Die Angeln und der Ursprung der Engländer

von Kurt Oertel

Die ursprüngliche Heimat der Angeln liegt im Süden der jütischen Halbinsel in einem Gebiet, das Teile des heutigen Schleswig-Holsteins und südlichen Dänemarks umfasst. Das eigentliche Kernland dieser Gegend, die Ostsee-Region zwischen der Flensburger Förde und der Schlei, trägt auch heute noch den Namen Angeln, wobei aber sicher scheint, dass nicht die Gegend nach dem Volk, sondern umgekehrt das Volk nach diesem wohl älteren Landschaftsnamen benannt ist, der einfach nur „Enge“ oder „Winkel“ bedeutete. Die Angeln lebten in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Sachsen im Südwesten, den Langobarden im Südosten und den Jüten im Norden (die noch nichts mit den Dänen zu tun hatten, die erst später aus Südschweden zuwanderten). Der alte Machtbereich der Angeln muss allerdings weit größer gewesen sein als die heutige gleichnamige Gegend, denn andernfalls hätten sich ihre späteren Wanderungsbewegungen nicht so eindeutig in das Nordseegebiet gerichtet. Sprachwissenschaftlich bezeichnet „anglisch“ zwei altenglische Dialekte, die uns aus den englischen Gegenden Northumbria und Mercia des 8. Jahrhunderts belegt sind. Ob die sich direkt auf das Anglische der Schleswig-Holsteiner zurückleiten lassen, ist dabei eine müßige Frage. Für Letzteres haben wir außer ein paar Personennamen und frühen Runeninschriften nämlich keine Zeugnisse, und die zeigen, dass sich das Germanische damals noch kaum in die späteren Zweige auseinanderentwickelt hatte. Erstmals erwähnt werden die Angeln von Tacitus in seiner Germania, der sie unter den Nerthus-Verehrern aufzählt. Ob er sie den Sueben zurechnet, die am Angang des nächsten Kapitels erwähnt werden, ist wegen der schwierigen Bezüge im lateinischen Original unklar. Das aber tut 50 Jahre später Ptolemaios, lokalisiert den Stamm aber völlig falsch, wenn sein Begriff Sueben Angeilen (Suhbwu tou Aggeilwu) sich denn überhaupt auf die Angeln bezieht. Archäologische Funde scheinen zu bestätigen, dass sie nicht schon immer in Schleswig-Holstein lebten, sondern im Lauf des 1. Jahrhunderts v.d.Z. langsam aus den suebischen Gebieten an der oberen Elbe zuwanderten.

Schleswig-Holstein war damals sehr viel bewaldeter als heute, allerdings nicht mit den für heute so typischen Buchen, sondern mit Eichen, Ulmen, Linden und Birken. Der Boden in den Marschen des Westens ist hervorragendes Ackerland, der Osten des Landes trotz lehmigerer Bodenbeschaffenheit ebenfalls, lediglich durch die Mitte des Landes zieht sich von Norden nach Süden ein sandiger Bodenrücken, die Geest, der ackerbaulich weniger ergiebig ist. Auch heute noch ist Angeln rein landwirtschaftlich geprägt.

Man kennt zahlreiche Siedlungen, wenn auch bisher nur wenige von ihnen archäologisch genau dokumentiert sind. Die Menschen lebten in inselartig verstreut liegenden kleinen Siedlungen und Einzelgehöften, die wirtschaftlich völlig unabhängig waren. Der Boden gab auch Raseneisenerze her, die im Tauschhandel verbreitet wurden. Die vorherrschende Hausform war das aus Holz errichtete Langhaus, das in Norddeutschland seit der Bronzezeit belegt ist und bis zu 30 Meter lang und 7 Meter breit sein konnte. Der Wohnbereich bildete dabei den kleineren Teil, den größten Teil des Hauses nahm der Stall ein, der bis zu 30 Kühen Platz bot und bereits dasselbe System von Viehboxen aufwies, wie bis in neueste Zeit hinein, denn über den Winter musste das Vieh im Stall gehalten werden, was einer entsprechenden Vorratshaltung bedurfte. Um das Haus herum waren Backofen, Brunnen, Vorratsgebäude (die auf Pfählen errichtet wurden, um die Ernte vor der Bodenfeuchtigkeit und der ewigen Gier der Nager zu schützen) sowie Arbeitsstätten zum Schmieden und Weben. Letztere waren meistens sogenannte Grubenhäuser, die äußerlich zwar nicht viel hermachten, die aber eine Menge Vorteile hatten. Sie bestanden aus einer ausgeschachteten Grube, über der lediglich ein Dach errichtet wurde, während Boden und Wände der Grube mit Brettern verkleidet werden konnten. Diese Konstruktionen waren im wörtlichsten Sinne unaufwändig zu errichten, da sie keiner tragenden Wände bedurften. Bereits Plinius berichtet im 1. Jahrhundert, dass germanische Frauen ihre Webarbeiten in „Erdhäusern“ verrichteten. Die Luftfeuchtigkeit darin verhinderte, dass der empfindliche Flachs bei der Leinenherstellung zu schnell spröde wurde und brach.

Das wichtigste Haustier war eine kurzhornige Rinderart, die lediglich ein Höchstgewicht von 250 kg erreichte. Es gibt keine Hinweise auf die Schlachtung von Kälbern, was zeigt, dass Kühe in erster Linie dem Gewinn von Milchprodukten dienten, natürlich auch als Zugtiere für Pflug, Egge und Wagen. Auch Ochsen kannte man. Sie waren starke, aber umgängliche Zugtiere und gaben sehr viel mehr Fleisch, wenn sie geschlachtet wurden.

