigenen abweicht, und damit können sie es tatsächlich leicht schaffen, große Sympathie auf sich zu ziehen.

• Gegenseitige Hilfe. Es gibt Gruppen, deren Mitglieder sich bei ihrem spirituellen Wachstum gegenseitig zu helfen und unterstützen versuchen. Wenn das zersetzende und ehrlose Tun eines Trolls aufgedeckt wird, tut er manchmal so, als würde er durchaus erkennen, dass er ein ernstliches Problem hat, versichert dann, sich dem gewissenhaft widmen zu wollen, macht dann aber einfach weiter wie bisher. Und man schmeißt doch nicht einfach jemanden raus, der versprochen hat, sich zu bessern, oder?

Dies sind einige der Punkte, die heidnische Gruppen Trollen gegenüber so verwundbar und gleichzeitig für sie attraktiv machen. All diese Punkte sind zutiefst in der heutigen heidnischen Kultur und ihrem Selbstverständnis eingebettet, und die meisten davon dürften sich schwerlich ändern: Kleine heidnische Gruppen auf lokaler Ebene werden nicht plötzlich zehn- oder zwanzigmal größer werden, wir werden keine autoritären Strukturen entwickeln und es wird in absehbarer Zukunft auch nicht zur Bildung einer „Heidnischen Ethik-Kommission“ kommen – und wenn irgendetwas davon Wirklichkeit werden sollte, wäre das Heidentum nicht mehr das, was es ist. Deshalb müssen wir Möglichkeiten finden, trotz dieser schwachen Punkte effektiv gegen Trolle vorgehen zu können. Und das erreicht man am besten dadurch, indem man diese vermeintlich schwachen Punkte als Vorteile erkennt, die man auch als Stärken der eigenen Gemeinschaft nutzen kann.

Einige hilfreiche Hinweise

Das Heidentum besitzt nämlich auch etliche Stärken, die sich wirkungsvoll zur Bekämpfung von Trollen einsetzen lassen. Deshalb möchte ich die oben angeführten Punkte nun unter diesem Aspekt betrachten.

• Kleine Gruppengrößen. Gerade die Überschaubarkeit und die engen Beziehungen der Mitglieder zueinander in kleinen Gruppen erschweren es dem Troll, über lange Zeit unentdeckt zu bleiben. In größeren Vereinen fällt es einem Troll viel leichter, sich in der Menge zu verstecken und das eigene Wesen zu tarnen, während er emsig Gerüchte und Verleumdungen streuen kann.

• Anti-autoritäre Strukturen. Auch wenn die allgemeine heidnische Ablehnung religiöser Autorität den Angriffen des Trolls auf respektierte Mitglieder ein aufmerksames Publikum eröffnen mag, erschwert es dem Troll doch gleichzeitig, die Macht zu erlangen, nach der er sich sehnt. Selbst die Position eines Vorsitzenden im Vorstand ist nicht wirklich das, was er sich wünscht, und wäre kaum befriedigend für ihn.

• Unbürokratische Strukturen / keine ethischen Regeln. Gerade das Fehlen entsprechender Regularien oder Instanzen, an die man sich im Notfall um Hilfe wenden könnte, gibt einem freie Hand für eigenes Handeln. Es bedarf keiner Erlaubnis „von oben“, um die nötigen Schritte durchzuführen, und es bedarf keiner förmlichen Regeln, die peinlich genau eingehalten werden müssten (das bezieht sich aber leider nicht auf große Vereine). Trolle neigen glücklicherweise dazu, danach alle Brücken hinter sich abzubrechen und weiterzuziehen.

• Toleranz. Auch wenn Trolle sich auf die Toleranz im Heidentum berufen können, um ihr Tun damit zu rechtfertigen, funktioniert das umgekehrt natürlich genauso gut. Die Verleumdung anderer erzeugt nämlich keinesfalls einen solchen Hass auf die Opfer übler Nachrede, wie Trolle sich das erhoffen. Vielmehr werden die meisten gelangweilt abwinken und das als persönliche Differenzen verbuchen, selbst wenn sie den Lügen eines Trolls Glauben schenken sollten.

• Gegenseitige Hilfe. Wenn ein Troll versucht, dieses Konzept innerhalb eurer Gemeinschaft dazu auszunutzen, dabei sein eigenes „Problem“ als Entschuldigung dafür anzuführen, sich nicht ändern zu wollen, mache ihm klar, dass du Alkohol- oder Drogenabhängige nicht verdammst, weil sie vielleicht rückfällig werden, dass du aber nicht zu ihrem Co-Süchtigen werden willst.

Im Umgang mit Trollen bietet das Heidentum zumindest einen theologischen Aspekt, der uns gegenüber allen anderen Religionen einen gewaltigen Vorteil einräumt. Im Heidentum gibt es keine Notwendigkeit einer „Erlösung“, und Heiden empfinden nicht den geringsten Drang danach, anderer Menschen „Seelen retten“ zu wollen. In etlichen anderen Religionen – vor allem in evangelikalischen christlichen Gruppen – wird es deren Priestern oder Predigern fast bis zur Unmöglichkeit erschwert, ein Gemeindemitglied ausschließen zu können, weil dort der Glaube herrscht, alle Nichtmitglieder seien zu ewiger Höllenqual oder anderen schlimmsten Strafen verdammt. Ihrer Überzeugung nach ist ein aus der Gemeinschaft Ausgeschlossener eine „verlorene Seele“, und eine solche Seele zu verlieren, wird vor allem als Versagen des Predigers selbst verstanden. In solchen Gemeinschaften wird ein Ausschluss als Katastrophe für den Betreffenden empfunden und für den Prediger genauso, wenn er zu diesem Mittel greifen muss. Exkommunikation ist in christlichem Zusammenhang deshalb sehr selten.

Im Heidentum dagegen ist all das kein Problem. Es gibt keine theologischen Vorgaben, die einen davon abhalten könnten, dauerhafte Unruhestifter möglichst schnell loszuwerden. Im Heidentum gibt es nicht den Glauben, man müsse einer ganz bestimmten religiösen Gemeinschaft angehören, um „erlöst“ zu werden, genauso wenig den Glauben, dass es besonders heilsam sei, sich mit Menschen einzulassen, die einem bewusst schaden wollen. Jemanden aus der eigenen Gruppe oder dem Verein auszuschließen, lässt einen auch nicht dumm in dem Wettlauf dastehen, möglichst viele „Seelen gerettet“ zu haben, weil wir an diesem Wettlauf nämlich überhaupt nicht teilnehmen. Und wen immer man auch aus der eigenen Gruppe oder dem Verein ausschließt, der oder die ist deshalb nicht dazu verdammt, in der christlichen Hölle zu schmoren. Man eröffnet dieser Person damit lediglich die Möglichkeit, einen anderen spirituellen Weg zu finden, der besser zu ihren Zielen und ihrem Wesen passt. Und darin liegt Heil.

Eidgebundene Aspekte

In dieser Artikelserie beschäftige ich mich ganz allgemein mit heidnischen Gruppen und Aspekten, nicht aber speziell mit Gruppen, deren Mitglieder durch Eide miteinander oder ihren Lehren gegenüber zutiefst verbunden sind. Der Grund dafür ist der, dass Trolle ein allgemein heidnisches Problem sind. Fast alle Eigenschaften der Trolle, die Art und Weise, wie sie Schaden anrichten, und die Möglichkeiten, wie man mit ihnen umgehen sollte, sind unabhängig von der jeweiligen heidnischen Richtung durchweg identisch. Die Probleme und typischen Muster dabei sind immer dieselben, und das erstreckt sich natürlich auch auf eidgebundene Gemeinschaften wie magische Orden usw. In solchen Gruppen aber tun sich einige spezielle Probleme und Möglichkeiten auf, auf die ich im Folgenden kurz eingehen möchte.

Was Trolle an eidgebundenen Gemeinschaften besonders anzieht, ist ihre Faszination für alles Geheimnistuerische. Das Spielchen „Ich weiß etwas, was du nicht weißt“ ist für jeden Troll geradezu unwiderstehlich. Wahrscheinlich sind gerade eidgebundene Gemeinschaften schon aus diesem Grund viel öfter Opfer von Trollangriffen als andere. Wenn man dann noch die mystische Aura bedenkt, die von magischen Orden, gewissen Wicca-Richtungen oder rosenkreuzerischen und vergleichbaren Gruppen bewusst gepflegt wird, wird es verständlich, warum solche Gruppen Trolle noch mehr anziehen, als es in authenthisch-rekonstruktionistischen Religionen wie z.B. Asatru der Fall ist.

Wenn man dort jemanden ausschließt, ist die Hauptsorge dabei natürlich, dass sich die Person danach nicht mehr an ihre Eide gebunden fühlt. Mitglieder eidgebundener Gemeinschaften versuchen ihre Geheimnisse sehr zu schützen, und die Sorge, dass ein ehemaliges Mitglied sensibles Material veröffentlichen oder sonstwie verbreiten könnte, ist durchaus berechtigt. Ganz allgemein neigen Trolle aber dazu, Menschen verletzen zu wollen, nicht Gemeinschaften an sich. Wenige Trolle sehen auch viel Sinn in Eidbrüchen, vor allem nicht darin, eidgeschützte Interna zu offenbaren, weil sie dann ihr Lieblingsspiel geheimnistuerischen Insiderwissens nicht mehr fortführen können. Zudem haben viele dieser Richtungen Wege zum Umgang mit Eidbrechern gefunden. Wenn das auch in eurem Fall so ist, lasst euch nicht von der Sorge um eine Indiskretion von Interna davon abhalten, einen Troll loszuwerden.

Ein Vorteil größerer und langlebigerer Richtungen gerade im Wicca ist heute ihre Beständigkeit und Festigkeit, wodurch sie sich den Luxus leiten können, neuen Interessenten gegenüber eine gewisse Vorsicht walten zu lassen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Wicca-Gruppen schwer zu finden waren und diese Tradition kurz vor dem Aussterben zu stehen schien. Aber das ist Vergangenheit, und heute ist die Zahl der Coven und der aktiven Veteranen groß genug, um einen Fortbestand dieser Tradition sicherzustellen. Diese Gruppen können deshalb sehr wählerisch dabei sein, wen sie ausbilden und wie das ablaufen soll, und sie können sich somit mehr Zeit bei der Entscheidung darüber lassen, ob ein neues Mitglied auch zu ihnen passt. Wenn von Anfang an deutlich wird, dass es Jahre dauern kann, bis jemand auch nur daran denken kann, die Leitung eines Coven zu übernehmen, verlieren die meisten Trolle schnell das Interesse und ziehen weiter, weil die Macht, die sie sich wünschen, ihnen für lange Zeit vorenthalten bleiben wird. Und wenn der Leiter eines Coven sich gründlich die Zeit dafür nimmt, Neumitglieder möglichst gut kennenzulernen, wird es dem Troll sehr schwer fallen, sein wahres Wesen unter Verschluss zu halten.

Andererseits macht gerade die Festigkeit und Beständigkeit solcher Traditionen sie in anderer Hinsicht zu einem begehrten Ziel. Trolle sind Kräfte des Chaos. Instinktiv hassen und fürchten sie alles, was einen festen und stabilen Eindruck macht, und gerade solche Strukturen werden von ihnen besonders genau auf mögliche Schwachstellen hin untersucht. Langjährige Respektspersonen in solchen Traditionen sind dabei die Lieblingsziele von Trollen, die es als großen eigenen Erfolg empfinden, wenn sie solche Menschen diskreditieren oder sogar zu Fall bringen können. Man erinnere sich: Troll-Angriffe richten sich bevorzugt gegen Personen, nicht gegen Gruppen. Aber auch die Gruppen erleiden dabei erheblichen Schaden, vor allem wenn sie – wie im Wicca – um den Leiter eines Covens herum aufgebaut sind. Trolle richten ihren Blick auf solche Leiter oder andere Respektspersonen, und ihr Hass auf Autoritäten bedingt, dass jeder, der seiner langen Erfahrung oder seines Wissens wegen Anerkennung genießt, genau die Art von Person darstellt, der ein Troll Schaden zufügen möchte.

Daraus wird deutlich, dass es gerade für solche Personen überlebenswichtig ist, den Umgang mit Trollen zu beherrschen. Man muss Trolle als das erkennen, was sie sind, und lernen, ihrem Tun entschieden und entschlossen entgegenzutreten. Deine Selbstsicherheit dabei wird die des Trolls erschüttern. Trolle lieben zwar möglichst hochgestellte Opfer, aber nur solche, von denen sie denken, sie könnten ihnen auch schaden. Gegen eine Mauer anzurennen, lässt den Troll dumm dastehen, und das nimmt ihm alle Macht. Das läutet ihm die Todesglocke. Seine Macht beruht auf Techniken der Einschüchterung. Wenn sich aber erst einmal jemand lächerlich gemacht hat, kann er niemanden mehr einschüchtern.

