Neue Artikelsammlung online

In den vergangenen Tagen ist der Webauftritt des Eldarings um einen wichtigen Schatz bereichert worden: Aus anderthalb Jahrzehnten Herdfeuer seit dem Jahr 2003 wurden fast 100 Artikel – auch von längst vergriffenen Printausgaben – wiederbeschafft, gesichtet und davon knapp 30 hochwertige Artikel ausgewählt, durchgesehen, teils aktualisiert und anschließend lektoriert, hochgeladen und formatiert. Diese umgerechnet knapp 300 DIN A4-Seiten stehen euch nun in unserer neuen Artikelübersicht zur Verfügung: zur Artikelübersicht.

Doch dies ist erst der erste Streich. Im Hintergrund werden aktuell noch weitere Artikel vorbereitet, die in naher Zukunft Stück für Stück bearbeitet und hochgeladen werden.

Besonderer Dank gelten Hermann Ritter für das mühselige Sammeln der Artikel, unserem Bewahrer Kurt Oertel für die komplette Durchsicht, Sortierung und Nachbearbeitung sowie Carsten Dahlmann für die Online-Formatierung und das Lektorat – sowie natürlich allen Autoren, die diese großartigen Artikel einst verfasst haben.

Ahnen-Stellwerk zum I. Weltkrieg

Ein systemisch-schamanisches Aufstellungsritual auf dem Eldathing 2014 in Borgwedel

von Petra Bolte

Widmung

Meinen Urgroßeltern Hermann und Johanne Diekhöner.

Danksagung

Mein Dank gilt Elke Bachmann-Tigges, einer ebenso begnadeten wie bescheidenen Familienaufstellerin und meiner Freundin Rena Brummer, die mich zu ihr geschickt hat.

Einführung

Das Jahr 2014 stand im Zeichen des Erinnerns an den Ausbruch des I. Weltkriegs vor 100 Jahren, in 1914. Dokumentationen im Fernsehen, Museumsausstellungen und einschlägige Buchveröffentlichen halten das Thema gegenwärtig.

Doch was mir das Thema wirklich nahebrachte, war ein Lied: „The green fields of France“ in der Version von den Dropkick Murphys. Der Originaltitel heißt „No Mans’s Land“ von Eric McBogle1. Es gibt auch eine deutsche Fassung von Hannes Wader: „Es ist an der Zeit“. Das Lied handelt von einem jungen Soldaten, der im I. Weltkrieg in Frankreich fällt. Auch mein Urgroßvater fiel als junger Mann vor Verdun, Frankreich, sein Tod ein sinnloses Opfer. Sein Name steht neben den unzähligen anderen Namen gefallener Soldaten des I. Weltkriegs auf einer Steintafel in einer verborgenen Ecke des Münsters in meiner Heimatstadt. Meine Urgroßmutter war da gerade mit dem 4. Kind schwanger. Sie wuchs über sich hinaus, ernährte allein ihre 4 Kinder und erzog sie zu ordentlichen Menschen. Sie war eine Heldin!

Aber das war nichts Besonderes, der I. Weltkrieg erschütterte die Leben sehr, sehr vieler Menschen, brachte Hunger, Elend, Armut, Sterben, Zerstörung. Kaum eine Familie blieb ohne Tote. Einigen wenigen brachte der I. Weltkrieg aber auch Ruhm und Reichtum.

Das Thema ließ mich nicht los. Nach einer Fortbildung bei dem renommierten systemischen Psychologen Daan van Kampenhout, der Schamanismus mit Techniken der Familienaufstellung verbindet,2 beschlossen Hermann und ich, ein Ritual für das Ahnenfeld der Zeit des I. Weltkriegs zu konzipieren und dafür die Unterstützung unseres germanischen Pantheons zu erbitten. Angeboten haben wir dieses Ritual dann unter dem Titel Ahnen-Stellwerk zum I. Weltkrieg – ein systemisch-schamanisches Aufstellungsritual auf dem Eldathing 2014 in Borgwedel bei Schleswig.