Pferde (die ebenfalls wesentlich kleiner als heute waren) benutzte man natürlich zum Reiten, aber in vielen Fällen wurden sie bereits im ersten Lebensjahr geschlachtet und verzehrt. Zwar ist die Pferdetötung als religiöses Opfer nicht nur bei den Germanen, sondern bei etlichen indoeuropäischen Völkern gut belegt, die meisten Pferdeknochen aber wurden nicht als Reste eines Opfers, sondern im normalen Hausmüll entdeckt. Somit scheint der Genuss von Pferdefleisch auch als tägliche Nahrung sehr viel üblicher als der von Rindfleisch gewesen zu sein, was die Vorstellung widerlegt, Pferd sei eine dem Opferschmaus vorbehaltene Speise gewesen. Schafzucht war eher in den offenen Räumen der Westküste verbreitet, der Ostteil des Landes mit seinen Wäldern bot sich mehr zur Schweinehaltung an, was durch die Archäologie auch bestätigt wird. Die Haltung von Ziegen, Hühnern, Gänsen und Enten ist ebenfalls belegt, aber wir wissen nicht genau, welche Rolle sie als Nahrung spielten. Im Gegensatz zu weitverbreiteten Klischees spielte die Jagd als Nahrungsgrundlage so gut wie gar keine Rolle, wohingegen Fischfang natürlich überall dort betrieben wurde, wo er möglich war.

Die wichtigste Getreidesorte war Gerste, gefolgt von Roggen, Hafer und Hirse. Weizen war praktisch noch unbekannt. Saubohnen waren ebenfalls ein wichtiger Nahrungsanteil, genauso wie Wildpflanzen, Beeren und Früchte. Alle hier erwähnten Lebensumstände waren aber natürlich nicht nur für die Angeln kennzeichnend. Alle norddeutschen Völker lebten so, und in der Hinsicht dürfte es keinerlei Unterschiede zwischen Angeln und anderen germanischen Gruppen gegeben haben. Dennoch darf man sich die Zustände nicht als harmonische, ländliche Idylle vorstellen. Seit 500 v.u.Z. war es im Norden zu einer zunehmenden klimatischen Abkühlung gekommen (die sich erst ab dem Frühmittelalter 1000 Jahre später wieder umkehren sollte). Die Sommer waren oft verregnet, und die dadurch bedingten Missernten hatten bitterste Hungersnöte im Gefolge. Die Winter waren lang, kalt und ernährungstechnisch stets eine Sache auf Leben und Tod. Die Skelette der Zeit zeigen durchweg Wachstumsschäden aufgrund von Mangel- und Unterernährung und die Zähne aufgrund des beim Mahlen zwangsläufig in das Getreide geratenden Steinmehls einen erschreckenden Abrieb. Die durchschnittliche Lebenserwartung war gering, und wer ausnahmsweise das Alter von 40 wirklich erreichte, muss als Greis gegolten haben.

Eine altenglische Quelle berichtet uns die Geschichte von Offa, dem Sohn König Warmunds. Offa ist ein kräftiger junger Mann, strebt im Gegensatz zu seinen Altersgenossen aber nicht nach Heldenruhm. Als sein altersblinder Vater von dem Suebenherrscher zum Kampf um das Königreich herausgefordert wird, ist es zum Erstaunen aller jedoch der waffenunkundige Offa, der das Duell annimmt und seinem Volk die Freiheit bewahrt, indem er die beiden Söhne des Suebenherrschers in einem tapferen Einzelkampf tötet. Sogar in der altenglischen Version spielt die Geschichte noch in Schleswig-Holstein, und der Kampf findet auf einer Eider-Insel statt, die so genau beschrieben wird, dass Heimatforscher immer wieder versuchen, den Ort endgültig in großräumiger Nähe Rendsburgs zu lokalisieren.

Die Forschung billigt der Geschichte durchaus einen wahren Kern zu, nämlich insofern, als sich hier die historischen Vorgänge widerspiegeln könnten, durch die die Angeln durch Abspaltung von den Sueben zu einem eigenen Volk wurden. Wenn der Stammbaum des späteren ostenglischen Königs Offa (757-796), der seine Abstammung in der 12. Generation von seinem schleswig-holsteinischen Namensvetter herleitete, überhaupt irgendeinen historischen Wert hat, könnte man diese Vorgänge ganz grob in die Zeit um 350 ansetzen. Andererseits bieten diese späteren englischen Stammbäume aber die einzig mögliche Quelle überhaupt für solche Datierungen, die deshalb sehr unsicher sind. Und da Tacitus sie schon um das Jahr 98 erwähnt, muss die Abspaltung der Angeln auch nach archäologischem Befund zu einem eigenen Volk sehr viel früher passiert sein, was die „12. Generation“ zu einer rein poetischen Formel werden lässt.

Die Geschichte bietet aber einen weiteren interessanten Hinweis: Im Gegensatz z.B. zu den Sachsen hätten die Angeln demnach bereits in ihren alten Tagen die Institution des Königtums gekannt. Die Sachsen kannten dergleichen scheinbar noch nicht einmal im 9. Jahrhundert in ihren Kriegen gegen Karl den Großen (sondern hatten erst seit dem 7. Jahrhundert ausschließlich für den Kriegsfall gewählte Herzöge) und scheinen diese Institution in England lediglich deshalb übernommen zu haben, weil sie dort mit gänzlich anderen politischen Gegebenheiten konfrontiert waren. Somit dürfte wohl auch das angeblich alte Königtum der Angeln eine geschichtliche Rückprojektion altenglischer Zustände auf die Vergangenheit sein.