Große und etablierte Traditionen haben einen weiteren möglichen Vorteil. Sie organisieren sich zwar in sippenähnlichen und eng verbundenen Kleingruppen, zwischen denen aber ein enges Kommunikationsgeflecht besteht. Das bietet die Möglichkeit, dass sich auch die Leiter und Respektspersonen gegenseitig Vertrauen schenken und sich austauschen können. Wird jemand Ziel eines Trollangriffs, ist das eine so unglaublich schmerzhafte und zermürbende Erfahrung, wie das kaum jemand nachvollziehen kann, der das nicht am eigenen Leibe erlebt hat. Es wäre keine schlechte Idee, eine (formlose) Vereinigung der Troll-Opfer (VTO) zu gründen, um denen beizustehen, die entsprechender Unterstützung oder Trostes bedürfen. In jedem Fall ist das Vertrauen derjenigen in dich, die in vergleichbaren Positionen sind, die beste Hilfe bei dem Umgang mit Trollen.

Solch eine Vereinigung könnte auch dazu dienen, andere über die Gefährlichkeit von Trollen zu informieren und ihnen die Techniken zu vermitteln, wie mit dem Problem umzugehen ist. Eine möglichst breite Weiterbildung über Trollbekämpfung in Theorie und Praxis wäre im Heidentum unendlich wertvoll. Der Überlieferung nach werden Trolle durch das Sonnenlicht in Felsen verwandelt. Wissen und Früherkennung sind unser „Sonnenlicht“, das Trollen ihre Fähigkeit nimmt, Schaden anzurichten.

Vor einigen Jahren traf meine eigene Gruppe das Unglück, uns mit einem Troll herumschlagen zu müssen – leider damals noch ohne jedes Wissen über die damit verbundene Problematik. Da Erfahrung der beste Lehrmeister ist, ist uns die Lektion, die wir damals dadurch gelernt haben, seitdem zutiefst eingebrannt. So gesehen war das eine sehr wertvolle Erfahrung, die wir durchleben mussten. Allerdings hatten sich andere Heiden mit eben diesem Troll schon zuvor herumschlagen müssen, und es wäre sehr hilfreich gewesen, wenn wir rechtzeitig zuvor entsprechende Warnungen bekommen hätten. Eine weitere mögliche Aufgabe einer VTO könnte also sein, allgemeine Warnungen vor bestimmten Trollen zu verbreiten.

Aber auch hier lauern neue Gefahren. Trolle sind äußerst geschickt darin, jegliche Regeln einer Gemeinschaft zu ihrem Vorteil verdrehen und manipulieren zu können. Sie beherrschen es auch meisterlich, Streit und Zwietracht zu stiften und die Zielpersonen ihrer Angriffe erfolgreich zu verleumden und zu isolieren. Jede Gruppierung – selbst unsere hypothetische VTO – kann somit Opfer eines Trollangriffs werden. Trolle wären sogar nur zu glücklich, sich gerade in eine solche Vereinigung einschleichen zu können, um eines von deren Mitgliedern anfallen zu können. Ein Troll würde also mit besonderer Freude einer VTO beitreten, denn aus welcher Position heraus könnte er besser andere Menschen verleumden?

Aber damit kommen wir zu dem Problem, wie man mit Trollen umgeht, wenn sie sie ihr zersetzendes Tun nicht auf überschaubare kleine und lokale Gruppen beschränken, sondern sich in große Vereine, Dachorganisationen, Fest-Kommittees usw. einschleichen, ganz zu schweigen von Trollen auf Mailing-Listen und in Diskussionsforen im Internet. Auf diese Probleme werde ich ausführlich in den nächsten Folgen dieser Artikelserie eingehen.

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Teil 5: Trolle in größeren Vereinen

Diese Artikelserie beschäftigt sich damit, wie man mit zersetzenden Menschen in heidnischen Gemeinschaften umgeht. Es gibt eine bestimmte Art von Menschen, die es zwanghaft dazu treibt, all das niederzureißen, was andere aufgebaut haben, oft dadurch, dass sie hinterlistig und grundlos Respektspersonen oder Leiter in Gemeinschaften zu verleumden versuchen. Ich benutze für solche Menschen den Begriff „Trolle“, weil ich mich damit einer sehr mächtigen und sehr alten europäischen Vorstellung von den zerstörerischen Kräften des Chaos bediene – aber sie sind auch leicht auszutricksen, wenn man sich ein wenig mit ihnen auskennt.

Die bisherigen Folgen gaben Hinweise darauf, wie man Trolle erkennt und auf welche Warnzeichen man dabei achten sollte, um die Sorte Mensch zu identifizieren, die nur auf Ärger aus ist. Die Grundtechnik im Umgang mit Trollen besteht schlicht und einfach darin, sie umgehend loszuwerden. Trolle, die Aufnahme in eure Gemeinschaft beantragen, sollten mit Entschiedenheit abgewiesen werden. Kann ein Troll seine Maske lange genug aufrechterhalten, um Mitglied zu werden, sollte man ihn hinauswerfen, sobald er enttarnt ist. In Wicca-Coven ist der Umgang mit Trollen deshalb einfach (sofern man schnell und entschlossen handelt), weil dort die Leiter die unangefochtene Autorität besitzen, alle Entscheidungen nach eigenem Gutdünken zu treffen.

In anderen heidnischen Richtungen – vor allem im Asatru – ist das anders, und Trolle können auch ihren Weg in große heidnische Vereine finden, wo die Autorität nicht bei einem Vorstand sondern bei der Mitgliederversammlung liegt, und wo es deshalb für alles bürokratische Vorgehensweisen gibt, die meistens genau in einer Satzung oder anderen Regularien niedergelegt sind. Trolle werfen auch sehr gerne Handgranaten in laufende Diskussionen, sei es in der Leserbriefecke der Vereinszeitschrift, in Mailinglisten oder Diskussionsforen, wo es oft ein Ding der Unmöglichkeit ist, sie auf leichte Art wieder los zu werden. Es wäre auch zu fragen, wie man gruppen- und traditionsübergreifend bzw. innerhalb des großen und wachsenden Heidentums insgesamt vorgehen sollte, damit der Troll nicht einfach weiter wandern und die nächste Gruppe zerstören kann. Diese Folge beschäftigt sich mit Trollen in großen Vereinen. Die nächste diskutiert das Problem der Trolle im Internet und die Vorteile, zur Troll-Abwehr ein gruppen- und vereinsübergreifendes Frühwarnsystem aufzubauen. Auch wer kein Mitglied in einem größeren Verein ist, dürfte einigen Nutzen aus den folgenden Ausführungen ziehen können, da hier Grundregeln beschrieben werden, die in anderen Situationen genauso anwendbar sind. Und auch jedes Wissen darüber, wie ein Troll wahrscheinlich handelt und wie man darauf wirkungsvoll reagiert, kann in vielen anderen Zusammenhängen wertvoll sein.

Das organisatorische Vorgehen

Die folgenden Hinweise und Ratschläge gründen sich auf Fälle aus dem wirklichen Leben, auf Beispiele aus heidnischen Vereinen, die versuchten, sich eines Trolls zu erwehren – und üblicherweise daran scheiterten. Man kann nicht eindringlich genug darauf hinweisen, dass so etwas tatsächlich ständig passiert.

Die weitaus wichtigste und nützlichste Maßnahme im Umgang mit Trollen ist dabei die Sicherstellung, dass möglichst viele Vereinsmitglieder für das Problem sensibilisiert sind und ebenfalls wissen, auf welche Erkennungs- und Warnzeichen man dabei zu achten hat. Darüber sollte man innerhalb des Vereins Workshops oder Vorträge abhalten, am besten mit jährlichem Auffrischungskurs. Man möchte schließlich, dass die eigenen Mitglieder Trolle und ihr zersetzendes Tun möglichst schnell erkennen können, damit man ihn schnellstmöglichst wieder loswerden kann. Aber so nötig solche Weiterbildungsmaßnahmen auch sind, sie sind leider nicht ausreichend. Man braucht auch eine sichere Vorgehensweise für den Ernstfall.

Bevor man einen heidnischen Verein gründet oder einem solchen beitritt, der größer als eine örtliche Sippe ist, sollte man sicherstellen, dass es möglichst genaue Vorgehensweisen gegen die Verletzung ethischer Grundregeln gibt. Früher oder später wird unweigerlich ein Troll jemanden in deinem Verein zum Angriffsziel machen. Für den Umgang damit bedarf es in Vereinen genauer Regeln. Wenn es ein solches Regelwerk nicht gibt, zieht man das Unheil geradezu an. In einem landesweiten Verein kam es z.B. dazu, dass ein Troll es geschafft hatte, in ein hohes Vorstandsamt gewählt zu werden. Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand darin, das Regelwerk des Vereins bezüglich der Verletzung ethischer Grundregeln für ungültig erklären zu lassen. Die Folge war eine völlige Zerstörung des Vereins, der sich sechs Monate später auflöste. Man braucht unbedingt genaue Regeln und Vorgehensweisen, um Mitglieder wegen böswilliger Verleumdung, Verletzung ethischer Grundregeln und Vereinsschädigung hinauswerfen zu können. Und der Verein muss willens sein, diese Regeln auch konsequent anzuwenden, um Mitglieder auszuschließen, die das zu Recht verdient haben.

Jedes System der Behandlung entsprechender Klagen muss zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen beinhalten, weil Trolle sehr gut darin sind, Regeln zu manipulieren. Zusätzlich zu einem genauen Regelwerk darüber, wie man Trolle hinauswerfen kann, muss man darin also zusätzlich auch Schutzmechanismen einbauen, die verhindern, dass der Troll eben dieses Regelwerk für sich selbst missbraucht. Die eine Möglichkeit dabei ist die, dass er schon die Klage selbst und ihre Annahme durch neue Verleumdungen zu sabotieren versucht, die andere besteht darin, dass er seinerseits eine Klage gegen sein Opfer vorbringt. Jedes Vorgehen angesichts solcher Klagen muss also diese beiden Möglichkeiten stets im Auge behalten.

In den meisten Fällen wird eine solche Klage von einem Mitglied kommen, das sich durch ein anderes verletzt oder verleumdet fühlt. Dabei kochen die Gefühle oft über, und ein Troll wird alles tun, um genau das geschickt in für ihn günstige Bahnen zu lenken, egal wie weit er selbst von dem Fall überhaupt betroffen ist. Deshalb muss jedes förmliche Vorgehen strengsten Regeln folgen, die genauestens einzuhalten und mit geradezu mechanischer Präzision anzuwenden sind. Je strenger das Regelwerk ausgearbeitet ist, umso schwieriger ist es zu manipulieren. Man sollte all das bei eigenen Ausarbeitungen in Betracht ziehen. Hier folgt nun ein Beispiel für eine solche Vorgehensweise im Fall einer Klage über unethisches bzw. ehrloses Handeln, das sich in der bisherigen Praxis gut bewährt hat. Jede Gruppe und jeder Verein mag es im Detail den eigenen Gegebenheiten und Bedürfnissen anpassen.

1. Annahme der Klage. Ein Vereinsmitglied reicht dem Vorstand eine schriftliche Klage bezüglich der Verletzung ethischer Grundregeln durch ein anderes Mitglied ein. Daraus muss klar hervorgehen, über welches Tun genau man sich im Detail beschwert (was genau ist wann und wo vorgefallen, und wer war außerdem anwesend, um das bezeugen zu können?). Diese Klage hat auch eine kurze Erklärung zu beinhalten, warum das beanstandete Tun für den Verein als solchen von Belang sein sollte.

2. Voruntersuchung. Die Klage erfährt eine erste Voruntersuchung durch den Vorstand. Der Vorstand muss darüber befinden, ob das beanstandete Verhalten tatsächlich eine Verletzung der ethischen Grundregeln darstellt, wie der Verein sie vertritt, und ob der Beschwerdeführer überzeugende Belege oder Zeugenaussagen dafür vorlegen oder im Nachhinein beibringen kann, dass sich die Dinge tatsächlich so abgespielt haben. Wenn die Klage sich gar nicht auf die Verletzung ethischer Grundregeln bezieht oder sie durch keine Belege gestützt werden kann, ist sie als gegenstandslos zu erklären. Andernfalls weiter mit dem folgenden Punkt 3.

3. Einsetzung der Kommission. Der Vorstand ernennt eine Untersuchungskommission (nicht mehr als drei oder vier Personen), um die Klage auf eine quasi gerichtliche Ebene zu heben. Dieser Kommission obliegt es, dem Beschuldigten eine Kopie der Anklage zukommen zu lassen und von ihm bis zu einem festgesetzten Termin eine Stellungnahme dazu einzufordern. Ein Monat dürfte ein realistischer Zeitrahmen für die Arbeit einer solchen Untersuchungskommission sein. Innerhalb dieser Zeit haben natürlich beide Seiten das Recht, zusätzliche Beweise oder Zeugenaussagen in Schriftform einzureichen, die aber natürlich den Regeln der Beweisführung genügen müssen (die ich unten im Anschluss erläutern werde).

4. Übergabe. Wenn die beschuldigte Person eine Stellungnahme bis zu dem festgesetzten Termin verweigert, gilt die Anschuldigung als „durch Unterlassung bewiesen“. Andernfalls wird nach Ablauf des Zeitrahmens das gesamte schriftliche Beweismaterial dem Vorstand übergeben. Dem Vorstand muss ein entsprechender Zeitraum eingeräumt werden (zwei Wochen sollten dafür in der Regel genügen), um das Material zu prüfen und sich damit vertraut zu machen.