„Ahnen-Stellwerk zum I. Weltkrieg“ weiterlesen

Thorri und das Thorrablót

von Gunivortus Goos

Wer dem Titel zu entnehmen glaubt, dass dieser Beitrag von dem nordischen Gott Thor (altnordisch: Þórr) handelt, unterliegt einem Irrtum. Thorri bezieht sich auf eine andere Gestalt der nordischen Mythologie. Aber wer dieser Thorri (altnordisch: Þorri) nun eigentlich war, ist nicht sicher geklärt, die alten Quellen sind darüber leider nicht eindeutig und gleicher Ansicht. Nach der Orkneyinga Saga aus dem 13. Jahrhundert war Thorri der König eines frühen Königreichs in Norwegen. Aus historischer Sicht gibt es dafür keine Belege, es gehört deshalb auch wohl zur Mythologie, so wie das vermutlich auch bei dem dänischen König Rolf Krake (altnordisch: Hrólfr Kraki) der Fall ist.

„Thorri und das Thorrablót“ weiterlesen

Mythen der Alpen: Perchten, Klausen, Krampusse – modernes Brauchtum und die Wilde Jagd

von Uwe Ehrenhöfer

Toaset wie dös wildescht Meer,
röahret vürse, hindre!
S ischt im Gai huit s Müetes Heer
ka kui Rüeh it finde!

(nach Toni Gaßner-Wechs 1939)

Übersetzung aus dem Allgäuer Dialekt:
Toset wie das wilde Meer, röhrt von vorne und hinten.
Es ist im Land heut’ Wotans Heer, kann keine Ruhe finden.

Historischer Perchtenlauf
Historischer Perchtenlauf. Darstellung aus dem 19. Jahrhundert.

Erlebnisse eines Winters

Schladming / Österreich, am 27.11.2010:

Der Innenort dieses hauptsächlich vom Wintertourismus und der Nähe zum Dachsteinmassiv lebenden Örtchens kann in einem zehnminütigen Spaziergang durchschritten werden, der bei der örtlichen Brauerei beginnt und an den Bergbahnen und der „Tenne“ endet, einem fürchterlichen Restaurations- und Diskobunker im Pseudoalpinen Stil. Ab 18 Uhr an diesem Abend finden sich allmählich 40.000 Besucher ein und sammeln sich um die Hauptstraße, die durch metallene Absperrgitter gesichert ist. Der Innenort ist abgedunkelt, als sich zum Klang von hämmerndem Metal um 20 Uhr eine erste Gruppe wahrhaft „höllisch“ anmutender, in dunkles Fell gekleideter Gestalten durch die Umzugsgasse zu bewegen beginnt. In ihrem Schlepptau führen sie eiserne Karren mit gusseisernen Kesseln und darin flackerndem Feuer mit sich, ihre Masken sind wüste, aus Holz geschnitzte Fratzen mit großen, minotaurisch anmutenden Hörnern – und das ist nur der Anfang eines insgesamt tausend Larven zählenden Aufzuges aus wilden, dämonischen Gestalten, die teilweise auf bocksfußartigen Stelzen laufen und von denen die größten mit Hörnern deutlich über drei Meter hoch aufragen. Wenn einer aus dem Publikum unverschämt wird, dann springen die Krampusse drohend gegen das Geländer, und besonders ungebührliches Verhalten wird mit Schlägen von Weidenruten oder mit aus Tierschwänzen bestehenden Peitschen gestraft. Eine folgende Gruppe trägt silberne Menschengesichter, ist aber sonst ganz in Felllumpen gekleidet, einige tragen metallene Körbe am Rücken, in denen glimmendes Holz vor sich hin raucht, das die gesamte Promenade in einen grauen Nebel hüllt und alles mit seinem durchdringenden Geruch erfüllt. Holzgeschnitzte Teufelsfratzen mit bizarr verdrehten Mäulern und Augen tauchen aus der Dunkelheit auf, untermalt vom scheppernden Klang von Kuh- und Zugschellen in einem seltsamen, durch eine spezielle Laufweise bestimmten Rhythmus. Dazwischen tauchen vereinzelt Figuren im Ornat des katholischen Heiligen Sankt Nikolaus auf, der teils von einem sennenartigen, wilden Männlein mit Stab, Kiepe und Tannenzweigen begleitet wird, teils auch von weißen und schwarzen „Engeln“. Dann werden plötzlich mehrere Rauchbomben geworfen, aus denen dichter Qualm aufsteigt, der die ganze Hauptstraße vernebelt, und aus diesem weißen Rauch tauchen in weißes Fell gekleidete, gehörnte Figuren auf, deren geschnitzte Gesichter bärtige Männer darstellen. Zu ihrem tänzelnden Schritt tragen sie rot flammende Magnesiumfackeln, was alles in ein unwirkliches, rotorangenes Licht taucht. Dazu der typische Klang aus Rufhörnern …