Das berühmte altenglische Vers-Epos Beowulf ist eine ursprüngliche Dichtung der Angeln, die in ihrer heute bekannten Form allerdings erst um das Jahr 700 in England entstand. Obwohl es in einem westsächsischen Dialekt gehalten ist, deuten sprachliche Kriterien darauf hin, dass es ursprünglich in dem anglischen Dialekt von Mercia verfasst wurde. Der Sagenstoff selbst wurde aber sicherlich schon durch sie mit nach England gebracht. Sie müssen also bereits in ältester Zeit ein reiches Vermächtnis an Dichtung und Überlieferungen besessen haben, was keine Überraschung darstellt. Gleichzeitig zeigt die Kenntnis des Beowulf-Stoffes, dass sie enge Kontakte zu jenen südschwedischen Gegenden besaßen, in der man den historischen Ursprung der Beowulf-Geschichte ansiedelt, eine Verbindung, die auch von der Archäologie bestätigt wird.

Man hat in Schleswig-Holstein noch keine einzige Bestattung finden können, die sich als „Königsgrab“ deuten ließe, der Hinweis auf ein anglisches Königtum in der Offa-Sage dürfte also durchaus Legende sein. Aber aus den ersten Jahrhunderten n.d.Z. gibt es zumindest eindeutige Belege für gesellschaftliche Unterschiede und für die zunehmende Herausbildung einer Ober- und Kriegerschicht. Die gebräuchlichste Ausrüstung bestand aus Schild und Speer. Schwerter – vor allem gute – waren dagegen ausgesprochene Luxusgegenstände, wie auch noch später in der Wikingerzeit. Man hat zahlreiche römische Münzen wie auch andere Gegenstände römischer Herkunft gefunden, aber wir wissen nicht, ob diese als Handelsgüter, Kriegsbeute oder als Mitbringsel anglischer Söldner in römischen Diensten ins Land kamen – wahrscheinlich als Kombination aus all diesen Möglichkeiten.

Wir können uns aber glücklich schätzen, zumindest zwei religiöse Zentralheiligtümer der Angeln zu kennen. Das erste ist das Thorsberger Moor in der heutigen Kleinstadt Süderbrarup. Dieses ehemalige Opfermoor ist heute ein friedlicher kleiner See, umgeben von einem kleinen Baumbestand, an den die Häuser aber immer näher heranrücken. Es fällt schwer, den alten Zauber des Ortes zu spüren, da er sich so verändert hat. Der Reichtum an Opferfunden aus diesem Moor ist beachtlich. Die bedeutendsten dieser Funde sind heute im Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig zu bewundern und belegen, dass das Moor vom 1. bis zum 5. Jahrhundert als Kultstätte diente, älteste Funde aber bis in die Bronzezeit zurückreichen. Als Opfer wurden die verschiedensten Gegenstände dargebracht: Schmuck, Waffen, Kleidung, Keramik usw. (wobei in letzterem Fall natürlich nicht die Gefäße, sondern ihr Inhalt – Nahrungsprodukte – das Opfer waren). Auch einige der frühesten Runeninschriften wurden hier gefunden. Einen kurzen Fußweg entfernt liegt die „Heilige Quelle“, noch heute so bezeichnet, deren Verehrung ebenfalls auf vorchristliche Zeit zurückgehen dürfte. In südlicher Angrenzung an die Quelle (unter dem heutigen Sportplatz) wurden zahlreiche Siedlungsspuren nachgewiesen. Die Attraktivität des Ortes hat hier wohl eine Siedlung entstehen lassen, die die Ausmaße der sonstigen Kleinstsiedlungen übertraf und schon in alter Zeit ein regionales Handelszentrum war. So viel die Moorfunde auch über die rein materielle Kultur aussagen, so wenig enthüllen sie natürlich über die religiösen Zeremonien selbst wie auch darüber, welche Gottheiten hier verehrt wurden. Der Name Thorsberg entstand nämlich erst später, als in der frühen Wikingerzeit von Norden her dänische Siedler in das Land einsickerten, an die heute noch all die mit -by endenden Ortsnamen der Gegend erinnern. Da religiöse Ortsnamen aber äußerst zählebig sind und oft auch einen Bevölkerungs- oder Religionswechsel überdauern, ist es durchaus möglich, dass dieses Moor auch bei den Angeln bereits dem Thunaraz (Thor) geweiht war.

Das zweite große Heiligtum befand sich bei Nydam (kurz hinter der heutigen dänischen Grenze). Dort fand sich im Boden eine ungeheure Menge an Kriegsausrüstung. Der spektakulärste Fund dort aber war das berühmte Nydam-Boot, das zusammen mit den anderen Funden aus Nydam und Thorsberg heute ebenfalls in Schleswig zu sehen ist. Dieses hervorragend erhaltene Schiff mit einer Länge von knapp 23 m Länge (aber nur 80 cm Tiefgang!) erinnert bereits sehr an die späteren Langschiffe der Wikingerzeit. Es ist das erste Schiff im Klinkerbau aus Nordeuropa, das wir kennen, und seine mit den Planken „vernähten“ und nicht vernagelten Spanten gaben ihm die nötige Elastizität als hochseetüchtiges Gefährt. Es hatte allerdings noch keinen Mast, sondern wurde von einer Rudermannschaft angetrieben.