5. Beschlussfassung. Bei dem nächsten Vorstandstreffen oder der nächsten Mitgliederversammlung (je nachdem, wie die Entscheidungsfindung in dem jeweiligen Verein geregelt ist) wird die Klage nochmals detailliert diskutiert. Auch dabei müssen beide Seiten abermals die Möglichkeit haben, Zeugenaussagen und zusätzliche Belege vorlegen zu können (abermals gemäß der unten erläuterten Regeln der Beweisführung). Wenn der Beschuldigte eine Teilnahme daran verweigert oder ohne überzeugende Entschuldigung fernbleibt, gilt die Anschuldigung als „durch Nichterscheinen bewiesen“. Andernfalls stimmt der Vorstand bzw. die Mitgliederversammlung darüber ab, ob die Anschuldigung als bewiesen gelten kann.

Regeln der Beweisführung

Trolle sind ganz groß darin, von Klagen gegen sich abzulenken, indem sie alle möglichen irrelevanten Details oder vermeintlichen Ungerechtigkeiten anführen, die ihnen angeblich selbst einmal vor Monaten oder gar Jahren widerfahren sind. Dies darf man auf keinen Fall zulassen! Die Untersuchungskommission einer entsprechenden Klage sollte alle schriftlichen Eingaben dazu zwar sorgfältig prüfen, aber dann auch alle die als „nicht maßgeblich“ aussondern, die mit den konkreten Inhalten der Klage nichts zu tun haben. Alle als „nicht maßgeblich“ beurteilten Aussagen müssen aber dennoch dem Vorstand bzw. auf Antrag auch den Mitgliedern zugänglich gemacht werden, um dem zu erwartenden Vorwurf des Trolls vorzubeugen, es solle etwas vertuscht, unterdrückt oder zurückgehalten werden. Bei mündlicher Aussage vor der Kommission oder dem Vorstand sollte man sich zuvor darauf einigen, einem der Anwesenden das Recht zuzugestehen, auch mündliche Aussagen als für das Thema „nicht maßgeblich“ abweisen zu können. Dabei gilt es fünf wesentliche Themenkomplexe zu beachten:

• Konzentration auf das Wesentliche. Schriftliche wie mündliche Aussagen dürfen sich nur auf das beziehen, worum es in der Klage tatsächlich geht. Man darf keine Versuche zulassen, durch damit nicht zusammenhängende Vorwürfe und Gegenanschuldigen von der eigentlichen Sache abzulenken.

• Verifizierung. Aussagen, die lediglich auf Hörensagen beruhen oder deren Quellen nicht offengelegt werden, sind nicht zulässig. Allgemein beschränke man die Aussagen der Beteiligten darauf, was sie selbst gesehen, gehört oder was sie miterlebt haben. Natürlich ist es statthaft, dass eine Person dabei das wiedergibt, was ihr von einer anderen lediglich berichtet worden ist. Dann aber muss klar sein, wer ihr das berichtet hat, und das muss durch diese Person dann auch bestätigt werden. Trolle lieben Aussagen wie diese: „Jemand hat mir erzählt, dass Edgar dies und das getan hat. Nein, ich kann nicht sagen, wer mir das erzählt hat, weil ich versprochen habe, den Namen nicht preiszugeben.“ Wenn sich ein Zeuge weigert, die Quelle seiner Information preiszugeben, hat diese Aussage als nicht zulässig behandelt zu werden.

• Genauigkeit. Man bestehe auf Genauigkeit und Details. Wenn jemand behauptet: „Edgar hat sich gemein und verletzend verhalten“, verlange man genaue Details für dieses „gemeine und verletzende“ Verhalten – wenn das für die Beschwerde denn von Bedeutung ist, andernfalls sollte man das ignorieren. Wenn keine genauen Details genannt werden können, ist eine solche Aussage ebenfalls nicht zulässig.

• Manipulation. Ob sie jemand anderen beschuldigen oder sich selbst verteidigen, Trolle versuchen dabei fast ausschließlich, die Gefühle möglichst heftig aufkochen zu lassen, was vor allem dem Ziel dient, die Untersuchungskommission selbst zu manipulieren und ihre Urteilsfähigkeit zu trüben. Solche Versuche emotionaler Manipulation darf man nicht zulassen. Man konzentriere sich ausschließlich auf das, was wirklich passiert ist.

• Angriffe. Wenn sie eines Fehlverhaltens beschuldigt werden, reagieren Trolle oft mit Gegenanschuldigungen gegen ihre Widersacher, denen sie dabei dann grundlose Bosheit, Neid oder Eifersucht unterstellen. Trolle haben sogar schon die reine Tatsache, dass eine Klage gegen sie vorgebracht wurde, als „Beweis“ für die Bosheit der anderen Seite zu verwenden versucht. Auf solche Tricks darf man nicht hereinfallen. Auch bloße Unterstellungen sind nicht zulässig. Trolle lieben es, dabei ihre Gegner als unbedeutend und „nicht erleuchtet genug“ darzustellen oder sie mit gehässigen und abwertenden Bezeichnungen zu belegen. Ebenso lieben sie den Gegenvorwurf, man wolle „die einzige und allein seligmachende“ Meinung verkünden, und vergleichen einen gerne mit der Inquisition. Solchen Unsinn gilt es zu ignorieren.

All diese Vorgehensweisen dienen nur der Verschleierung dessen, dass die Person, die sich ihrer bedient, nichts wirklich Wesentliches oder Vernünftiges vorzubringen hat. Es sind einfach nur Manipulationsversuche. Wenn die klageführende oder die beschuldigte Person wiederholt solche Techniken einzusetzen versucht, sollte das bei der Entscheidung über ihre Glaubwürdigkeit sehr zu ihren Ungunsten in die Waagschale fallen.

Kommentar zu dem Vorgehen

Dieser Kommentar bezieht sich auf die fünf Punkte des vorletzten Abschnitts (Das organisatorische Vorgehen) und folgt denen in der Nummerierung.

1. Annahme der Klage. Klagen bezüglich ethischen Fehlverhaltens sind immer sehr problematisch. Dabei handelt es sich oft um eher subtile Vorfälle, die nur selten klare Verstöße gegen die Satzung des Vereins darstellen. Ethik unterliegt auch immer individuell unterschiedlichem Verständnis, und was die eine Person als unethisches Verhalten empfindet, mag einer anderen als durchaus statthaft erscheinen, was sich innerhalb unterschiedlicher Vereine erst recht unterscheiden mag. In der Hitze des Augenblicks mag jemand das Gefühl haben, ihm sei Unrecht getan worden, sollte sich aber vielleicht erst einmal wieder beruhigen. Häufig wachsen sich auch einfache Missverständnisse zu größeren Krisen aus. Andererseits aber sollten tatsächliche ehrlose Handlungen auch nicht einfach hingenommen werden, schon gar nicht von einer spirituellen oder religiösen heidnischen Gemeinschaft. Aus diesen Gründen muss sich eine Klage auf konkrete Handlungen beziehen und eben auch die Erklärung beinhalten, warum das beanstandete Tun für den Verein als solchen von Belang sein sollte. Die Satzung oder ein weiteres Regelwerk sollte einige Richtlinien und Beispiele dafür geben, was für Handlungen nicht toleriert werden, aber auch klar sagen, dass eine solche Aufzählung niemals vollständig sein kann.

2. Voruntersuchung. Die Klage muss sich auf konkrete Handlungen beziehen, nicht auf angeblich dahinter stehende Motive. Selbst im Fall durchaus vernünftigen Handelns können Trolle jemanden der angeblich dahinter stehenden finsteren Absichten wegen verleumden und hoffen dann darauf, dass andere das glauben und sich deshalb von dem Opfer des Trolls abwenden und lossagen. Wenn eine Tat aber nicht als solche ehrlos ist, kann man das auch nicht den Motiven dahinter unterstellen. Und solange eine Person keine Beweise für ihre eigenen unfehlbaren hellseherischen Fähigkeiten beibringen kann, ist jegliche Andeutung auf den angeblichen Geisteszustand (und damit die Motive) anderer als unzulässig abzulehnen. So beklagte sich z.B. einmal ein Troll darüber, dass er aus einem Wicca-Coven ausgeschlossen worden sei, und machte dafür ausschließlich die Gemeinheit des Coven-Leiters verantwortlich. Ein anderer beschwerte sich bitter darüber, dass ihm kein Zugang zu den schriftlichen Aufzeichnungen eines Covens gewährt wurde, nur weil ihn die Leiterin angeblich nicht leiden konnte. Die Leiter von Wicca-Coven sind zu solchen Entscheidungen aber nicht nur berechtigt, sondern in gewissen Fällen geradezu verpflichtet. Jemand aus einem Coven auszuschließen stellt keine Verletzung ethischer Regeln dar, genauso wenig die Weigerung, jemandem Zugang zu vertraulichem Schriftmaterial zu gewähren. Trolle haben andere schon wegen der Art und Weise angegriffen, wie diese „Guten Morgen“ sagen oder ihren Geburtstag feiern. Wenn die Handlung selbst, über die Klage geführt wird, nicht den ethischen Regeln des Vereins widerspricht, sollte die Klage als gegenstandslos abgewiesen werden. Es kann nicht darum gehen, in den Kopf von jemandem zu schauen, um dessen Motive zu ergründen, und auf keinen Fall darf man zulassen, dass nur durch Unterstellung vermeintlicher Motive eine neutrale Handlung selbst als ehrlos gelten soll.

3. Einsetzung der Kommission. Es gilt sicherzustellen, dass mehrere Personen in den Vorgang der Bearbeitung des Falls eingebunden sind und die entsprechende Kommission bilden. Sollte die Verantwortung dafür nämlich nur bei einer Person liegen, wird diese sofort zum Ziel weiterer Manipulation des Trolls werden. Ein solches Szenario kann so aussehen: Edgar bekommt mit, dass Xelda Verleumdungen und falsche Gerüchte über ihn streut und auch sonst zersetzendes Verhalten an den Tag legt. Edgar reicht also eine entsprechende Klage beim Vorstand ein. Der Vorstand beruft Fred als „Untersuchungskommission“, der die schriftlichen Stellungnahmen einzufordern hat. Auf der Stelle beginnt sich Xelda bei Fred einzuschmeicheln und macht ihm überzeugend klar, dass Edgars Vorwürfe völlig aus der Luft gegriffen seien und nur seiner Boshaftigkeit und Rachsucht entspringen, nur weil sie einmal mit ihm nicht einer Meinung gewesen sei. Fred empfindet Mitleid mit Xelda, „findet“ auf einmal die Unterlagen nicht mehr und tut auch sonst alles, um Edgars Klage abzuwürgen. Gleichzeitig verstärkt Xelda hinter den Kulissen ihre Verleumdungen gegen Edgar.

Mehr als nur eine heidnische Vereinigung ist aufgrund solcher Vorgänge zerstört worden. Wenn sich der zur Untersuchung Berufene erst einmal eine eigene Meinung gebildet hat, neigt er (oder sie) erfahrungsgemäß dazu, Aussagen zu ändern, zu verzerren, zurückzuhalten oder weitere einzufordern, um die Behauptungen der einen Seite zu stärken oder zu schwächen. Diese Gefahr lässt sich nur dadurch entschärfen, indem diese Untersuchungskommission aus mehreren Personen besteht (drei oder vier, eine größere Zahl ist wieder eher hinderlich), die gemeinsam dafür verantwortlich sind, dass die weitere Behandlung der Klage so korrekt wie möglich erfolgt. Sie können sich dabei gegenseitig konstant eines „Reality Checks“ versichern. Die Verantwortung und Aufgabe dieser Kommission muss dabei genau definiert und begrenzt sein. Dabei sollte es genaue Fristen geben, innerhalb derer Klagen, Beschwerden und Gegendarstellungen einzureichen sind, und ihre Arbeit muss weitgehend öffentlich sein – ohne versteckte Strategien und geheime Nachforschungen. Lässt man solch einer Kommission zu sehr freie Hand, ist die Gefahr groß, dass sie sich verzettelt. Führt diese Kommission ihre Aufgabe nicht korrekt und innerhalb des definierten Zeitrahmens durch, sollte das für deren Mitglieder klare Konsequenzen haben, die im Extremfall bis zu ihrem eigenen Ausschluss aus dem Verein reichen können.

