Der „Rheingold-Ritus“

Einführung in den Kult und die Riten der Rheingold-Blotgemeinschaft aus Köln.

von Sebastian Stein
unter Mithilfe von Hans Stucken, Günter Stienecke und der Rheingold-Blotgemeinschaft

1 Einführung

Der Eldaring-Stammtisch Köln hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einer kleinen, aber beständigen Blotgemeinschaft von ca. 12 Leuten entwickelt, die sich alle 1-2 Monate zu einem gemeinsamen Blot trifft, zumindest aber die Hauptjahresfeste miteinander feiert (Jul, Mittsommer und die beiden Tag-und-Nachtgleichen). Der Ablauf eines Blots ist in seiner Grundstruktur immer ähnlich und daher haben wir uns entschlossen dieses Grundmuster einmal schriftlich festzuhalten.

Dieser Artikel nun ist eben die schriftliche Niederlegung unseres „Rheingold-Ritus“ und soll für die Rheingold-Blotgemeinschaft zur Orientierung und in gewissen Maß auch Vorgabe sein und für alle anderen als Ansatz zum Austausch und zur Ideenfindung für die eigenen Rituale dienen. Nach einem kurzen historischen Rückblick folgen ein paar Definitionen und Vorraussetzungen, um Unklarheiten und Missverständnisse zu vermeiden. Erst dann folgt die Beschreibung des eigentlichen Blotablaufs mit Beispielen für die verschiedenen Gedichte, Lieder und Anrufungen, die während eines Blots verwendet werden können.

2 Historisches

Historisch ist der Ablauf durch den ersten Kölner Herdwart des Eldarings Ingmar begründet worden. Er hat die Form der Rituale aus seiner nordamerikanischen Sippe, dem Raven-Kindred North, übernommen und auch in der (neu gegründeten) deutschen Schwestersippe, der Raben-Sippe Deutschland (oder auch Raven-Kindred Deutschland, ehedem als „Donars Ring“ bekannt), etabliert. Unser Ritus unterscheidet sich dabei von dem der Raben-Sippe in ein paar kleinen, aber wichtigen Details.

3 Definitionen & Voraussetzungen

Die Rheingold-Blotgemeinschaft versteht sich als eine Gruppe von Menschen, die der weitgefächerten Religion Asatru angehören, die gemeinsam die Jahreskreisfeste begehen wollen. Asatru beruht in religiöser Hinsicht auf einem Polytheismus germanischer Ausprägung, Ahnenverehrung, „Geisterglaube“ und einem entsprechenden Kultverständnis. Teil dieses Weltverständnisses ist auch das, was wir heute ganz allgemein als „Magie“ bezeichnen. Wir haben uns also bewusst für die uns überlieferten Traditionen und den Glauben unserer germanischen Vorfahren entschieden. Das bedeutet auch, dass wir die Götter und Wesen eben dieser nordischen Mythologie ehren und ihnen opfern. Innerhalb dieses Rahmens aber ist es jedem selbst überlassen, was er als Asatru definiert und welche Akzente er setzt. Hieraus aber ergeben sich auch einige Grundvoraussetzungen zum Selbstverständnis unserer Feierlichkeiten:

3.1 Blot und Sumbel

Wir feiern Blot und Sumbel: Das Blot ist die Zeremonie, durch welche wir unsere Götter, Ahnen, andere Wesenheiten und die Natur/Welt im Allgemeinen heiligen und ehren. Wie der Ablauf eines solchen Blots aussehen kann, wird unter Punkt 4 beschrieben. Das Sumbel ist eine ehrenvolle und heilige Form einer Trinkspruchrunde und elementarer Bestandteil eines jeden Blots, die aber auch unabhängig von einem Blot vollzogen werden kann. Außerhalb eines Blots ist es weniger formal und freier gestaltet, aber immer noch mit der gebührenden Heiligkeit verbunden. Da alle Teilnehmer einschließlich des Ritualleiters bei einem Blot (für ein Sumbel ist in der Regel kein Leiter notwendig) als gleichberechtigt angesehen werden, vollzieht man die Rituale in einem Kreis. Bei besonders großen Gruppen mag man zum Beispiel aus Platzmangel von dieser Tradition abweichen.