Auch der Fundort bei Nydam war ursprünglich ein Moor. Heute erstrecken sich dort Wiesen in ländlicher Umgebung mit ein paar Häusern in Sichtweite, und die frühere Heiligkeit des Ortes lässt sich hier noch weniger erahnen als in Süderbrarup. Der gewaltige Waffenfund wird dahingehend gedeutet, dass hier eine große Zahl Angreifer von den ihre Heimat verteidigenden Angeln besiegt wurde. Die Waffen, Pferde und ein Schiff der Besiegten wurden daraufhin als Dankesopfer an die Götter in dem Moor versenkt, wobei Letzteres 3 km über Land geschleppt werden musste (wir wissen von zwei kleineren weiteren Schiffen, die aber in den Kriegshandlungen 1864 verloren gingen, denn zur Zeit der Ausgrabungen wurde der Ort zum Schlachtfeld im preußisch-dänischen Krieg).

Die Angreifer müssen nicht zwangsläufig Fremde von einer fernen Küste gewesen sein. Ihre rein germanische Ausrüstung legt eher nahe, dass es Nachbarn waren, möglicherweise von der dänischen Inselwelt her kommend, vielleicht aber sogar selbst Angeln aus dem Süden. Eine Analyse des Eichenholzes bewies, dass das Schiff im Jahr 320 im westlichen Ostseebereich gebaut worden sein muss, also irgendwo an der Küste zwischen dem heuten Dänemark und Mecklenburg-Vorpommern. Da die Waffenmenge aber die einer einzigen Schiffsbesatzung weit übersteigt, ist davon auszugehen, dass es möglicherweise eine Flotte von Angreifern war und nicht nur ein Schiff. Die Funde belegen jedenfalls nicht nur eine ausgeprägte innergermanische Kriegskultur fernab der römischen Grenzen lange vor der Wikingerzeit, sondern machen auch klar, dass hier bereits nach Waffengattungen professionell eingeteilte Gefechtsverbände operierten, die wahrscheinlich nicht mehr dem Stammesführer, sondern Offizieren und Generälen unterstanden. Die Germanen haben schnell von den Römern gelernt, ob sie wollten oder nicht: Durchorganisiertes Militärwesen und Kriege im großen Stil waren Ausdruck einer neuen Zeit, in der die alten Stammeskulturen verblassten und sich größere politische Strukturen entwickelten.

Wer immer ein solches Unternehmen leitete, war mit großen logistischen Herausforderungen konfrontiert: Kapital musste angesammelt werden, um die Schiffe zu bauen und die Männer mit Waffen auszustatten. Vor allem die gefundenen zweischneidigen Hiebschwerter konnten nur mit guten Beziehungen aus dem Römischen Reich beschafft werden, denn in der Qualität waren sie vor Ort nicht herstellbar. Und vor allem: Er musste erfolgreich sein. Der Anführer dieser Streitmacht war das zumindest nicht, und welches Schicksal die besiegten Überlebenden selbst erwartete, ist der Phantasie eines jeden Einzelnen überlassen (menschliche Überreste waren zumindest nicht Teil dieses Mooropfers). Der Ur- und Frühgeschichtler Michael Gebühr hat sich zu diesem Thema seine ganz eigenen und sehr menschlichen Gedanken gemacht:

„Wer trauert denn eigentlich um diese Leute, deren Waffen wir dort im Moor finden, diese Verlierer, die möglicherweise nicht nach Hause zurückgekehrt sind? Man ist ja von heute zu denken gewohnt, das sind die Witwen, Waisen und Mütter, die da trauern. Wenn man sich aber in die damalige Zeit versetzt und bedenkt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen kaum über 35 gelegen haben dürfte, die Söhne aber erst im Alter von 18 bis 20 zum Heer stießen, dann dürften die meisten Mütter gar nicht mehr am Leben gewesen sein, wenn die in den Krieg zogen. Und da Tacitus uns sagt, dass sie eigentlich erst heiraten und sich auf den Hof zurückziehen, nachdem sie ihre kriegerische Zeit hinter sich haben, werden sie auch keine Witwen oder Waisen hinterlassen haben.“

(Zitat aus der TV-Dokumentation Ein Schiff für die Götter von Wilfried Hauke, NDR 2003)

Über die Deutung des Fundes als Opferung einer feindlichen Heeresausrüstung herrscht zwar weitgehend Einigkeit. Dem ist aber entgegengehalten worden, dass es keineswegs sicher ist, ob all diese Gegenstände zur selben Zeit in das Moor kamen. Und nach dem wenigen, was wir von dem verlorengegangenen zweiten Schiff wissen, scheint es sich dabei um eine weitaus ältere Bauart gehandelt zu haben. Und in der Tat haben sorgfältige Nachgrabungen dänischer Archäologen von 1989-1999 ergeben (die noch einmal fast ebenso viele Neufunde zu Tage brachten, wie die Grabungen von 1864), dass in dem Moor zwischen den Jahren 200 und 500 zumindest sechs Großopfer erfolgt sind. Dennoch werden die Interpretationen des Bootsopfers und seiner Beigaben dadurch kaum relativiert, wenn auch die alternative Möglichkeit eines Opfers als Dank für erfolgreiche eigene Raubzüge und Ausplünderung der Nachbarn erwogen werden muss. Eine frühere Hypothese war die, hier habe es sich um das Heiligtum einer „Schiffsgottheit“ gehandelt. Eine solche wäre in späterer Zeit sofort mit Njörd zu verbinden, für ältere Zeit bietet sich also die namensgleiche und für die Angeln bezeugte Nerthus an.