4. Übergabe. Wenn jemand in einer Klage eines ethischen Fehlverhaltens beschuldigt wird, darf man nicht zulassen, dass diese Person die Behandlung des Falles durch bloße Verweigerung der Mitarbeit abzuwürgen versucht. Trolle sind sehr gut darin, überzeugende Ausreden dafür zu finden, warum sie gerade bei diesem Treffen nicht anwesend sein oder die Frist für eine Erklärung nicht einhalten können. Dadurch darf kein Sand ins Getriebe des Vorgehens geraten. Genau das war in größeren Vereinen aber oftmals Folge einer solchen manipulativen Verweigerung. Auch ist es im Fall eines verleumderischen Troll-Angriffs gut nachvollziehbar, wenn das Opfer es als unter seiner Würde betrachtet, darauf überhaupt zu antworten. Aber wenn die Untersuchungskommission ihre Aufgabe gut und sachlich genug erledigt, gibt es keinen Grund für solch eine Reaktion des Troll-Opfers. Natürlich steht es jedem frei, den Verein zu verlassen, anstatt sich auf solch ein Verfahren einlassen zu wollen. In diesem Fall würde die gesamte Klage gegenstandslos. Wenn von einem entsprechend Beschuldigten aber einfach keinerlei Stellungnahme zu den Vorwürfen kommt, auch wenn eben dafür Entschuldigungen oder „Erklärungen“ vorgebracht werden, sollte der Vorstand zu dessen Ungunsten entscheiden und ihn aus dem Verein ausschließen. (Natürlich sind Ausnahmen von dieser Regelung denkbar, aber die sollten sich auf drastische Fälle beschränken, wie z.B. den, dass der Beschuldigte seit Wochen auf der Intensiv-Station im Koma liegt).

5. Beschlussfassung. Eine ausführliche Behandlung der Klage sollte anlässlich der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung erfolgen. Das verhindert den Geruch möglicher Manipulation, der spontan einberufenen außerordentlichen Sitzungen immer anhaftet, weil bei denen dann oft nur wenige Mitglieder und vielleicht nur eine der zerstrittenen Parteien anwesend sein können. Dadurch wird auch der mögliche Vorwurf entkräftet, eine der Parteien sei gar nicht oder erst viel zu spät von einer solchen Sitzung unterrichtet worden. Gleichfalls vermeidet man so jedes Gefühl von Panik und den Eindruck einer Krisensitzung oder gar eines Katastropheneinsatzes, die mit solchen Sondertreffen oder außerordentlichen Mitgliederversammlungen oft verbunden sind. Es ist schließlich ungemein wichtig, die Prozedur nach genauen Regeln ablaufen zu lassen, damit der Troll möglichst keine Möglichkeit bekommt, die Emotionen der Anwesenden erneut manipulieren zu können. Bei dem Beschluss darüber, ob eine Klage als erwiesen gilt oder nicht, sollte man sich auf die Überzeugungskraft der Aussagen und auf die Glaubwürdigkeit der Beteiligten und Zeugen verlassen und dabei immer auch bedenken, dass es hier nicht um Haftstrafen, Abtrennung von Gliedmaßen oder Einzug des Vermögens geht. Die schlimmstmögliche Strafe besteht darin, den Betreffenden aus dem Verein auszuschließen, und das bedeutet weder für ihn noch für euch das Ende der Welt. Deshalb also keine Angst vor einem entsprechenden Beschluss, wenn die Klage gegen ihn überzeugend belegt worden ist. In den meisten Fällen beruht die gesamte Aussage solch einer Klage auf dem Wort einer einzigen Person (oder einer winzigen Gruppe), das wiederum gegen das einer anderen Person steht. Hier bedarf es sorgfältiger Prüfung: Wessen Version ist überzeugender? Wer könnte sich durch Lügen dabei einen Vorteil verschaffen? Die Versionen, die einem dabei von Trollen aufgetischt werden, weisen oft gewisse Lücken auf oder wirken in bestimmten Punkten unlogisch. Handlungen werden als in keinem Verhältnis zu deren vermeintlichem Auslöser bzw. Motiv dargestellt. Ein solcher Streitfall drehte sich vor einiger Zeit z.B. einmal um die Behauptung von Person A, dass Person B anderen einen bestimmten Initiationsritus hatte angedeihen lassen, wozu er nach Meinung von Person A gar nicht „berechtigt“ gewesen sei, was Person B heftig bestritt. Person A behauptete nun, Person B würde das nur deshalb bestreiten, weil man sich vormals über den Wert einiger literarischer Quellen in die Haare geraten sei. Wer also sagt hier die Wahrheit? Niemand hätte Grund dazu, der Version von Person A zu glauben. Person B hätte dabei weder durch ein Eingeständnis noch durch eine Lüge etwas zu gewinnen oder zu verlieren, während die Version von Person A alle klassischen Merkmale einer Trollversion zeigt, bei der ein unterstelltes Motiv keinerlei nachvollziehbare Beziehung zu der angeprangerten Handlung oder den tatsächlichen Belangen der Sache hat.

Ein Verein mag es allgemein als wünschenswert empfinden, nach Art und Schwere unterschiedliche und abgestufte Sanktionen für ehrloses Handeln zu haben, die von einer Einschränkung bestimmter Rechte bis hin zum Ausschluss reichen. Auch wenn eine Klage von der Mitgliederversammlung als berechtigt anerkannt wurde, kann es sinnvoll sein, in einem zweiten Abstimmungsgang darüber zu entscheiden, wie schwer die Verfehlung zu bewerten und wie sie zu ahnden ist. Aber Trolle sind dafür berüchtigt, auch solche Entscheidungsprozesse zu unterminieren, weshalb man sicherstellen sollte, dass es im Fall eines „Schuldspruches“ auch zu irgendwelchen Konsequenzen kommt. Selbst bei einem „Schuldspruch“ schaffen es Trolle nämlich oftmals, unbehelligt den Saal zu verlassen, weil sie alle weiteren Konsequenzen für sich selbst geschickt zu verhindern wissen, indem sie eine solch weitere Abstimmung sabotieren. Die in solch einem Fall überfällige Reaktion sollte deshalb unbedingt in einem sofortigen Ausschluss aus dem Verein bestehen. Der mögliche Straf-Katalog sollte zwar auch geringere Sanktionen bereit halten (aber solches Verhalten nie gänzlich ungestraft lassen), aber im Fall einer solch strikten Regelung bietet sich dem Troll kein Anreiz dazu, einen zweiten Abstimmungsgang zu verzögern oder ihn sabotieren zu wollen. Nach Abschluss des gesamten Vorgangs sollte der Vorstand all das schriftliche Material überprüfen, das von der Untersuchungskommission als für die Sache selbst „nicht maßgeblich“ abgelehnt wurde. Sollte sich dann herausstellen, dass dabei nicht mit der nötigen Korrektheit vorgegangen wurde, können Entscheidungen immer noch rückgängig gemacht werden, und diese Möglichkeit besteht natürlich auch dann, wenn aus anderen Quellen weitere Informationen auftauchen, die die Sache in neuem Licht erscheinen lassen. Das ist das Gute dabei, wenn es nicht um Enthauptung oder das Abhacken einer Hand geht: Mögliche Irrtümer und daraus resultierende Fehlentscheidungen sind stets korrigierbar. Und das ist ein Grund mehr dafür, dass man bei offensichtlichem Entscheidungsbedarf nicht zu zögerlich handeln sollte.

Troll-Strategien

Wenn ein Troll eine Klage über ehrloses Verhalten gegen andere vorbringt, ist die in der Regel unberechtigt, unbelegbar, hat nichts mit der Satzung des Vereins zu tun und zielt meistens darauf ab, den Beschuldigten durch Unterstellung böswilliger Motivation zu verleumden. Eben deshalb liegt ein solches Hauptgewicht meiner Vorschläge auf der Notwendigkeit, die Relevanz solcher Anschuldigungen zunächst einmal grundsätzlich zu prüfen und sie gegebenenfalls schon zu diesem Zeitpunkt abzuschmettern, bevor das Ganze seinen weiteren Weg geht. Wenn eine solche Klage schon in diesem Stadium als ungerechtfertigt erkannt wird, gilt es vor allem, den Ankläger künftig bezüglich weiterer Troll-Merkmale schärfstens im Auge zu behalten. Dabei muss man sorgfältig zwischen irrelevanten Anschuldigungen und dem tatsächlichen Vollzug ehrloser Taten unterscheiden. Trolle sind sehr gut darin, ganz normales Handeln anderer Menschen als skandalös und unheilschwanger darzustellen. Man prüfe ausschließlich das tatsächliche Handeln, nicht aber die angebliche Motivation dahinter. Wenn ein Handeln an sich keine Verletzung ethischer Grundsätze darstellt, kann es auch nie Gegenstand einer entsprechenden Klage sein.

Allgemein geht von Trollen in dieser Hinsicht aber nicht die größte Gefahr aus, da sie nie glaubwürdige Belege für ihre dreisten Behauptungen beibringen können. Wenn man dergleichen von ihnen verlangt, erweist es sich stets als unmöglich, den von ihnen Beschuldigten das nachweisen zu können, was sie nach Darstellung der Trolle angeblich Ehrloses getan haben sollen.

Trolle selbst hingegen haben äußerst raffinierte Strategien entwickelt, sich selbst gegen entsprechende Anschuldigungen zu wehren. Ihre beiden wirkungsvollsten Methoden bestehen darin, ihre Gegner böswilliger Verleumdung zu bezichtigen oder aber alle Möglichkeiten der jeweiligen Vereins-Satzung auszureizen.

Wenn solch eine Klage gegen einen Troll vorgebracht wird, wird dessen erste Reaktion darin bestehen, den Kläger als „gemein und verleumderisch“ zu denunzieren. In den weitaus meisten Fällen wird eine solche Klage von jemandem kommen, den der Troll zuvor über lange Zeit selbst mit Verleumdungen und Sticheleien verfolgt hat. Und eben deshalb sitzt der Troll in der Regel auf einem gediegenen Vorrat von Aussagen seines Opfers, die er nun auf gehässigste Art für seine eigenen Zwecke missbrauchen kann. Fast schon unweigerlich wird der Troll behaupten, dass die Klage gegen ihn Folge einer unbedeutenden Meinungsverschiedenheit sei und das Ganze als Beweis für die Boshaftigkeit und Rachsucht des Beschwerdeführers darzustellen versuchen. Von solch einem Ablenkungsversuch auf die angeblichen Motive dahinter darf man sich nicht beeindrucken lassen! Es geht ausschließlich um das angeprangerte unethische Handeln des Beschuldigten. Und ein solches Handeln bleibt auch dann noch unethisch, wenn dem Beschwerdeführer unterstellt wird, er würde es aus den falschen Motiven heraus anprangern.

Es ist darauf zu achten, dass die Fristen und der Ablauf der für solche Fälle erarbeiteten Vorgehensweisen strikt eingehalten werden. Genau ausgearbeitete Vorgehensweisen in einer Atmosphäre von Unparteilichkeit können weitgehend verhindern, dass dabei jemandem Unrecht widerfährt. Auf keinen Fall darf man zulassen, dass der Troll Sondersitzungen beantragt, Termine hinausschiebt, Untersuchungen der Motive der Gegenseite anzustiften versucht oder sich in andere Belange des Vereins einzumischen versucht, solange die Klage schwebt. In einem Fall reagierte ein Troll auf eine Klage gegen ihn, indem er eine Reihe wüster Drohungen und Forderungen vorbrachte und den Beschwerdeführer massiv mit Unterstellungen und Verleumdungen überzog. Solche aggressiven Reaktionen und Versuche, das gesamte Verfahren entgleisen zu lassen, sollten sofort alle Alarmglocken schrillen lassen, da sie auf das Wirken eines besonders üblen Trolls hindeuten. Um so nachhaltiger sollte die Untersuchungskommission auf der genauen Einhaltung der Vorgehensregeln bestehen.

Übrigens kann es in solch einem Fall durchaus angebracht sein, auch die Zeugenaussagen zu berücksichtigen, die nichts mit der Klage selbst zu tun haben – wenn auch nicht in der Form, wie der Troll es beabsicht hat. Drohungen, Forderungen, Verleumdungen und Beschimpfungen können als Beweis dafür gewertet werden, dass deren Urheber auch jetzt noch ehrlos handelt, denn schließlich gilt ein solches Handeln doch als ehrlos, oder nicht? Tatsächlich stellt eine solche Reaktion selbst ein erneutes unethisches Handeln dar, das den klaren Berweis dafür gleich mitliefert. Wer ein Untersuchungsverfahren in solcher Form zu missbrauchen versucht, sollte allein schon deshalb sofort aus dem Verein ausgeschlossen werden.

Zuweilen mag ein gutmütiger Mensch einwenden, dass der Ausschluss aus dem Verein eine zu harte Strafe sei. Sollte man nicht auch vergeben und vergessen können? Sollte man solch kleinliche Streitereien nicht überwinden und sich wieder dem widmen können, wozu man sich eigentlich in diesem Verein zusammengefunden hat? Ja, natürlich sollte man das können, aber deshalb muss man einem Troll nicht erlauben dürfen, einem gerade dabei Schaden zuzufügen. Der entscheidende Punkt dabei ist, jede Person so zu behandeln, wie es ihrem Wesen angemessen ist. Der Grundsatz, niemandem bewusst Schaden zufügen zu wollen, muss auch auf einen selbst und die gutwilligen Vereinsmitglieder bezogen werden. Wenn man zulässt, dass ein Troll sich innerhalb des Vereins ungehindert austoben darf, wird man immer mehr Zeit damit verbringen müssen, die rauchenden Trümmer hinter ihm aufzuräumen und die Wunden zu verbinden, und damit widmet man sich ganz bestimmt nicht dem, wozu man sich eigentlich in diesem Verein zusammengefunden hat.