Zum Sumbel einigt man sich vorher auf ein Getränk, über dem die Trinksprüche gesprochen werden. In der Regel wird dies Met oder ein anderes alkoholisches Getränk sein, aber es mag auch Anlässe geben, wo mit einem nichtalkoholischen Getränk gesumbelt wird. Beispielhaft sei hier ein Idun-Blot mit Apfelsaft genannt. Dieses Getränk wird in einem Gefäß, in der Regel einem Horn, herum gereicht. Wer aus welchen Gründen auch immer nicht aus dem Horn trinken möchte, hat die Möglichkeit, entweder das Horn zu küssen oder seinen Schluck auf dem Boden vor ihm zu vergießen. In keinem Fall sollte ein zweites Horn nebenher gereicht werden, weil dies unserer Ansicht nach die Heiligkeit des Rituals stört.1 Neben dem eigentliche Getränk kann auch etwas Essbares gereicht werden, das nach dem Getränk weitergereicht wird.

Neben Blot und Sumbel gibt es noch andere Rituale zu besonderen Anlässen, zum Beispiel Hochzeit, Totenfeier, Namensweihe usw. Diese werden aber – wenn überhaupt – nicht so regelmäßig begangen, dass sich hierfür schon eine eigene Tradition gebildet hätte. Grundsätzlich aber können sie sich an den Ablauf eines Blots oder Sumbels anlehnen.

3.2 Heiligkeit der Rituale

Die Rituale sind heilig: Hier treten wir direkt mit unseren Göttern, Ahnen und Wesenheiten innerhalb und außerhalb Mitgards in Kontakt. Darüber hinaus ist das, was dabei gesagt wird, für jeden Einzelnen etwas sehr Persönliches. Wir verlangen daher von jedem Teilnehmer entsprechenden Respekt gegenüber den Teilnehmern und auch dem Ritual selbst. Natürlich sind Blot und Sumbel nicht zwangsläufig bitterernste Dinge, bei denen nicht gelacht werden darf. Im Gegenteil: In einem Ritual haben grundsätzlich alle Gefühle und Gefühlsregungen ihren Platz. Diese sind aber abhängig vom Blot selbst, seinem Anlass und davon, dass damit nicht die Gefühle anderer verletzt werden. Vor und nach dem Ritual mag es durchaus seinen Platz haben, aber währenddessen sollte man die Götter, unsere Ahnen und auch die religiösen Gefühle der anderen respektieren. Bei einem Blot zur Wilden Jagd einen Witz reißen zu müssen, wäre nicht nur völlig fehl am Platz, sondern würde auch die heilige Atmosphäre empfindlich stören. In einer solchen Situation sollte man engagiert genug sein, einem etwaigen Störenfried mit einem knappen Satz auch mal die Meinung zu sagen und Kritik bei Fehlverhalten auch zu beherzigen.

Zur Heiligkeit und dem Respekt gegenüber dem Blot gehört auch, dass das Ritual in einer allen verständlichen Sprache abgehalten wird, in der Regel also Deutsch. Das gilt auch und insbesondere für den Sumbelteil, in dem jeder einzelne die Möglichkeit hat, sich zu äußern. Wenn plötzlich ein Teil des Rituals in einer den meisten Anwesenden fremden Sprache gesprochen wird, so stört dies nicht allein ihre Konzentration, sondern lässt auch den nötigen Respekt ihnen gegenüber vermissen. Natürlich gibt es natürlich Ausnahmen. Dann aber sollte zuvor geklärt werden, ob alle damit einverstanden sind.

3.3 Asatru und Germanische Mythologie

Da wir uns, wie oben erwähnt, als eine Asatru-Gruppe verstehen, werden von uns nur Wesenheiten der germanischen Mythologie angerufen. Ausnahmen bestätigen die Regel: Wenn es einem Mitglied des Rituals wichtig ist, so kann nach vorheriger Absprache auch eine Wesenheit aus anderen Mythologien angerufen werden.