Tacitus’ berühmte Mitteilungen über diese Göttin dürften bekannt sein und brauchen deshalb hier nicht im Detail wiederholt zu werden. Er bezeichnet sie als terra mater (Erdmutter) und an seinem Bericht gibt es wenig Zweifelhaftes. Von allen vergleichbaren Fällen aber wissen wir, dass einer verehrten Erdgöttin natürlich immer auch ein männlicher Himmelsgott als Gemahl zugeordnet war. Wer könnte das bei den Angeln gewesen sein? Die nächstliegende Wahl wäre natürlich Teiwaz (Tyr), der alte gemein-indoeuropäische Himmelsgott, dessen Bedeutung in der späten Wikingerzeit zwar sehr verblasst ist, der bei den kontinentalen Germanen aber noch einer der höchsten Götter gewesen sein muss. Wodan war damals zwar sicherlich schon bekannt, die Stellung späterer Zeit hatte er aber sicher noch nicht, und erst recht war er nicht „Götterkönig“, eine Würde, die ihm erst die Neuzeit andichtete. Wir haben aber einen interessanten Hinweis auf einen anderen Namen.

Unter den Thorsberg-Funden findet sich ein Ortband (der metallene untere Abschluss einer Schwertscheide) mit einer Runeninschrift aus dem 3. Jahrhundert, die man als Hinweis auf den Träger deutet: o wlþuþewaz niwajemariz. Das erste isolierte -o- wird als „Eigentum von“ gedeutet (othala), das nächste Wort bedeutet „des Wulthuz Diener“ und das letzte Wort „der nicht schlecht Berühmte“. Nun ist „Wulthuz“ (Herrlichkeit) aber nichts anderes, als die altgermanische Form des Namens Ullr, was belegt, dass auch Ullr in alter Zeit eine weit prominentere Stellung gehabt haben muss. Verstreute Hinweise deuten sogar darauf hin, dass er ein hoher Himmelsgott gewesen sein dürfte. Deshalb muss man zumindest mit der Möglichkeit rechnen, dass Ullr der männliche Partner der Nerthus gewesen sein könnte. Wenn es aber stimmen sollte, dass Ullr ursprünglich lediglich ein anderer Name für Teiwaz war, würde sich der Kreis wieder schließen. Da für den Namen Njörd im Altnordischen aber nicht nur eine männliche und weibliche, sondern auch eine Pluralform belegt ist, seine Kinder Freyr und Freyia ebenfalls als namensgleiches Zwillingspaar dargestellt sind und auch die Namensformen für Nerthus in den verschiedenen Handschriften der Germania nicht identisch sind, sondern in teilweise problematisch voneinander abweichender Form auftauchen, spricht einiges für die Möglichkeit, auch im Fall Nerthus eine männlich-weibliche Zwillingsgottheit annehmen zu dürfen.

Über das Land verteilt wurden zahlreiche weitere Opferfunde ausgegraben. Bei einem fanden sich zahlreiche Kuhhörner, bei einem anderen mehr als 500 Glasperlen, ein ungewöhnlicher Fund für den Norden. Zusammen mit zahlreichen anderen Schmuckopfern haben wir hier sicherlich Hinweise auf einen sehr weiblichen Kult. Leider können wir kaum mehr darüber sagen. Aber die religiöse Bedeutung hinter all diesen Opfern könnte genauso unterschiedlich sein wie die Opfergaben selbst. Im Gegensatz zu den Zentralheiligtümern von Thorsberg und Nydam haben wir es hier eindeutig mit individuellen Opfern von Bauern und kleinen Gruppen aus entlegenen Ansiedlungen zu tun, deren archaische und bodenständige religiöse Vorstellungen kaum Niederschlag in der späteren Hoch-Mythologie der Edda gefunden haben dürften.

In dem kleinen Ort Gallehus kurz hinter der heutigen dänischen Grenze wurden nacheinander (1639 und 1734) von Einheimischen zwei große Goldhörner gefunden, die allein schon vom Goldgewicht her einen immensen Schatz darstellten und bei denen es sich zweifellos um Kultgeräte gehandelt hat. Wie sie in den Boden gelangten, ob als Opfer oder Sicherungsmaßnahme in Kriegszeiten, wissen wir nicht. Weitere Gegenstände wurden dort jedenfalls nicht entdeckt. Bereits damals erkannte man den wissenschaftlichen Wert des Fundes, und so gelangten die Hörner in die Königliche Sammlung in Kopenhagen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden sie gestohlen und von den Dieben sofort eingeschmolzen. Die Täter wurden zwar schnell gefasst und hart bestraft, die Hörner selbst aber sind uns verloren. Glücklicherweise existieren sehr gute und detaillierte Zeichnungen der bildlichen Darstellungen auf den Hörnern, die ihrer Art nach eigentlich nur mythologischen Inhalts sein können. Dennoch ist es bis heute nicht einmal ansatzweise gelungen, sie befriedigend zu deuten oder mit uns bekannten Inhalten der germanischen Religion zur Deckung zu bringen, auch wenn das immer wieder in phantasievollen und hochspekulativen Ansätzen versucht wird. Deshalb wurde auch die Vermutung geäußert, die Hörner müssten in einem ganz anderen Kulturraum entstanden sein (wie das z.B. für den in Jütland gefundenen berühmten Silberkessel von Gundestrup aufgrund metallurgischer Analysen erwiesen ist, der danach eindeutig thrakisch-keltischer Herkunft ist und somit als Geschenk, Handelsgut oder Beute in den Norden gelangt sein muss). Die Runeninschrift auf einem der Hörner aber beweist das Gegenteil, wenn denn der Runenmeister kein schamloser Lügner war. Hier finden wir das älteste schriftlich belegte Beispiel für den germanischen Stabreim: „Ek hlewagastiz holtijaz horna tawido“ (Ich, Hlewagastiz aus Holt, machte [dieses] Horn). Das Wort „holtijaz“ könnte man zwar auch als „Sohn des Holt“ deuten, sehr viel wahrscheinlicher aber liegt hier eine Ortsbezeichnung vor, von der eine direkte Linie zu dem mittelalterlichen Volksnamen der Holsten bis hin zum heutigen Landesnamen Holstein zu ziehen ist, der nichts mit „Stein“ zu tun hat, sondern eben mit „Holst“ (Gehölz, Wald) und lediglich „Waldland“ bedeutet. Bis ins späte 18. Jahrhundert hinein waren große Teile Ost-Holsteins noch von einem riesigen und als undurchdringlich geltenden Waldgebiet bedeckt, das deshalb den Namen Isarnho bzw. dänisch Jarnvið trug. Beide Begriffe bedeuten „Eisenwald“, und selbst der große isländische Gelehrte Sigurður Nordal konnte nicht umhin, hier einen möglichen Zusammenhang mit dem „Eisenwald“ aus Str. 40 der Völuspá zu sehen.