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Teil 6: Netzwerke und Internet

Es gibt eine bestimmte Art von Menschen, die es zwanghaft dazu treibt, in heidnischen Gruppen und Vereinen zersetzend tätig zu werden. Üblicherweise äußert sich das in unfairen Angriffen vor allem auf Vorstandsmitglieder und auf die respektiertesten Mitglieder des Vereins. Ich benutze für solche Menschen den Begriff „Trolle“, weil ich mich damit einer sehr mächtigen und sehr alten europäischen Vorstellung von den zerstörerischen Kräften des Chaos bediene – aber sie sind auch leicht auszutricksen, wenn man sich ein wenig mit ihnen auskennt.

In den bisherigen Teilen dieser Artikelserie habe ich Methoden und Techniken vorgestellt, wie man sie erkennt und auf welche Warnzeichen man dabei achten sollte, um nicht in große Schwierigkeiten zu geraten. Nochmals kurz zur Erinnerung: Trolle können nichts dafür, dass sie Trolle sind. Sie wollen auch nicht wirklich zerstörerisch wirken. Sie können einfach nicht anders. So wie bei einer Lawine oder einer Seuche ist ihr zerstörerisches Potenzial einfach Teil ihrer Natur. Man kann sie nicht ändern und man kann sie nicht aufhalten. Das Beste ist, ihnen einfach aus dem Weg zu gehen. Der einzig mögliche Umgang mit ihnen besteht darin, sie als solche zu erkennen und sich nicht mit ihnen einzulassen. Man muss aufpassen, dass sie sich nicht in die eigene Gruppe oder den eigenen Verein einschleichen, und wenn einem Troll das doch gelingen sollte, muss man ihn sofort ausschließen, sobald man erkannt hat, dass es sich um einen Troll handelt.

Diese Folge behandelt die Vorteile, die vereinsübergreifende Netzwerke bei dem Problem bieten können, sowie den Umgang mit Trollen im Internet. Aber zunächst ist es wichtig, sich noch einmal klar zu machen, warum gegen Trolle mit aller Schärfe vorzugehen ist. Würde man so gegen einen gutwilligen und vernünftigen Menschen vorgehen, könnte man das zwar in der Tat als brutal und herzlos bezeichnen. Es ist aber wichtig, alle Phänomene der Natur auch genau ihrer Natur gemäß zu behandeln. Das sollte gerade in einer Naturreligion eine Grundregel sein.

Sind Trolle wirklich so gefährlich?

Trolle leben in einer ganz anderen Wirklichkeit als ihre Mitmenschen. Natürlich gilt auch im Heidentum, dass jeder die Welt und die Gottheiten auf seine eigene Art wahrnimmt und jedem Heiden die Gültigkeit seiner eigenen Sichtweise zugestanden wird, auch wenn die nicht streng objektiv sein sollte oder nicht mit der „Objektivität“ übereinstimmt, auf die man sich bezüglich einer gesellschaftlichen Konvention „geeinigt“ hat. Was den Troll aber zum Troll macht, ist nicht bloß seine andere Wahrnehmung der Realität, sondern die Tatsache, dass er die Welt ausschließlich als finster und gefährlich wahrnimmt und sich selbst konstant von Verfolgung und Gefahren bedroht sieht. Das hat nichts mit „gut und böse“ zu tun (im Heidentum gibt es die theologische Vorstellung eines Kampfes von „gut gegen böse“ nicht). Das ist einfach so, und im Umgang mit solchen Menschen muss man sich dessen bewusst sein. Die persönliche Welt eines Trolls besteht ausschließlich aus finstersten und gefährlichsten Bedrohungen, wie sie auch als Symptome einer klinischen Psychose auftreten können. Sie können sehr überzeugend lügen, weil sie tatsächlich an das glauben, was sie von sich geben. Diese Form von angsterzeugenden Symptomen führt zu einem tiefverwurzelten Verfolgungswahn und zu der Überzeugung, dass es die ganze Welt auf sie abgesehen hätte. Die Ironie bei solch einem Verfolgungswahn liegt darin, dass er so zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird und dann auch nicht mehr ganz unbegründet ist. Menschen mögen nämlich keine Personen mit Verfolgungswahn, da solche Personen sich sehr verletzend verhalten können. Paranoiker teilen stets heftig an ihre Mitmenschen aus, weil sie überzeugt sind, dauernd einen Erstschlag führen zu müssen, damit es sie selbst nicht vorher erwischt. Und deshalb sind sie tatsächlich unbeliebt und werden geschnitten, und ihre Mitmenschen reagieren ablehnend auf die von ihnen angerichteten Schäden. Und nach einiger Zeit haben tatsächlich viele Mitmenschen eine Stinkwut auf sie. Trolle fühlen sich ungeliebt, weil sie unbeliebt sind.

Diese Verbindung von psychotischen Symptomen und Verfolgungswahn lässt bei Trollen ein Verhalten entstehen, bei dem ihrer Meinung nach alles erlaubt ist, um sich gegen die vermeintlich bevorstehenden Angriffe gegen sie zu verteidigen und zu schützen. Dieser Zweck heiligt für sie alle Mittel und nimmt keinerlei Rücksicht auf die Unversehrtheit anderer oder auf soziale Konventionen. Da gesellschaftliche Regeln für sie nicht zählen, ähneln sie Soziopathen. Diese Merkmale – Symptome ähnlich denen von Psychose, Verfolgungswahn und Soziopathie – machen den Umgang mit einem Troll zu einer gefährlichen Angelegenheit, und manchmal auch schon lediglich ein Gespräch mit ihm.

Menschen sind soziale Wesen. Wir alle bedürfen des Kontaktes zu anderen Menschen, und nicht einmal ein Troll kann allein auf einer einsamen Insel glücklich werden. Da sie so oft geschnitten wurden und sich unbeliebt gemacht haben, treibt es Trolle noch intensiver zu weiteren sozialen Kontakten. Ihres Verfolgungswahns wegen bestehen die einzigen Formen menschlichen Kontakts, zu denen sie dabei fähig sind, aber in Täuschung, Falschheit und Streit. Trolle brauchen den Streit wie andere Menschen Nahrung oder Zuneigung. Auch ein geistig gesunder Mensch braucht von Zeit zu Zeit menschliche Bestätigung: „Ist mit mir alles in Ordnung?“ – „Ja, du bist völlig in Ordnung, du bist ein netter Mensch und ich mag dich.“ Für einen Troll erwächst solch eine Bestätigung durch Konflikte: „Besitze ich Macht und kann ich Einfluss auf meine Umwelt ausüben?“ – „Ja, denn du hast es geschafft, mich zutiefst zu verletzen.“

All dies sind Probleme, mit denen der durchschnittliche Heide nicht umzugehen gelernt hat, und das sollte er auch gar nicht erst versuchen. Einen Troll kann man nicht ändern und man kann ihn nicht bessern. Psychose und Paranoia kann man nicht durch Argumente heilen, und man kann den Troll durch nichts dazu bringen, sich gesellschaftlichen Regeln anzupassen oder zu einem vernünftigen Handeln zu finden. Freundlichkeit, Zuwendung und Hilfsbereitschaft lassen einen nur selbst zu einer willkommenen Zielscheibe werden. Er wird dich nach Strich und Faden belügen, und deine eigene Aufrichtigkeit und Offenheit werden ihm lediglich die Informationen liefern, die er später in verdrehter Form als Waffe gegen dich einsetzen wird. Er wird dich lediglich benutzen, um Zugang zu anderen Menschen zu gewinnen, und denen wird er dann die übelsten Verleumdungen über dich erzählen. Gleichzeitig werden die aber auch seine nächsten Opfer sein, nachdem er dich erledigt hat.

Trolle sind gefährlich. Sie sind keine Wesen, mit denen man zu tun haben möchte – nicht weil sie „böse“ wären, sondern ihrer inneren Triebkräfte wegen, über die weder du noch sie selbst Kontrolle besitzen. Und das sollte man auch gar nicht erst versuchen. Das wäre so, als würde man einen Schwarm Haie zum Essen einladen. Wer ist dabei dann wohl der Nachtisch? Trolle richten ihre Angriffe gegen Einzelpersonen. In seinem in Teil 1 erwähnten Buch nennt der Autor Kenneth Haugk diese Menschen „Antagonisten“ und definiert ihr Treiben so:

„Antagonisten sind Individuen, die sich auf Grundlage unbeweisbarer Behauptungen zu maßlosen Aussagen erdreisten, wobei sie Person oder Funktion anderer angreifen. Diese Angriffe sind von selbstsüchtigem Wesen, zerstörerisch statt konstruktiv, und oft gegen Personen in Führungspositionen gerichtet.“

Trolle richten ihre Angriffe gegen die, die sie als Führungspersonen oder besonders respektierte Vereinsmitglieder wahrnehmen. Darin sind sie sehr gut und haben beträchtliche Erfahrung darin. Ihre Angriffe können verheerende Folgen haben. Aber leider tragen sie kein Schild vor sich her, auf dem stehen würde: „Ich heiße Xelda und bin ein Troll!“ Sie lassen sich auch nicht an äußeren Merkmalen wie Fangzähnen oder grünem Fell erkennen. Tatsächlich sind Trolle wahre Meister der Tarnung. Das müssen sie schon aus reinem Selbstschutz heraus sein. Wären sie schnell und einfach zu erkennen, würden alle Menschen sie meiden und sie würden mental hungern. Trolle können ausgesprochen liebenswert auftreten, wenn man sie erstmals kennenlernt. Und diese Fassade können sie auch über längere Zeit aufrechterhalten. Was also kann man tun?

In Teil 2 dieser Artikelserie habe ich Erkennungsmerkmale der Trolle und einschlägige Warnsignale aufgelistet. Aber auch wenn man die verinnerlicht hat, bedarf es der Beobachtung über einen längeren Zeitraum, um dabei das Risiko eines Fehlurteils auszuschließen. Schließlich will man weder jemanden als Troll behandeln, der gar keiner ist, noch will man jemandem Vertrauen schenken, der einem dann bei der nächstbesten Gelegenheit ein Messer in den Rücken stößt. Genauso wenig will man aber den Rest seines Lebens damit verbringen, jedes neue Mitglied mit Argwohn zu beäugen und hinter jedem freundlichen Lächeln die Falschheit eines Trolls befürchten zu müssen. Gibt es also eine schnellere Möglichkeit, um Trolle zu erkennen? Ja, die gibt es, aber davon wird allzu selten Gebrauch gemacht.

Netzwerke und vereinsübergreifende Zusammenarbeit

Trolle neigen zum Herumtreiben, um neue Opfer zu finden. So könnte es auf einen Troll deuten, wenn eine Person in keiner Gruppe länger als ein Jahr oder gar nur ein paar Monate Mitglied bleibt. Natürlich kann es sich dabei aber auch nur um jemanden handeln, der einfach noch nicht das gefunden hat, was er sucht. Deshalb ist solch ein Verhalten keineswegs schon ein Beweis für dessen Trollnatur. Aber wenn diese Person immer – oder fast immer – im Streit gegangen ist und dabei eine Spur menschlicher Verwüstung hinterlassen hat, dann kann es kaum mehr Zweifel geben.

Heidnische Gruppen und Vereine derselben Richtung haben oft gute Beziehungen und Verbindungen untereinander. So kann man idealerweise schnell erfahren, welchen Eindruck eine bestimmte Person bei einer anderen Gruppe hinterlassen hat. Und darauf sollte man hören. Man muss das nicht unkritisch übernehmen, sollte dem aber dennoch Beachtung schenken. Wenn Gruppe X oder Verein Y schon mehr Erfahrungen mit Xelda gemacht hat als du, dann wissen sie wahrscheinlich auch, wovon sie reden. Bildet ein vereins- und gruppenübergreifendes Netzwerk, in das man Menschen einbinden sollte, deren Meinung man respektiert, deren Urteilsvermögen man vertraut, die in vergleichbaren Funktionen tätig sind und die man als vernünftig und intelligent einschätzt. Ein solcher Dialog auf individuell-menschlicher Ebene z.B. zwischen Vorstandsmitgliedern kann auch gut zwischen Gruppen funktionieren, die sich offiziell auf vereinspolitischer Ebene gegenseitig nicht grün sind. Mit denen kann man solche Belange besprechen und eigene Erfahrungen austauschen und weitergeben. Höre auf ihre Ratschläge und noch mehr auf ihre Warnungen. Man wird allzu leicht denken mögen: „Na ja, auch wenn Edna und Marvin Ärger mit Xelda hatten, was heißt das schon? Ich bin sicher, ich bekomme das besser hin.“ Eine solche Denkweise ist ein großer Fehler! Wenn sich der Troll nicht völlig geändert haben sollte, bekommst du das nicht besser hin. Trolle sind krank. Sie wollen nicht geheilt werden und du kannst sie nicht heilen. Auf entsprechende Warnungen, die innerhalb eines verlässlichen Netzwerkes weitergegeben werden, sollte man also auf alle Fälle hören.