„Mythen der Alpen: Perchten, Klausen, Krampusse – modernes Brauchtum und die Wilde Jagd“ weiterlesen

Gab es einen altnordischen Glauben an Wiedergeburt?

Zu den historischen Hintergründen der angeblichen Quellen

von Bil Linzie
Übersetzung aus dem Englischen von Kurt Oertel

1. Einführung

Germanisches Heidentum zählt heute wieder zu den „alternativen Religionen“, und es ist zumindest unter dem Aspekt einzigartig, dass man dort unter einer Vielzahl nachtodlicher Vorstellungen wählen kann. Spätestens gegen Ende der Wikingerzeit gab es mindestens vier solcher Varianten, die in den schriftlichen Quellen dingfest gemacht werden können. Es gibt noch weitere, die sich möglicherweise aber erst nach der Bekehrung entwickelten. Dieser Artikel aber beschäftigt sich ausschließlich mit einer dieser Vorstellungen – dem immer hauptsächlich von armanisch beeinflussten Heiden postulierten Glauben an Reinkarnation bzw. Wiedergeburt bei den Germanen.

„Gab es einen altnordischen Glauben an Wiedergeburt?“ weiterlesen

Wo Odin sich Rat holt – Eine Annäherung an Mímir und Odins Auge im Brunnen

von Kurt Oertel

1. Die Quellen

Bekanntlich hat Odin eines seiner Augen als „Pfand“ in Mímirs Brunnen hinterlegt. Wofür genau dies als Pfand dienen soll, wird nirgendwo deutlich, es scheint viel mehr eher als Preis dafür verstanden zu werden, dass Odin einen Schluck aus diesem Brunnen nehmen durfte, wodurch ihm Weisheit und Wissen zuteil wurde. Nüchtern betrachtet ist das ein recht seltsamer Handel, denn welchen Gewinn oder Nutzen soll Mímir davon haben, dass Odins Auge nun in dem Brunnen ruht? Gänzlich unverständlich wird die Sache aber, wenn man dann noch erfahren muss, dass Mímir ausgerechnet „Odins Pfand“ – also sein Auge – als Trinkgefäß benutzt, Was soll das nun wieder bedeuten?

„Wo Odin sich Rat holt – Eine Annäherung an Mímir und Odins Auge im Brunnen“ weiterlesen

Der „Rheingold-Ritus“

Einführung in den Kult und die Riten der Rheingold-Blotgemeinschaft aus Köln.

von Sebastian Stein
unter Mithilfe von Hans Stucken, Günter Stienecke und der Rheingold-Blotgemeinschaft

1 Einführung

Der Eldaring-Stammtisch Köln hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einer kleinen, aber beständigen Blotgemeinschaft von ca. 12 Leuten entwickelt, die sich alle 1-2 Monate zu einem gemeinsamen Blot trifft, zumindest aber die Hauptjahresfeste miteinander feiert (Jul, Mittsommer und die beiden Tag-und-Nachtgleichen). Der Ablauf eines Blots ist in seiner Grundstruktur immer ähnlich und daher haben wir uns entschlossen dieses Grundmuster einmal schriftlich festzuhalten.

Dieser Artikel nun ist eben die schriftliche Niederlegung unseres „Rheingold-Ritus“ und soll für die Rheingold-Blotgemeinschaft zur Orientierung und in gewissen Maß auch Vorgabe sein und für alle anderen als Ansatz zum Austausch und zur Ideenfindung für die eigenen Rituale dienen. Nach einem kurzen historischen Rückblick folgen ein paar Definitionen und Vorraussetzungen, um Unklarheiten und Missverständnisse zu vermeiden. Erst dann folgt die Beschreibung des eigentlichen Blotablaufs mit Beispielen für die verschiedenen Gedichte, Lieder und Anrufungen, die während eines Blots verwendet werden können.