Die spektakulärsten Funde aus den Zeiten der Angeln aber sind wohl die Moorleichen. Die chemische Zusammensetzung der Moore hat eine Verwesung der Toten verhindert, sodass einige dieser Körper gut erhalten sind. Natürlich geben diese Leichen eine Vielzahl anthropologischer Erkenntnisse her. Da es uns hier aber vordringlich um Aspekte der Religion geht, steht natürlich sofort das Stichwort „Menschenopfer“ bzw. „Todesstrafe“ im Raum, wie es durch Tacitus gerade in Verbindung mit Mooren auch schriftlich belegt ist. Nun scheinen aber nicht all diese Toten auf dieselbe Weise ins Moor gelangt zu sein. Einige können schlicht verirrte Wanderer gewesen sein, die dort unglücklich ertranken. Im Fall einer Moorleiche aus Niedersachsen wurde mit modernsten kriminaltechnischen Methoden glaubhaft gemacht, dass hier lediglich ein Mord vertuscht werden sollte. Andere Körper aber zeigen Symptome ritueller Tötung und Maßnahmen, die die Wiederkehr des Toten verhindern sollten. Einer der umstrittensten Fälle war lange der des „Mädchens von Windeby“, das in der Nähe von Eckernförde entdeckt wurde. Lange Zeit galt es als sicher, dass sie als Strafe für Ehebruch getötet und im Moor versenkt wurde. Einige Details schienen auch dafür zu sprechen. Neueste genetische Untersuchungen aber haben erwiesen, dass es sich gar nicht um ein Mädchen handelt, sondern um einen ca. 14-jährigen Jungen, der vermutlich an einer Krankheit starb und von einer Familie liebevoll an einer Stelle beerdigt wurde, die erst kurz danach vermoorte.

Für jeden empfindsamen Menschen ist die Konfrontation mit diesen Toten ein bewegendes Erlebnis. Man schaut in ihre Gesichter und fragt sich, was sie wohl gefühlt haben. Und man ahnt plötzlich, dass sie im Grunde mit denselben Bedürfnissen, Wünschen, Träumen und Ängsten wie man selbst gelebt haben. Aber auch wenn einen in diesem Moment äußerlich nur Zentimeter von ihnen trennen, wird einem gleichzeitig bewusst, dass man geistig diesen ungeheuren Abgrund der Zeit von fast 2000 Jahren, der uns von ihnen trennt, nicht überbrücken kann, weil die Welt und ihre Wahrnehmung damals so grundverschieden von der unseren war. Diese auf viele Menschen verstörend wirkende Erfahrung hat zu Protesten darüber geführt, dass Moorleichen überhaupt in Museen gezeigt werden. Hinter dieser Haltung dürfte in den meisten Fällen aber ein generelles Unbehagen stehen, wie es für unsere den Tod verdrängende Gesellschaft bei Konfrontation mit dem Thema typisch ist. Wenn man sich auf diese Begegnung aber innerlich bereitwillig einlässt, kann sie einem sehr viel geben. Wenn man sich ihnen mit offenem Geist nähert und ihre Würde respektiert, verwandeln sie sich zu wahren Botschaftern aus einer anderen Welt. Und wenn man danach aus dem verdunkelten Raum wieder ins Sonnenlicht hinaustritt, kann man vielleicht spüren, dass sie einem ihre Geschichte erzählt haben …

Gegen Mitte des 5. Jahrhunderts muss die durch die klimatischen Verhältnisse bedingte landwirtschaftliche Notsituation ein solches Ausmaß angenommen haben, dass die Menschen aufgaben und ihre Wohnsitze verließen. Es ist schwer zu glauben, aber es gibt kaum Anzeichen dafür, dass in den nachfolgenden 300 Jahren überhaupt Menschen in dem an sich sehr fruchtbaren Land gelebt haben. Erst in dem nun wieder wärmer werdenen Klima danach sickerten von Norden dänische Siedler in das Gebiet ein, während sich von Südosten her über weite Teile Holsteins slawische Siedler ausbreiteten. Das Wikingerzeitalter war angebrochen und als Folge dessen entwickelte sich eine kleine Siedlung an der Schlei zu einem der wichtigsten Handelszentren Nordeuropas und schuf schnell ein ganz neues kulturelles und wirtschaftliches Umfeld: das weithin berühmte Haithabu.