Aber wie gesagt, will man dabei natürlich unbedingt vermeiden, ein Fehlurteil zu fällen. Deshalb ist die Verlässlichkeit eines solchen Netzwerkes so ungemein wichtig. Es ist eine Sache, dummes Gerede und substanzlose Gerüchte zu ignorieren, zumal deren Urheber ja oft genug selbst Trolle sind. Aber es ist eine ganz andere Sache, konkrete Warnungen von Menschen in den Wind zu schlagen, deren Urteilsvermögen und Erfahrung man vertraut, vor allem, wenn diese direkten Kontakt mit der betreffenden Person hatten – und das um so mehr, wenn deren Erfahrungen durch weitere Stimmen auch noch bestätigt werden.

Aber was ist, wenn der Troll sich tatsächlich völlig geändert hat? Zwar haben die letzten drei Gruppen alle schlimme Erfahrungen mit Xelda gemacht, nun aber steht sie vor dir und behauptet, sie habe sich völlig geändert, sei gereift, durch Erfahrungen gewachsen und jetzt ein gänzlich anderer Mensch. Wie weit kann man solch einer Selbstbehauptung trauen?

Diese Frage ist sehr einfach zu beantworten. Wenn Xelda sich wirklich geändert hat, bedeutet das, dass sie den Schaden erkannt und begriffen hat, den sie in der Vergangenheit angerichtet hat. Es obliegt ausschließlich ihr selbst, zu ihren letzten drei Gruppen Kontakt aufzunehmen und sich zu entschuldigen – ohne windige Ausflüchte und ohne die Verantwortung für ihr Tun dabei auf andere abzuschieben. Und dann liegt es ebenfalls ausschließlich bei ihr, alles dafür zu tun, die Schäden und Verletzungen, die sie angerichtet hat, auf bestmögliche Art wieder gutzumachen. Wenn Xelda dazu nicht bereit ist, dann hat sie sich auch nicht geändert. Hätte sie sich wirklich geändert, hätte sie diese Wiedergutmachung nämlich schon geleistet, bevor sie überhaupt bei dir auftauchte. Wenn Xelda sich geändert hätte, würdest du auch keine Warnungen mehr von ihren früheren Opfern hören, sondern vielmehr erstaunte Berichte über eine wahre menschliche Transformation. Wenn sich an den Warnungen aber nichts geändert hat, ist Xelda auch nicht sonderlich gereift.

Sollte man von sich aus öffentlich vor Trollen warnen, mit denen man schlimme eigene Erfahrungen gemacht hat? Meiner Erfahrung nach hören andere Menschen nicht auf solche Warnungen – manchmal zwar schon, aber nicht sehr häufig. Heiden sind im allgemeinen viel zu stolz auf ihre geistige Unabhängigkeit, ihr Wissen und ihre Fähigkeit, sich selbst ein eigenes Urteil zu bilden. Deshalb sollte man die eigenen Erfahrungen mit bestimmten Trollen nicht ungefragt in die Öffentlichkeit hinausposaunen, denn das könnte einen als kleingeistig und rachsüchtig erscheinen lassen.

Aber auch bei der Arbeit in Netzwerken gibt es Risiken. Es kann im Extremfall auch dann tatsächlich passieren, dass eine Person zu Unrecht ausgeschlossen oder nicht als neues Mitglied zugelassen wird. Diese Möglichkeit schrumpft aber auf ein Minimum, wenn die in das Netzwerk eingebundenen Personen alle mit dem Troll-Problem vertraut sind. Die sollten sich so oft wie möglich treffen und eng zusammenarbeiten. Hinter ungerechtfertigten Ausschlüssen stehen nämlich oft Menschen, die dadurch eine private Rechnung begleichen wollen, und deren Verhaltensmuster dann auch in anderen Fällen als bedenklich auffällt. Je besser man jemanden kennt – oder eine kleine Gruppe –, umso besser lernt man auch, wie weit man ihrem Urteil trauen kann. Gerät man dabei in ein Netzwerk, in dem Einzelne dominieren wollen und politische Spielchen ablaufen, steig aus und bau dein eigenes auf. Wenn ein Netzwerk aus vernünftigen Menschen besteht, fällt jeder, der das für seine eigenen Machtspielchen missbrauchen will, schnell auf – und wird vernünftigerweise als eigene Gattung von Troll behandelt werden.

Mit den Mitgliedern eines solchen Netzwerkes sollte man häufigen und engen Kontakt pflegen. Lerne sie so gut wie möglich kennen. Verlass dich auf ihre Unterstützung und lass ihnen auch deine Unterstützung zukommen. Wenn einer von ihnen zur Zielscheibe eines Trolls wird, braucht er (oder sie) alle Rückendeckung und Kraft. Eine solche Erfahrung ist unglaublich verletzend und kräftezehrend. Sei für ihn da. Vor allem bedarf er auch einer soliden Erdung und einer Schulter zum Ausheulen. Ein solches Netzwerk ist auch darüber hinaus eine gute Idee. Wie oft haben wir nicht schon den Ruf nach einer einigen und starken heidnischen Position vernommen? Hier liegt die Möglichkeit, damit anzufangen, und wir haben sehr gute Gründe dafür.

Trolle im Internet

Es gibt eine bestimmte Gattung von Trollen, die es lieben, in Mailinglisten oder Internet-Diskussionsforen Ärger zu machen. Sie schaffen es, jede Diskussion über Monate zu sprengen oder ansonsten vernünftige Diskussionen zu nichtssagendem Geschwafel verkommen zu lassen. Die folgenden Ausführungen über solche Trolle beruhen auf jahrelanger Beobachtung und Erfahrung sowie langem Experimentieren, was gegen sie hilft und was nicht. Solches Experimentieren ist recht einfach durchzuführen, und jeder kann das einmal selbst probieren, falls gewünscht. Man meldet sich einfach in einem Diskussionsforum an und wartet, bis ein Troll auftaucht. Keine Sorge, man wird nicht lange warten müssen, da sie sich im Internet in großer Zahl herumtreiben. Sobald du merkst, dass sich dort ein Troll ein Opfer ausgesucht hat, misch dich ein und teste verschiedene Methoden von Antworten. Sei aber darauf gefasst, dass Trolle erhebliches Geschick darin besitzen, dich fertig zu machen und dumm aussehen zu lassen. Sei auch darauf gefasst, dabei heftig angegangen zu werden. Sehr dünnhäutige Personen mit hohem Blutdruck sollten sich diese Erfahrung also vielleicht besser ersparen.

Das Internet ist ein einzigartiges Medium, in dem sich eine geradezu unglaubliche Zahl von Trollen tummelt. Der Grund dafür dürfte der sein, dass man nirgendwo anders bezüglich der eigenen Person so leicht lügen kann. Man hat die Möglichkeit zu jeder beliebigen Selbstdarstellung, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben muss, und es ist fast unmöglich, entsprechende Behauptungen zu überprüfen. Trolle, die in ihrem wirklichen Leben erkannt und entlarvt worden sind, stürzen sich deshalb begeistert auf das Internet. Zudem geht das potenzielle Publikum im Internet in die Tausende – theoretisch sogar in die Millionen. Wie befriedigend es für den Troll auch sein mag, eine heidnische Gruppe zerstört zu haben, so ist es für ihn doch ungleich aufregender, jemanden unter den Augen eines möglichen Millionenpublikums fertig machen zu können.

Auch hier ist ein Troll nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Weil das Lügen hier so einfach ist, nutzt der Troll dies, um sich auch hier als vernünftig und nett darzustellen. Und Trolle können sich bekanntlich als extrem nett verkaufen, wenn sie das als nötig erachten. Sie verwickeln ihre Opfer in Diskussionen, wobei sie so viele persönliche Informationen wie möglich sammeln, um sie in dem bevorstehenden Angriff völlig verdreht als Waffe einsetzen zu können. Und wenn der dann erfolgt, können sie sich als äußerst bösartig und hartnäckig erweisen.

Ein Troll wird alle Äußerungen seines Opfers bewusst missverstehen und verdrehen. Wenn er sich bei einem seiner Angriffe mit vernünftigen Fragen und berechtigten Entgegnungen konfrontiert sieht, wird er entweder den Beleidigten spielen oder diese Antworten schlicht ignorieren. Vor allem aber wird ihn das nicht davon abhalten, sein Opfer auch weiterhin auf übelste Art zu attackieren. Weist man auf Widersprüche in den Darstellungen des Trolls hin und bittet um Erklärung, wird er darauf überhaupt nicht eingehen oder sich auf einen neuen Punkt konzentrieren, den er an dir zu kritisieren hat. Weist man auf die beleidigenden Inhalte der Beiträge des Trolls hin, wird er sofort den Ton wechseln, sich darüber beschweren, dass in Wirklichkeit du es doch seiest, der sich ihm gegenüber boshaft verhalte, und alles versuchen, sich nun selbst als unschuldiges Opfer darzustellen. Darin sind Trolle sehr gut.

Notfalls stürzen sich Trolle auch auf völlig irrelevante Details wie Tipp- und Grammatikfehler, einen falsch benutzten Begriff – auf alles, was nichts mit dem tatsächlichen Thema zu tun hat, um mit diesem Trick von Entgegnungen gegen sie abzulenken und darauf nicht antworten zu müssen. Dabei beschuldigen sie andere durchweg der Unvernunft, Intoleranz und „mangelnder Erleuchtung“, und glatte Beschimpfungen werden dazu eingesetzt, um von den oft berechtigten Gegenargumenten ihrer Opfer abzulenken. Dabei ist der Lieblingsvorwurf von Trollen, man würde auf einer „einzig möglichen und allein selig machenden Wahrheit“ bestehen. Dieser Vorwurf ist eines der sichersten Anzeichen dafür, dass man es mit einem Online-Troll zu tun hat.

Wie also geht man damit um? Das Ziel des Online-Trolls besteht darin, dass du dich bedroht und erniedrigt fühlst. Wenn du auf dieselbe Art zurückschlägst, ist das für den Troll das Beste, was du überhaupt machen kannst. Der Troll will nämlich vor allem im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und dabei gleichzeitig möglichst viel Schaden anrichten. Man erinnere sich: Trolle brauchen den Streit so nötig wie andere ihr täglich Brot. Schlägt man also auf selbe Art zurück, dann macht man dem Troll damit nur klar, dass seine Strategie bestens funktioniert hat. Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – selbst wenn die in Zorn und Ablehnung besteht – vermitteln dem Troll das Gefühl von Bestätigung und Anerkennung, und das fühlt sich für ihn auch dann noch viel besser an, als wenn er einfach ignoriert würde. Und wenn es ihm gelingt, Menschen tatsächlich zu verletzen, verschafft ihm das ein Gefühl von Macht und Einfluss.

Und wie reagiert man nun auf solche Angriffe? Zunächst einmal das Wichtigste: Mach dir klar, dass der Troll nicht die Macht hat, dir wirklich schaden zu können. Angriffe eines Trolls sind durch sein Gefühl von Hilflosigkeit und Angst motiviert. Und diese Gefühle will er dadurch auch in dir erzeugen. Ob du das aber zuzulassen gewillt bist, das liegt ausschließlich bei dir, nicht jedoch in der Macht des Trolls.

Es ist sehr schwer, dafür ein einfaches Universalrezept vermitteln zu wollen. Die folgenden Ratschläge stellen zwar gute grundsätzliche Hilfen dar, sind aber nicht in jedem Einzelfall gleichermaßen anwendbar. Man sollte dabei von sich selbst auch nicht erwarten, immer perfekt reagieren zu müssen. Wir sind schließlich alle nur Menschen. Zuweilen antwortet man eben voller Wut oder Frust, und oft sind die Anschuldigungen des Trolls so haarsträubend, dass man auch gar nicht anders kann, als darauf sofort zu reagieren. Das soll man auch gerne machen, danach aber sollte man alles tun, um sich wieder zu zentrieren und zu erden. (Eine sehr hilfreiche Technik besteht darin, die Antwort vor dem Absenden einen Tag lang liegen zu lassen und sie dann nochmals daraufhin zu prüfen, ob sie auch wirklich das enthält, was man sagen wollte. Aber nicht viele besitzen immer diese Selbstkontrolle, auch ich nicht.)

Wird man öffentlich angegriffen, ist es nur zu verständlich, dass man sich dagegen verteidigen will und sich Sorgen darüber macht, was andere nun wohl über einen denken könnten. Aber gerade im Zorn reagiert man oft zu vorschnell. Dabei sollte man nämlich bedenken, dass das, was einem bei solchen Angriffen selbst als irrational und verleumderisch aufstößt, auf alle anderen vernünftigen Menschen ganz genauso wirkt. Die Irrationalität der Angriffe eines Trolls – wenn er z.B. einen anderen Heiden als Inquisitor bezeichnet – wird auch allen anderen als völlig überzogen und verfehlt auffallen. Es besteht keine Notwendigkeit, sich gegen solche absurden Vorwürfe verteidigen zu müssen. Regt man sich über solch offensichtlichen Unsinn öffentlich auf, gerät das sogar eher selbst in die Nähe des Irrationalen. Schlichte Beleidigungen sollte man einfach ignorieren. Wenn man sich dauernd Sorgen darüber macht, was andere Menschen deshalb über einen denken könnten, sollte man sich auch klarmachen, dass man umso unbeschädigter daraus hervorgeht, je weniger man sich selbst auf die Troll-Ebene von Verleumdungen und Beleidigungen herabziehen lässt. Und das wiederum lässt den Troll ziemlich dumm dastehen, was ihn seiner größten Kraft beraubt.