„Der „Rheingold-Ritus““ weiterlesen

Götterbeweise aus germanisch-heidnischer Sicht

von Gunivortus Goos

„Das Unbekannte mit dem Bekannten zu erklären, ist ein logisches Verfahren; das Bekannte mit dem Unbekannten zu erklären, ist eine Form des theologischen Irrsinns.”

Konfuzius

Nach Beweisen für die Existenz eines Gottes oder mehrerer Götter ist schon oft gesucht worden, und es wurden viele Bücher damit gefüllt, manche auf solch theoretischen Höhen, dass sie für fast jeden Menschen völlig unverständlich sind. Hier will ich versuchen, das Problem allgemein verständlich zu beschreiben.

Unter Beweis verstehen wir im Allgemeinen eine durch Tatsachen oder Erklärungen erreichte Unwiderlegbarkeit einer Behauptung oder eines Sachverhaltes. Das schließt auch den Weg der Schlussfolgerung nach den Denkregeln bzw. der Logik mit ein, die dahinter steckt. Und natürlich stellt sich die Frage, ob man auch seinen Glauben an bestimmte Götter durch unwiderlegbare Tatsachen oder Erklärungen unterstützen kann.

„Götterbeweise aus germanisch-heidnischer Sicht“ weiterlesen

Ostara – eine germanische Göttin?

von Kurt Oertel

Gegen die Existenz dieser Göttin werden in regelmäßigen Abständen (meistens pünktlich zu Ostern) auch in populären Medien heftige Zweifel vorgebracht. Hier eine Bestandsaufnahme der Fakten und Argumente. Gegen die Existenz einer germanischen Göttin mit dem Namen Ostara, die mit einem Frühlingsfest verbunden gewesen sein soll und auf deren Namen das heutige Osterfest zurückgeht, sind sehr viele Bedenken vorgebracht worden. Die Skepsis ist auch nicht ganz unberechtigt.

Andererseits sind die Indizien aber doch nicht so schlecht, wie vielfach behauptet. Vor allem die oft und völlig kritiklos nachgebetete Behauptung, Jacob Grimm habe diese Göttin erst nachträglich aus dem Namen des Osterfestes erschlossen, verrät grundlegende Unkenntnis der Quellen und stellt die Tatsachen auf den Kopf. Denn Grimm bezog sich ja gerade auf eine alte Quelle, die die Existenz der Gottheit behauptet:

„Ostara – eine germanische Göttin?“ weiterlesen

Lokis Spuren auf den Färöern

von Kurt Oertel

Die abgelegenen Färöer, eine Gruppe von ca. 25 baumlosen Felseninseln im Nordadtlantik zwischen Schottland und Island, von denen 17 bewohnt sind, wurden (genau wie Island) ab ca. 800 von Norwegen aus besiedelt. Die Inseln sind meist nur durch schmale Sunde mit starker Gezeitenströmung voneinander getrennt, und ihre Hauptstadt trägt noch den sympathischen Namen Tórshavn. Bis 1035 waren sie unabhängig, gehörten dann zu Norwegen und fielen mit diesem 1380 an Dänemark. Zu Dänemark gehören sie auch heute noch, gleichwohl sie 1948 Autonomie in allen inneren Angelegenheiten erhielten. Die färöische Sprache geht direkt auf das Altnordische zurück, zerfiel aber trotz des sehr überschaubaren Gebietes in etliche Dialekte und ist heute Muttersprache von lediglich ca. 45.000 Menschen. Ab dem 14. Jahrhundert verlor sich auf den Inseln jegliche Schriftkenntnis, sodass die Gesellschaft bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine gänzlich schriftlose Kultur darstellte, ein für die Neuzeit in Europa einzigartiger Fall. Erst ab 1846 schuf V. U. Hammershaimb eine moderne färöische Rechtschreibung, und da er das nach rein etymologischen Prinzipien ohne Rücksicht auf die Aussprache tat, steht die heutige Schriftform des Färöischen dem ursprünglichen Altnordischen noch ebenso nahe wie das moderne Isländisch.

„Lokis Spuren auf den Färöern“ weiterlesen