Was aber war aus den Angeln und ihren Nachbarn, den Jüten im Norden und den Sachsen im Südwesten, geworden? Die archäologischen Befunde sind mit immer verfeinerteren Techniken wieder und wieder untersucht worden, und die Ergebnisse unterliegen heute keinem Zweifel mehr: Der Großteil der Bevölkerung hat das Land verlassen. Siedlungen wurden aufgegeben, die Belegung der Begräbnisstätten bricht ab und – eine der beweiskräftigsten Aussagen – Pollenanalysen der entsprechenden Erdschichten beweisen, dass keinerlei landwirtschaftliche Nutzpflanzen mehr angebaut wurden. Diese Tatbestände gelten als so gesichert, dass alle Fachleute eine mögliche Fehlinterpretation der Befunde ausschließen.

Es sind altenglische Schriftquellen, aus denen wir nun plötzlich erfahren, dass genau zu dieser Zeit – nämlich ab Mitte des 5. Jahrhunderts – Völkerschaften aus Norddeutschland in Britannien auftauchten und das Land schon bald einen neuen Namen tragen sollte: England – Land der Angeln. Die Angelsachsen und späteren Engländer waren sich immer bewusst, dass der Ursprung ihres Volkes nicht in Britannien selbst lag. Die Schriftquellen über die Ereignisse sind aber äußerst dürftig und zudem sehr viel jünger. Es handelt sich dabei vor allem um zwei Werke: De Excidio et Conquestu Britanniae des walisischen Geistlichen Gildas, das etwa 100 Jahre nach den darin beschriebenen Ereignissen niedergeschrieben wurde, sowie die Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum des Beda von Jarrow, die erst 300 Jahre später entstand. Noch spätere Quellen, wie die Schriften des Simon von Durham oder die unter dem Namen Anglo Saxon Chronicle bekannte Auflistung historischer Daten, bieten zwar viel Interessantes über die späteren angelsächsischen Königreiche, die uns hier interessierenden Vorgänge aber verschwimmen in einem undurchdringlichen Nebel aus Mythen und Legenden. Vor allem der Versuch, das weitere Schicksal der Angeln selbst und das ihrer Religion dingfest zu machen, ist ein eher mühsames Unterfangen. Das konventionelle Bild der Geschehnisse, so wie es bis heute vor allem in populärwissenschaftlichen Darstellungen vermittelt wird, liest sich in etwa so:

Nachdem die letzten römischen Truppen Britannien im Jahr 407 verlassen hatten, litt das Land schwer unter räuberischen Einfällen irischer Piraten und der als völlig unzivilisert geltenden Pikten, die damals das heutige Schottland bevölkerten und über die wir kaum etwas wissen. Es ist bis heute nicht ganz klar, ob die Pikten selbst Kelten waren oder einer vor-indoeuropäischen Bevölkerung angehörten. Als wahrscheinlicher gilt Letzteres, wenn auch bereits mit vereinzelten keltischen Einsprengseln und Einflüssen gerechnet werden muss. Eine Keltisierung Schottlands aber erfolgte erst sehr viel später durch die aus Irland einwandernden und dem Land seinen Namen gebenden Skoten (eine Tatsache, die in Schottland allerdings ungern zur Kenntnis genommen wird und die man einem Schotten gegenüber im Gespräch lieber nicht erwähnen sollte). Diese Raubzüge der Pikten müssen wohl schnell eine solche Form angenommen haben, dass Vortigern (keltisch: Guorthigirn, lateinisch: Vertigernus, angelsächsisch: Wyrtgeorn), einer der britischen Kleinkönige, sich nicht mehr anders zu helfen wusste, als germanische Söldner anzuwerben, um des Problems Herr werden zu können. Diese Truppen unter ihren Anführern Hengist und Horsa aber meuterten nach einiger Zeit und erpressten so Siedlungsland für sich selbst, ein Erfolg, der weitere germanische Kriegertruppen ins Land lockte. Zudem verbreitete sich dadurch in Norddeutschland die Kunde, dass in Britannien reiche und fruchtbare Landschaften nur auf den warteten, der beherzt genug war, sie zu erobern. Also entschlossen sich die Angeln, Jüten und große Teile der Altsachsen zur Auswanderung, die man sich als Völkerwanderung riesigen Ausmaßes vorstellte, bei der die genannten Völker unabhängig voneinander und als in sich geschlossene ethnische Einheiten wie eine gigantische Flutwelle das Land überschwemmten. Trotz kriegerischen Widerstandes der Einheimischen wurden diese von den Einwanderern vor sich her in ihre künftigen Rückzugsbiete in Wales und Cornwall getrieben, wie welkes Laub in einem Herbssturm, bis durch die Schlacht am Mons Badonius (Badon Hill) die endgültigen Siedlungsgrenzen zwischen Germanen und Kelten geschaffen wurden (die noch heute den Grenzen Englands zu Cornwall, Wales und Schottland entsprechen). Mehr als einmal wurden Parallelen zu der Besiedlung Nordamerikas gezogen, die ebenfalls ohne Rücksicht auf die Existenz bereits dort lebender Völker vonstatten ging. Keltische Briten, die nicht schnell genug flohen, seien entweder umgebracht oder versklavt worden.