Wenn ein Troll all deine Äußerungen bewusst missdeutet oder von dir geäußerte Meinungen völlig verdreht, sollte man darauf reagieren? Das hängt von der Art des Diskussionsforums ab. Wenn dessen Mitglieder erfahrene und belesene Heiden sind, besteht die beste Weise des Umgangs mit Trollen darin, sie völlig zu ignorieren. Stelle in klaren und deutlichen Worten deine Position dar und gehe auf jegliche Verdrehungen durch den Troll gar nicht erst ein. Dessen absurde Verdrehungen müssen schließlich auch allen anderen auffallen, und schon allein deswegen erübrigen sich detaillierte Widerlegungsversuche. Man will schließlich nicht in eine vermeintlich argumentative Debatte mit einem Troll verwickelt werden, dem es dabei nur darum geht, dein Selbstbewusstsein und deine Selbstachtung zu untergraben. In solch einem Diskussionsforum darfst du auch auf Unterstützung durch andere User hoffen, und dann solltest du eher auf deren berechtigte Reaktionen eingehen als auf die Ausführungen des Trolls.

In einem Forum allerdings, in dem das Bildungsniveau allgemein gering und der Ton dementsprechend ist, kann sich die Situation anders darstellen. Dort ist niemand in der Lage, dem Thema inhaltlich in all seinen Verästelungen oder wissenschaftlichen Literaturhinweisen folgen zu können, weshalb man dort allzu leicht auf die Behauptungen von Trollen hereinfällt. In einem solchen Umfeld sollte man durchaus auf den Troll einzugehen versuchen, sich dabei aber immer eines ruhigen und vernünftigen Tones bedienen. Man beziehe sich dabei ausschließlich auf sachliche Argumente, nicht auf Beschimpfungen und Verleumdungen, die nur dazu gedacht waren, einen in Zorn zu versetzen. Je vernünftiger man selbst dabei argumentiert, um so weniger vernünftig wird der Troll dastehen – und seine Argumente genauso wenig.

Der Troll will, dass du in Zorn gerätst, weil du dich verletzt fühlst und dich zu verteidigen versuchst. Wenn du diese Erwartungen des Trolls kontinuierlich verweigerst, wird er schließlich enttäuscht verschwinden, um sich hoffnungsvolleren Opfern zuzuwenden. Behalte dabei in jedem Fall einen höflichen Ton, stelle höfliche Fragen und weise höflich auf logische Fehler in den Verdrehungen des Trolls hin. Die Unfähigkeit des Trolls, darauf vernünftig und überzeugend reagieren zu können, wird auch allen anderen denkenden Menschen dort auffallen, ebenso wie die Neigung des Trolls, Höflichkeit mit Beleidigungen, Vernunft mit Verzerrungen und Zurückhaltung mit Aggressivität zu begegnen. Dadurch stellt sich der Troll selbst kalt, ohne dass du noch besonders dazu beitragen müsstest.

Das Problem bei dieser Taktik besteht darin, dass Trolle – und vor allem Online-Trolle – manchmal Anhänger und Sekundanten um sich zu scharen vermögen. Wenn ein Troll in einer Auseinandersetzung sein Gesicht zu verlieren beginnt, springen diese Sekundanten ein und beklagen, wie hässlich und gemein du dich dem Troll gegenüber doch verhalten hättest. Den Unterschied zwischen solchen Sekundanten und Menschen, die jemand anderen aufrichtig gegen unfaire Angriffe verteidigen, liegt im Ton: Sekundanten sind dabei gehässig und grob, während aufrichtige Verteidiger zwar ebenfalls deutliche Worte finden können, aber ihrerseits nicht auf Beschimpfungen zurückgreifen müssen. Wenn diese Sekundanten auftauchen, ist es an der Zeit, sich zurückzuziehen. Für den Moment hast du gewonnen, denn der Auftritt der Sekundanten macht dir klar, wie absurd und hilflos der Troll allen nun erscheint (andernfalls müssten die Sekundanten nicht zu seiner Verteidigung einspringen). Wenn man jetzt noch weiter nachstößt, könnte einem das auch von anderen negativ ausgelegt werden. Außerdem dürften die meisten Mitlesenden zu diesem Zeitpunkt von dem Thread schon gelangweilt genug sein. Vor allem darf man bei all dem nie den Humor verlieren. Ein Troll ist schließlich nichts weiter als ein Troll. Wenn du deutlich machst, dass du seine Beleidigungen nicht ernst nimmst, werden die meisten anderen Teilnehmer das auch nicht tun.

* * *

Teil 7: Nach dem Auschluss eines Trolls

In dieser Artikelreihe habe ich die Gefahren beschrieben, die von Trollen ausgehen, wie man sie erkennt, wie man sich gegen sie wehren kann und welche Maßnahmen dabei funktionieren und welche nicht. In diesem letzten Teil möchte ich einige abschließende und zusammenfassende Gedanken äußern, aber auch darauf eingehen, welche Gefahren von einem Troll auch dann noch ausgehen können, wenn man bereits davon überzeugt ist, ihn glücklich losgeworden zu sein.

Der grundsätzliche Umgang mit Trollen. Eine Zusammenfassung.

Rein theoretisch ist der Umgang mit Trollen ganz einfach: Lerne, wie man Trolle erkennt. Wenn man erst einmal davon überzeugt ist, dass es sich bei einer Person um einen Troll handelt, sollte man sofort entschlossen handeln. Die zwei wichtigsten Grundsätze:

1. Wenn man Trolle schon im Vorfeld erkennt, darf man sie nicht in die eigene Gruppe aufnehmen.

2. Wenn sie einen überlisten können und es ihnen gelingt, sich einzuschleichen, sind sie sofort auszuschließen, sobald man ihre wahre Natur erkannt hat.

Wenn jemand Verhaltensweisen eines Trolls aufweist, gehe im Geist alle Trolle durch, denen du bisher begegnet bist, wie deine Kommunikation mit ihnen verlief und welche Troll-Strategien sie angewandt haben. Schau noch einmal in den früheren Teilen dieser Artikelserie nach, woran man Trolle erkennen kann und welcher Strategien sie sich bedienen. Wenn du davon überzeugt bist, dass es sich bei einer Person, die bei euch Mitglied werden möchte, um einen Troll handelt, sage dieser Person: „Unsere Gruppe ist keine gute Wahl für dich. Das Heidentum ist ein weites Feld. Ich bin sicher, du wirst eine andere Gruppe finden, die besser zu dir passt.“ Sollte die Person bereits Mitglied sein, benutze dieselben Worte und füge hinzu: „Um das klar zu machen: Du bist hiermit nicht länger Mitglied unserer Gruppe.“

Sei selbstsicher und äußere das kurz und bündig. Es gibt keinen Grund, dabei sarkastisch, hämisch oder herzlos zu sein. Dessen wird der Troll dich danach wahrscheinlich sowieso bezichtigen, aber du selbst bist dir des Unterschiedes zwischen Entschlossenheit und Herzlosigkeit bewusst, also sei dabei nicht zögerlich. Selbstsicheres und entschlossenes Auftreten machen dem Troll auch klar, dass du keine Angst vor ihm hast und davon überzeugt bist, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Genau wie Wachhunde können auch Trolle Angst auf hundert Meter riechen und werden versuchen, deine eigene Angst und Unsicherheit auszunutzen, um dich zu verunsichern und einzuschüchtern. In dieser Situation gibt es keinen Grund zu zögern. Du weißt, was zu tun ist, und bist in der Lage, das auch zu tun.

Lass dich nicht dazu hinreißen, Verständnis oder Nachsicht zu zeigen. Kleide deine Worte nicht in höfliche Umschreibungen. Sei nicht hintergründig oder spitzfindig – Hintergründigkeit wird von Trollen nach Belieben missverstanden und verdreht. Der Troll wird natürlich eine Begründung oder Erklärung verlangen. Fang jetzt nicht an, ihm die Gründe aufzuzählen, weil das sofort zu einer Fülle von Ausreden, Irreführungen, Mitleid erregenden Lügen, Gejammer über seine Opferrolle und Vorträgen über unterschiedliche Sichtweisen führt. Wiederhole stattdessen einfach: „Unsere Gruppe ist keine gute Wahl für dich. Das Heidentum ist ein weites Feld. Ich bin sicher, du wirst eine andere Gruppe finden, die besser zu dir passt. Du bist hiermit nicht länger Mitglied unserer Gruppe.“

Dann bestehe darauf, dass sich der Troll nicht mehr blicken lässt. Versuche in der Folgezeit nicht, deine Probleme mit dem Troll „beizulegen“. Arbeite nicht darauf hin, dass er dich wieder „leiden“ mag. Gib ihm keinerlei Erklärungen für deine Entscheidung. Allgemein sollte man ausgeschlossene Trolle ab diesem Moment so behandeln, als würden sie nicht existieren.

Danach noch eine Verbindung mit dem Troll zu haben oder ihm gar zu erlauben, weiteren Kontakt mit dir oder den anderen Mitgliedern aufrecht zu erhalten, wird von ihm als Schwäche ausgelegt werden. Das wird von einem Troll als klare Einladung und als Gelegenheit dazu verstanden, sein manipulatives und zersetzendes Verhalten zu wiederholen oder fortzusetzen. Entschlossen jeden Kontakt abzubrechen macht dem Troll vielmehr klar, dass du selbst keine Trollspielchen betreibst und dich auch in keine hineinziehen lässt. Es macht deutlich, dass du nicht bereit bist, dich manipulieren oder in eine verängstigte Verteidigungsposition drängen zu lassen.

Antworte nicht auf Briefe oder Anrufe eines ausgeschlossenen Trolls. Das bringt einfach nichts. Wenn der Troll dich anruft und auch erreicht, solltest du allerdings nicht sofort wortlos wieder auflegen, denn das kann wiederum als Angst interpretiert werden und wird zu Verleumdungen führen, du seiest unhöflich oder Schlimmeres. Auch hier sollte man selbstsicher und bestimmt sein – und gänzlich unaufgeregt.

Lege dir ein paar ganz einfache Sätze zurecht, die du dir so lange vorsagst, bis du sie im Schlaf beherrschst, bestimmt und ruhig: „Unser Kontakt ist beendet. Wir haben nichts mehr zu bereden.“ Wenn der Troll fragt, ob er dich zu einer besser passenden Zeit anrufen soll, antworte ihm: „Unser Kontakt ist beendet. Wir haben nichts mehr zu bereden.“ Wenn er dich fragt, warum du so hart und herzlos seiest, antworte ihm: „Unser Kontakt ist beendet. Wir haben nichts mehr zu bereden.“ Wenn er dich irgend etwas anderes fragt, z.B. wie es dir denn so geht oder ob du den neuesten James-Bond-Film schon gesehen hättest, antworte ihm: „Unser Kontakt ist beendet. Wir haben nichts mehr zu bereden.“ Dann füge hinzu: „Ich bin momentan sehr beschäftigt, deshalb lege ich jetzt auf. Auf Wiederhören.“ Dann lege auf. Du musst nicht abwarten, bis der Troll „Auf Wiederhören“ sagt, von sich aus wird er das nämlich kaum tun. Dabei ist das Wort „Kontakt“ viel besser als „Beziehung“ oder „Verbindung“. Sage nicht: „Unsere Beziehung ist beendet.“ Du willst dem Troll schließlich keine Gelegenheit dazu bieten, die intimeren Aspekte des Begriffes einer „vormaligen Beziehung“ verdrehen zu können. „Kontakt“ ist ein viel neutralerer Begriff, unpersönlicher, weniger intim. Deine ehemaligen Verbindungen zu dem Troll lediglich als „Kontakt“ zu bezeichnen, lässt ihn vielleicht erst einmal eine Pause einlegen.

Wie schon erwähnt, funktioniert ein solch hartes und kompromissloses, aber dennoch sehr einfaches Vorgehen leider nur in kleinen Gruppen, nicht aber in großen Vereinen mit einer Satzung. Hier kann man tatsächlich nur auf die in Teil 5 beschriebenen aufwändigen Prozeduren zurückgreifen.

Mögliche Folgen im Internet

Beantworte auch keine E-Mails von Trollen. Vor allem aber versuche zu vermeiden, dass dich ein ausgeschlossener Troll in Online-Diskussionen auf Mailinglisten oder Internetforen verwickelt. Wenn ein Troll dich im wirklichen Leben angegriffen hat, wird er das mit noch größerer Wahrscheinlichkeit auch online versuchen, wo er das vor einem riesigen Publikum durchziehen kann. Seine ersten an dich gerichteten Postings werden wahrscheinlich noch höflich formuliert sein oder vielleicht sogar interessant klingen, vielleicht auch in Form einer ganz sachlichen Frage. Das könnte dich zu der Vorstellung verführen, der Troll habe sich geändert und würde sich zumindest auf öffentlicher Bühne wieder zivil benehmen. Lass dich nicht täuschen! Der Troll wird dich durch einige höflich formulierte Beiträge zu Äußerungen bringen, die er für neue Angriffe gegen dich verdrehen kann. Trolle sind unglaublich hartnäckig. Sie werden sich wieder auf dich stürzen, sobald du ihnen die Tür auch nur einen Spalt weit öffnest, und das Internet ist ein viel zu attraktiver Ort für sie, um es nicht zu nutzen.