3.4 Jahreskreisfeste

Unsere Feste orientieren sich an den Jahreskreisfesten Jul (Wintersonnenwende), der Sommersonnenwende (spaßeshalber bei uns Jul 2 genannt) und die beiden Tag-und-Nachtgleichen. Bei uns hat es sich eingebürgert, das Blot am Wochenende vor oder nach dem entsprechenden Jahreskreistag zu begehen. Jul und Mittsommer kommen dabei traditionell die wichtigste Bedeutung zu.

3.5 Blotgemeinschaft, Stammtisch und Sippe

Die Rheingold-Gruppe ist eine Blotgemeinschaft. Das heißt, sie ist eine „Zweckgemeinschaft“ von bekannten und auch befreunden Asatru-Anhängern, die gemeinsam die Jahreskreisfeste feiern. Diese Blotgemeinschaft ist prinzipiell personell deckungsgleich mit dem Kölner Stammtisch des Eldaring, von diesem aber per Definition zu unterscheiden: Der Stammtisch ist ein Treffpunkt zum Erfahrungsaustausch und dem Knüpfen von Kontakten. Die Rheingold-Gruppe ist auch nicht mit einer Sippe, wie etwa dem Raven-Kindred Deutschland zu verwechseln, deren Mitglieder sich durch Schwüre miteinander verbunden haben und die auch einen familiären und heilsgemeinschaftlichen Charakter hat.

3.6 Ritualleiter

In unserem Verständnis kennt Asatru keine hauptberuflichen Priester. Jeder in unserer Blotgemeinschaft sollte zumindest theoretisch ein Blot abhalten können. Wer der Ritualleiter eines Blots ist, bestimmt sich letztlich durch Eigeninitative. Natürlich ist die Leitung eines Blots nichts, mit dem man verantwortungslos umgehen soll, aber auch nichts, was nur ein paar elitären Mitgliedern vorbehalten ist. Der unstenstehende Ablauf soll daher auch als Orientierung dienen. Wir erwarten, dass der Ritualleiter sich auf das von ihm geführte Blot in einem gewissen Mindestmaß vorbereitet und nicht völlig ahnungslos in das Fest hineinstolpert. Bei größeren oder längeren Ritualen können auch die einzelnen Teile von mehreren Teilnehmern durchgeführt werden.

3.7 Teilnehmer

Jeder, der die Heiligkeit unserer Rituale respektiert, ist herzlich eingeladen, an unseren Blots teilzunehmen. Es ist dabei keine unabdingbare Voraussetzung, sich selbst zu Asatru zu bekennen. Aber wir erwarten Respekt vor unserem Glauben und unseren Ritualen, unabhängig von eigenen Glaubensvorstellungen. Teilnehmern anderen Glaubens, aber auch solche, die das erste Mal einem Blot beiwohnen, sollte in jedem Fall der Ablauf zuvor beschrieben und erklärt werden. Auch sollten die Trinksprüche beim Sumbelteil mit diesem Teilnehmer abgesprochen sein, damit es nicht zu befremdlichen Situationen kommt. Eine Möglichkeit ist, dass betroffene Personen nur mit einem einfachem „Heil!“ sumbeln. Ein einfaches, kommentarloses Weitergeben des Horns sollte vermieden werden. Wenn viele Personen anwesend sind, die sich nicht mit Asatru identifizieren können, so ist es möglich, diese außerhalb des Kreises beim Ritual zuschauen zu lassen.