Wenn dich ein ausgeschlossener Troll öffentlich im Internet kontaktiert, hat man keine wirklich guten Karten. Die beste Reaktion besteht wahrscheinlich darin, das einfach zu ignorieren. Tu einfach so, als gebe es sein Posting gar nicht. Online-Diskussionen schreiten so schnell voran, dass einzelne Beiträge schnell in Vergessenheit geraten. Wenn der Troll nicht in seinen Versuchen nachlässt, dich dort in eine Diskussion verwickeln zu wollen, ignoriere das auch weiterhin. Jede öffentliche Entgegnung an ihn wird nur dem Troll in die Hände spielen.

Wenn dich ein anderer Teilnehmer fragt, warum du auf die Anfragen nicht eingehst, kannst du ihm das in einer Privatmail erklären, indem du z.B. schreibst: „Ich ziehe es vor, auf Kontaktversuche eines bei uns ausgeschlossenen Mitgliedes lieber nicht zu antworten.“ Man darf nämlich nicht davon ausgehen, dass die Teilnehmer auf heidnischen Listen und Foren mit den Gefahren und Techniken von Trollen vertraut sind. Wenn du das also öffentlich zu erklären versuchst, wird das mit Sicherheit von den meisten anderen als willkürlicher Angriff auf den armen Troll verstanden werden, und der Troll wird das sofort nutzen, um dich als gemein, boshaft und nachtragend hinzustellen. Solange das Wissen um die Existenz von Trollen, um ihre Techniken, Natur und Erkennungsmerkmale im Heidentum nicht allgemein bekannt ist, wird man wenig Erfolg damit haben, die wahre Sachlage glaubhaft und überzeugend erklären zu wollen. Je nach Ton und Niveau des entsprechenden Forums sollte man sich auf eine kurze und einfache öffentliche Reaktion beschränken, die z.B. so aussehen könnte: „Wir hatten in der Vergangenheit ein paar persönliche Probleme miteinander, und ich möchte nur sicherstellen, dass die jetzt nicht hier in dieses Forum hineingetragen werden.“ Natürlich mag man es auch mit einer deutlicheren Reaktion versuchen, aber je heftiger deine Reaktion ausfallen wird, umso mehr Staub wird sie auch aufwirbeln, deshalb sollte man dabei die anderen Teilnehmer gut einschätzen können, und hoffen, dass die meisten auch dich selbst kennen. Jedenfalls sollte man die Antwort kurz und einfach abfassen und sie so enden lassen: „Das ist alles, was ich öffentlich dazu sagen möchte.“

Trolle werden im Internet hässliche und falsche Dinge über dich und über das verbreiten, was sie von dir, von deiner Gruppe oder deinem Verein angeblich erleiden mussten. Tu dein Bestes, um das zu ignorieren. Alle, die dich kennen, werden diese Behauptungen als Lügen erkennen. Wenn man sich online in eine Diskussion darüber ziehen lässt, muss man sich zwangsläufig verteidigen, was der Troll als Schwäche ausnutzen und entsprechend verwerten wird.

Ausgeschlossene Trolle werden alles, was sie bei euch gelernt haben, dazu nutzen, sich anderweitig beliebt zu machen und Anerkennung zu gewinnen. Sie werden sich als liebenswerte, aufrichtige, kenntnisreiche, hilfsbereite und überhaupt als rundum ganz wundervolle Menschen darstellen. So gelingt es ihnen, online eine gewisse Anhängerschaft um sich zu scharen, die große Stücke auf sie hält, ohne sie jemals persönlich kennenzulernen. Es ist eine extrem gallenbittere Erfahrung, mitansehen zu müssen, wie Trolle munter und vergnügt im Internet auftreten und durch Einsatz ihrer wirkungsvollsten Trollstrategien dort Anhänger und Anerkennung finden, während du einer der Wenigen bist, die ihre wahre Natur kennen. Es gibt leider kaum etwas, was man dagegen tun könnte. Dies mag sogar die schlimmste Erfahrung sein, die man nach erfolgreicher Abwehr des Trolls in der Zeit danach erdulden muss. Betrachte den Troll einfach als Seuche, die deine Gruppe heimgesucht hat und die leider anderswo erneut auftreten wird, eine unpersönliche Macht, der man keinen Einhalt gebieten kann und gegen die es keinen wirklichen Schutz gibt. Betrachte all das als potenzielle Lernmöglichkeit für die Leute, die dem Troll künftig zum Opfer fallen werden.

Versuche erneuter Kontaktaufnahme

Auch noch gehörige Zeit danach kann es passieren, dass der ausgeschlossene Troll dich anruft, um dich um Hilfe zu bitten. Diese Bitte um Hilfe kann sich auf alles Mögliche beziehen, von den alltäglichsten bis hin zu okkultesten Angelegenheiten. Der Troll könnte in Geldschwierigkeiten sein, überzeugt davon, Ziel eines magischen Angriffs zu sein oder sich gerade wieder in heftigem Streit mit jemand anderem befinden. Du willst das aber gar nicht genauer wissen, und du wirst dich auch nicht wirklich wieder mit ihm einlassen wollen. Es liegt nicht in deiner Verantwortung, dem Troll aus irgendwelchen Schwierigkeiten heraushelfen zu müssen. Das würde in dem Troll auch keineswegs Gefühle von Dankbarkeit oder Verbundenheit erwecken. Es würde ihn auch nicht davon überzeugen, dass du doch kein so schlechter Mensch seiest. Die einzige Folge wäre die, dass du dich wieder in seinen Fallstricken verfängst und damit abermals Opfer seines manipulativen Verhaltens wirst.

Dabei wird der Troll in dir Schuldgefühle zu erwecken versuchen: „Ich weiß, dass wir damals ein Problem miteinander hatten. Aber jetzt brauche ich wirklich Hilfe. Können wir diese kleinlichen Differenzen nicht einmal beiseite lassen?“ Oder: „Das ist doch schon ewig lange her. Können wir etwas, das so lange zurückliegt, nicht endlich einmal begraben?“ Oder: „Weißt du, so am eigenen Zorn festzuhalten, ist ziemlich krank. Kannst du darüber nicht hinauswachsen?“ Nun magst du denken, dass Menschen sich ja ändern können. Aber solange du keine sehr konkreten Hinweise auf das Gegenteil hast, denk daran, dass Trolle sich im Allgemeinen nicht ändern, jedenfalls nicht ohne radikalen Anlass und intensive Therapie. Und wäre das in diesem Fall erfolgt, hättest du wahrscheinlich davon gehört. Die richtige Antwort an den Troll muss also lauten: „Ich richte meine Kraft nun auf die lohnenswerten und wichtigen Dinge. Unser Kontakt ist beendet. Ich bin sicher, du wirst das, was du brauchst, anderswo finden.“ Der Troll mag nun entgegnen: „Aber nein, du bist der Einzige, an den ich mich wenden kann.“ Dann geht er auf deine Fähigkeiten und dein Wissen ein oder auf was auch immer, wovon er denkt, es würde dir schmeicheln. Du antwortest: „Ich richte meine Kräfte nun auf die lohnenswerten und wichtigen Dinge. Unser Kontakt ist beendet. Ich bin sicher, du wirst das, was du brauchst, anderswo finden.“ Dann füge hinzu: „Ich bin momentan sehr beschäftigt, deshalb lege ich jetzt auf. Auf Wiederhören.“ Dann lege auf.

Verständlicherweise scheuen sich die meisten Menschen, so hart und abweisend zu reagieren. Aber Höflichkeit und Anteilnahme sind bei einem Troll verschwendet und würden nur wieder gegen dich verwendet, um das Gespräch in der Hoffnung in Gang zu halten, dich abermals manipulieren zu können. Man erinnere sich: Alle natürlichen Dinge sollten ihrem Wesen gemäß behandelt werden. Man hält einen Wellensittich nicht im Aquarium und versucht einen Goldfisch nicht auf einer Vogelstange balancieren zu lassen. Einem Troll gegenüber Höflichkeit und Anteilnahme zu zeigen ist aber so, als wollte man einen Goldfisch in einem Vogelkäfig halten. Genauso wenig würdest du einen Waschbären zu dir in die Wohnung lassen, egal wie niedlich und süß er auch aussieht und dich anschaut. Waschbären haben ein sehr kräftiges Gebiss, sind stets übellaunig und völlig unzähmbar, und sie werden keinerlei Dankbarkeit für deine Gastfreundschaft zeigen. Waschbären unterscheiden sich eigentlich gar nicht so sehr von Trollen.

Den Troll überleben

Jemand hat einmal gesagt: „Die beste Rache ist ein gut gelebtes eigenes Leben“. Das Schlimmste, was man einem Troll antun kann, besteht in einem langen und glücklichen Leben, dem der Troll auch mit all seiner Anstrengung nicht beikommen kann. Das hasst er. Aber natürlich bleibt man dabei nicht unbeschädigt. Jede Erfahrung im eigenen Leben formt uns, schärft das Bewusstsein und die Art und Weise, wie wir auf die Welt um uns reagieren. Man kann nicht verhindern, dass der boshafte und irrationale Angriff eines Trolls bei einem selbst schlimme Narben hinterlässt. Man kann allerdings entscheiden, wie man mit dieser Erfahrung umgeht.

Von Nietzsche stammt das berühmte Wort: „Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch stärker.“ Und darin liegt mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Selbst schmerzhafteste Lektionen bleiben immer noch Lektionen, und einige der schmerzhaftesten sind auch die wertvollsten. Wir bezeichnen unser Heidentum als Erfahrungsreligion, und deshalb sollten wir gerade aus Erfahrungen auch zu lernen vermögen.

Die Natur ist nicht immer idyllisch, harmonisch und wohltätig. Fragt ein Reh, das keinen Ausweg aus einem Waldbrand mehr findet. Die Natur ist auch nicht beherrschbar. Fragt einen Bauern, dem der Hagel oder eine Dürre die Ernte zerstört hat. Und einige schmerzhafte Tatsachen lassen sich nicht ändern. Fragt jemanden, der seinen geliebten Partner viel zu früh durch den Tod verloren hat.

Wie sollte man also mit dem Trollproblem umgehen? Man sollte es nutzen, um die eigene Gemeinschaft zu festigen und um ein Netzwerk aus vertrauenswürdigen Menschen aufzubauen. Man sollte es nutzen, um heidnische Vereine möglichst schnell durch die Einführung von Regeln zu stärken, durch die sie flexibler, unbürokratischer und somit wirkungsvoller gegen Trolle in den eigenen Reihen vorgehen können. Man sollte es nutzen, um selbst zu einer größeren Gelassenheit und zu einer Akzeptanz der Welt zu gelangen, wie sie nun einmal ist. Wenn man mit einem Troll zu tun hat, sollte man von Freunden und Liebsten alle Hilfe annehmen, die sie geben können. Ruf die Gottheiten an und lass dich von ihrer warmen Freundschaft umschließen. Und wenn ein Freund Opfer eines Trollangriffs wird, steh ihm bei.

In gewisser Weise erfüllen Trolle sogar einen wertvollen Zweck („Jedes Ökosystem braucht seine Maden“). Sie erinnern uns daran, dass auch wir Heiden nicht alles ändern können, wir nicht alle Aspekte der Welt kontrollieren können und dass einige Seiten des Lebens sehr schmerzhaft sein können. Aber manchen Schmerz muss man eben einfach ertragen. Trolle sind eine Gelegenheit, trotz Hindernissen zu lernen und zu wachsen – oder nein, gerade an diesen Hindernissen zu wachsen. Sie sind eine Gelegenheit, nicht nur die schöpferischen, sondern auch die zerstörerischen Aspekte der Gottheiten zu akzeptieren. Sie erinnern uns an die Möglichkeit, uns auf die Kraft unserer Freunde und Liebsten stützen zu können, wie auch auf die Kraft und Stärke, die wir von den Göttern erbitten können. So gesehen hat die Existenz von Trollen also auch eine positive Seite. Das heißt aber nicht, dass man sich mit ihnen auch einlassen müsste.

Damit sind wir am Ende dieser Artikelserie angelangt. Es ließe sich noch weit mehr über die verschiedenen Techniken sagen, mit Hilfe derer man Trolle erkennen und in ihre Schranken weisen kann. Andere altgediente Heiden mögen ihre ganz eigenen Methoden dafür entwickelt haben. Hier liegt ein weiterer möglicher Vorteil von Netzwerken und vereinsübergreifender Zusammenarbeit: die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches gerade zu diesem wichtigen Thema. Redet darüber und tauscht euch aus. Ihr werdet froh darüber sein, das getan zu haben, wenn ihr das nächste Mal mit einem Troll zu tun habt.

Copyright (c) 2002 David Petterson
Übersetzung aus dem Englischen von Kurt Oertel

Erschienen in 7 Teilen, 2009-11, in den Ausgaben 24-26, 28, 30-32 der Herdfeuer