3.8 Blotbesteck

Zu einem Blot ist an sich außer etwas zum Sumbeln und ein Gefäß, woraus man trinken kann, nichts weiter nötig. Allerdings hat sich unsere Blotgemeinschaft entschlossen, ein gemeinsames „Blotbesteck“ anzuschaffen – bestehend aus Horn, Opferschüssel Weihehammer und anderen Gegenständen. Diese Gegenstände werden dann jeweils zu den Feiern mitgebracht. Wichtigstes Utensil hierbei ist das Trinkhorn, welches beim Sumbel herumgereicht wird. Nach einer Sumbelrunde wird der restliche Met in die Opferschüssel gegossen und nach dem Blot den Göttern übergeben. Zur Platzweihe, An- und Abrufung kann ein spezieller Weihehammer verwendet werden, es reicht aber auch ein normaler Mjöllnir-Anhänger. Man kann darauf auch ganz verzichten, aber mit etwas in der Faust fühlt sich diese Handlung einfach besser an. Weitere Gegenstände für das Blotbesteck, die nicht zu jedem Blot Verwendung finden und teilweise auch spontan vor Ort besorgt werden können, sind eine Einhaselung, Altar oder Opferstein, Tischdecke usw.

4 Der Ablauf eines Blotes nach dem Rheingold-Ritus

Der hier vorgestellte Ritus bietet nur den Rahmen, nicht den Inhalt des Blotes, dieser hängt vom Anlass, der Kreativität des Ritualleiters, aber auch dem Rest der Gruppe ab. Der Ritus ist offen für Veränderungen und Variationen und kein starres Gerüst.

4.1 Einstimmung

Zu Beginn des Blotes sollte sich die Gruppe auf das kommende Ritual einstimmen. Dies kann auf verschiedene Weise erfolgen und sollte sich am Anlass des Festes orientieren. Wir beschränken uns bei unseren „kleinen“ Blots auf einen kurzen, meditativen Angesang auf die drei Schöpfungsaspekte Odins. Natürlich sind auch Gesang und Ähnliches, wie zum Beispiel das Herdfeuer-Lied, möglich.

4.1.1 Gesang an die drei Schöpfungsgötter

Alle: Woden – Vili – Ve (3x)

4.2 Platzweihe

Der Ort des Blots ist ein Ort des Friedens. Den Schutz für diesen Ort und die dort Versammelten herbeizurufen, ist der erste aktive zeremonielle Akt. Verschiedene Versionen des Hammer-Rituals oder das Ritual der drei Runenkreise bieten sich hier an, aber auch weniger imperative Maßnahmen wie ein Wortritus sind eine beliebte Eröffnung. Eine Variante für einen Kultplatz, der öfter Verwendung findet, ist eine Einhaselung, die historisch eigentlich für gerichtliche Zwecke eingerichtet wurde. Wir haben diese Idee allerdings für unsere Zwecke, z.B. für Jul, adaptiert, das mehrere Blots an einem Wochenende umfasst. So reicht es, wenn nur einmalig eine Platzweihe für diese Einhaselung gemacht wird. Da die meisten mit dem Hammer-Ritual vertraut sind, soll an dieser Stelle beispielhaft die vom Verfasser bevorzugte Anrufung der Wesen vorgestellt werden.

Anrufung der Wesen

Der Ritualleiter breitet die Arme aus und schaut zum Himmel:
„Wir rufen die Götter Asgards: Weihet diese Stätte und haltet Wacht!“

Der Ritualleiter dreht sich mit ausgebreiteten Armen langsam im Kreis:
„Wir rufen die Wesen Mitgards: Weihet diese Stätte und haltet Wacht!“

Der Ritualleiter schaut zum Boden:
„Wir rufen unsere Ahnen: Weihet diese Stätte und haltet Wacht!“

Der Ritualleiter stellt sich an den Rand des Kreises und schaut mit Abwehrgeste nach außen:
„An die Wesen Utgards und alle, die uns Übles wollen: Fahret fort; Ihr seid nicht willkommen!“

4.3 Anrufung der Götter

Jeweils die Götter/Göttinnen oder Wesenheiten werden angerufen, deren Präsenz für den Zweck des Blots besonders erwünscht ist. Natürlich sollten auch die anderen Götter und Wesenheiten, die nicht direkt mit dem jeweiligen Anlass zu tun haben, eingeladen werden, am Blot Teil zu haben.

Dieser Teil des Blotes ist oft sehr von den jahreszeitlichen Gegebenheiten und dem eigentlichen Anlass des Blotes abhängig. Je nachdem gebührt bestimmten Göttern Dank und Respekt, und es werden konkrete Bitten oder Versprechen ausgedrückt. Es gibt keine festen Regeln für diese Anrufung. Der oder die Ritualleiter können frei sprechen, Gedichte vortragen oder es kann gesungen werden. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

4.4 Varia I: Weitere rituelle Aktivitäten, Meditationen etc.

An dieser Stelle können geführte Meditationen in das Blot eingebunden werden oder Dinge, die sich am Anlass des Blots orientieren, wie das gemeinsame Singen von Liedern oder das Verbrennen von Symbolbauten. Auch hätten Schwüre, Ansprachen für besondere Anlässe und andere Aktivitäten hier ihren Platz. Dieser Teil ist optional und nicht für jedes Blot notwendig; es soll aber den Anlass für das Blot unterstreichen.

4.5 Sumbel

Beim Sumbel wird das gefüllte Trinkhorn im Kreis weitergereicht. Jeder Teilnehmer kann dabei seinen Trinkspruch laut äußern und anschließend einen Schluck nehmen. Der Spruch wird mit einem deutlichen „Heil“ beendet und die Runde antwortet ebenfalls mit einem gemeinsamen „Heil!“2 Obwohl der Spruch letztlich jedem selbst überlassen ist, sollte auf ein paar Kleinigkeiten geachtet werden: Zum einen ist das Sumbel eine Gemeinschaftssache und keine Selbstdarstellung, daher ist darauf zu achten, dass der eigene Spruch nicht ausufert, sondern sich an Stimmung und Gruppengröße orientiert, also kein Stilbruch zu den Sumbelsprüchen der anderen und auch nicht zu lange dauert. Zum anderen sollte auch immer nur eine Gottheit oder Wesenheit angesprochen werden.3 Wenn jemand, z.B. weil er selbst nicht Asatru-Anhänger ist, keinen Trinkspruch ablegen möchte, so kann er auch einfach nur einen Schluck aus dem Horn nehmen und „Heil!“ rufen. Da in der Regel mit Alkohol geblotet wird, kann es sein, dass manche aus verschiedenen Gründen nicht mittrinken wollen. Alternativ ist auch das Küssen des Hornes möglich. Bei einem Blot für das „kleine Volk“ oder Götter, die mit der Erde assoziiert werden, kann auch ein Schluck auf die Erde gegossen werden, dies sollte allerdings vorher abgesprochen werden.

Es wird mindestens drei Runden lang gesumbelt, in folgender Reihenfolge:

1. Götterrunde:

Die erste Runde wird traditionell auf die Göttergeschlechter der Asen und Vanen getrunken. Wenn das Ritual zu Ehren einer bestimmten Gottheit gehalten wird, so ist zumindest der Ritualleiter verpflichtet, eben auf diese sein Horn zu heben. Den anderen Teilnehmern ist dies freigestellt, da besonders in einer größeren Runde es sonst zu Wiederholungen oder ähnlichen Sprüchen kommen kann.

2. Ahnen- und „niedere“ Mythologierunde:

Die zweite Runde wird auf die Ahnen und Verstorbenen oder auf Wesen der sogenannten „niederen Mythologie“ getrunken, also auf Geister, Wichte, Alben usw. Häufig wird hier den Geistern des Blotplatzes für ihre Unterstützung gedankt.

3. Freie Runde:

Die letzte „Pflicht-Runde“ kann jeder nach freier Wahl gestalten. Es kann auf Götter, Ahnen, Geister, aber auch auf Helden und andere mythologische Wesen getrunken und Segen für gemeinschaftliche oder persönliche Belange erbeten werden.

4. Kür-Runde(n):

Nach der dritten Runde ist oft noch Met übrig, manchmal hat aber auch ein Teilnehmer noch etwas auf dem Herzen, das er unbedingt noch in einer Runde sagen möchte, aber zuvor nicht unterbringen konnte oder wollte. Hier können nach kurzer Absprache noch ein oder mehrere freie Runden angehängt werden. Dies kann manchmal zu einer kleinen „inoffiziellen“ Subelrunde innerhalb des Blots ausarten, solange eben genug Getränk zum Sumbeln da ist.

Am Ende jeder Runde wird das Horn vom Leiter mit einem kurzen Segensspruch (z.B. „Nehmt dieses Opfer und die Sprüche an!“) in eine Opferschale gegossen und danach erneut gefüllt. Nicht immer ist eine Opferschale zur Hand und so kann das Horn einfach weitergereicht werden. Wichtig ist aber, dass ein Rest übrig bleibt, der später an die Götter zurückgegeben werden kann. Auch das Ausgießen direkt in ein Feuer ist eine Möglichkeit.

4.6 Varia II: Weitere rituelle Aktivitäten, Meditationen etc.

Auch an dieser Stelle können bestimmte optionale Handlungen vollzogen werden. Entweder anstelle der ersten Varia oder zusätzlich. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass das Blot nicht zu sehr in die Länge gezogen wird.

4.7 Abschluss des Hauptritus

Das Blot wird aufgehoben, die Zeremonie beendet, man dankt den angerufenen Kräften höflich und respektvoll und lässt sie mit Heilswünschen wieder ziehen. Dies kann entweder schlicht und einfach mit ein paar Abschlussworten geschehen oder auch lyrisch, mit Gesang usw. Es wird in die konventionelle Jetzt-und-Hier-Zeit übergeleitet. Die Abrufung nimmt häufig die Gedanken der Anrufung und der Platzweihe wieder auf, um so den Ritus abzurunden.

Abrufung

Der Ritualleiter hebt den Hammer sichtbar für alle hoch.
Ritualleiter: „Asen und Wanen, Wesen Mitgards und der neun Welten. Wir danken Euch für Eure Anwesenheit und Euren Schutz. Bleibt, wenn ihr bleiben mögt; fahrt, wenn ihr fahren mögt! Heil Euch!“

Alle: „Heil!“

4.8 Ausgießen des Trankopfers

Nach Abschluss des Blots wird gemeinsam das Trankopfer der Erde und damit den Göttern und Wesenheiten übergeben. Traditionell wird das Ausgießen des Opfers von der Gruppe mit ein paar Dankesworten oder Weihespruch begleitet.

Opferweihe

Alle: „Von den Göttern zur Erde zu uns. Von uns zur Erde zu den Göttern.“
Ritualleiter: „Der Bund zwischen Asgard und Midgard wurde neu geschmiedet!“
Alle: „Heil Asgard!“

Hiermit ist das Blot beendet.

5 Schlußbemerkung

Dieser Artikel enthält an sich nicht viel Neuartiges, und ähnliche Rituale sind sicher in der ein oder anderen Blotgemeinschaft und Sippe bereits gängiger Alltag. Er möchte allerdings blitzlichtartig zeigen, wie eine bestimmte Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Feste feiert. Und es ist meine Hoffnung, mit diesen Zeilen auch andere zu ermutigen, ihren eigenen Ritus zu schaffen oder zu formulieren, entweder in Anlehnung oder im Kontrast zu unserem „Rheingold-Ritus“. Wichtig ist letztlich, dass wir die Götter und unsere Ahnen ehren und ihnen mit Würde entgegentreten. Und hier gilt, dass Religiösität den Kult gebiert, und nicht der Kult die Religiösität.

Und nicht vergessen: Nach dem Blot ist vor dem Blot.

Endnoten

1 Siehe hierzu Punkt 3.2. Eine Ausnahme mag hierzu eine „Kinderrunde“ sein.

2 Evt. „Heil“ + Name, wenn eine bestimmte Wesenheit speziell angerufen wurde, auch die Runde erwidert dann „Heil“ + Name. Also z.B.: „Heil Donar!“ oder „Heil meinen Ahnen“ usw.

3 Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel: Wenn die angerufenen Gottheiten in einem sinnvollen Zusammenhang stehen, etwa Fro und Frouwe, ist auch eine doppelte Anrufung möglich. Ansonsten gilt: „Buy one, get one for free“ gibt’s nur bei McBlot um die Ecke.

Erschienen 2007 in Herdfeuer 15