Dieses herkömmliche Bild, wie es immer noch verbreitet wird, ist jedoch nicht nur viel zu vereinfacht, sondern scheint in wesentlichen Aspekten auch ganz klar falsch zu sein. Der Beginn dieser Geschichte klingt allerdings noch sehr glaubhaft: Es ist offensichtlich, dass Britannien im späten 4. und frühen 5. Jh. unter Angriffen und Beutezügen benachbarter Völkerschaften litt, und zwar nicht nur durch Pikten und Iren, sondern auch durch die an den Nordseeküsten lebenden Germanen, denn die militärische und politische Situation in Britannien nach Abzug der römischen Truppen lud geradezu dazu ein. Zudem besaßen die Germanen, die im Fall der sächsischen Nordseepiraten ihre befestigten Stützpunkte an der südlichen Kanalküste geographisch gezielt für Überfälle auf Britannien angelegt hatten, eine Religion und Ideologie, die militärisches Abenteuertum auch noch guthieß – sowie einen Überschuss an Kriegern, die teilweise auch in römischem Dienst noch eine hervorragende Ausbildung genossen hatten.

Die Briten reagierten durchaus, um dieser Herausforderung begegnen zu können: Regionale Führerpersönlichkeiten – man mag sie Häuptlinge, Fürsten oder Kleinkönige nennen – umgaben sich mit Kriegergefolgschaften, was zu einer rapiden Gesellschaftsänderung mit so manchen Merkmalen der keltischen Zustände aus vorrömischer Zeit führte. Dass sich das offenbar recht schnell vollzog, spricht für ein geringes Ausmaß an Romanisierung und Verstädterung. Und wenn es überhaupt ein historisches Vorbild für den legendären König Artus gegeben hat, dann muss das einer der Kleinkönige aus dieser Zeit gewesen sein (oder wahrscheinlicher: einer der Heerführer, denn in den ältesten Quellen wird Artus nicht als König sondern als dux bezeichnet). Anders als der Großteil der Landbevölkerung hatten diese Fürsten offenbar alle schon das Christentum angenommen. Aber tatsächlich wissen wir sehr wenig über sie.

In der Wahl der germanischen Krieger als Verteidiger Britanniens hatte Vortigern auf den ersten Blick einen wahren Glücksgriff getan. Sie kamen als geschlossene Kriegerverbände mit ihren eigenen Anführern, ihrer eigenen Ausrüstung und größter Erfahrung im Einsatz ihrer Waffen. Das aber war nichts grundsätzlich Neues, denn archäologische Funde belegen, dass sich diese Praxis der Rekrutierung von kontinentalen Söldnern nahtlos an den römischen Abzug anschloss und wohl auch schon vorher gängige Praxis war. Zudem waren auch die „römischen“ Truppen in England keine italischen Legionen gewesen, wie man sie sich historischen Filmen nach vorzustellen neigt, sondern gallische Comitatenses mit hohem germanischen Anteil, sodass sich in den Augen der Briten die neuen germanischen Söldner kaum von den „römischen“ Truppen unterschieden haben dürften. Gerade die Sachsen waren bereits lange vorher als Krieger weithin berühmt und berüchtigt. Auch die Römer setzten sie mit Vorliebe für ähnliche Aufgaben ein. Reguläre militärische Truppen sind nämlich erfahrungsgemäß gegenüber partisanenartiger Guerilla-Taktik, wie sie für kriegerische Beutezüge typisch ist, wenig effektiv. Ganz anders aber die germanischen Krieger, die diese Taktik ebenfalls bis zur Perfektion beherrschten – waren doch (wie schon erwähnt) gerade die Sachsen selbst schon Jahrzehnte vorher durch solche Raubzüge zur See auf beiden Seiten des Ärmelkanals unangenehm aufgefallen. In der Tat scheinen die Söldner das Problem mit Leichtigkeit in den Griff bekommen zu haben, was für die erfolgsgewohnten Plünderer aus dem Norden eine äußerst überraschende und schmerzhafte Erfahrung gewesen sein dürfte, denn praktisch über Nacht hört man nichts mehr von irgendwelchen Pikten oder Iren. Nun ist die Revolte einer solchen Truppe aber eine ständige Gefahr. Als bezahlte Söldner standen sie in konstanter wirtschaftlicher Konkurrenz mit Adel und Kirche um das Sozialprodukt, ihr Anteil daran aber wurde von ihren Konkurrenten bestimmt und kontrolliert. So gesehen war es nur folgerichtig, dass sie deren Schwäche ausnutzten und sich selbst die Position verschafften, über Steuern und andere Einkünfte bestimmen zu können. Weit verstreute Landgüter, wie sie für die römisch geprägte Landwirtschaft typisch waren, sind solchen Umwälzungen gegenüber besonders verwundbar.

Wann genau holte Vortigern diese Söldner ins Land? Wenn die Quellen insofern stimmen, dass deren Revolte 441 stattfand, muss der Zeitpunkt ihrer Ankunft natürlich vorher gelegen haben. Wie lange vorher, wissen wir nicht, sie muss aber dann irgendwann zwischen 420 und 435 erfolgt sein. Zunehmend angezweifelt wird heute aber vor allem die Vorstellung einer einmaligen Masseneinwanderung, und das mit plausiblen Argumenten. Es spricht viel mehr dafür, dass es sich um vergleichsweise kleine Gruppen abenteuerlustiger Kriegsgefolgschaften handelte, die sich an die Macht putschten und als Folge dessen ihre Sprache, Kultur und Religion der britischen Landbevölkerung aufdiktierten. Aber auch wenn man annimmt, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte zwischen beiden Extremen liegt, bleiben zahlreiche ungelöste Fragen, die sich ohne zukünftige Forschungen nicht beantworten lassen, da die bisherigen Erkenntnisse, auch wo es sich um harte Fakten handelt, teilweise völlig widersprüchlich wirken. Die Probleme sind insgesamt zu komplex, um sie hier ausführlich zu erörtern, dennoch ist es zum besseren Verständnis nötig, hier kurz und allgemeinverständlich auf die wichtigsten Argumente einzugehen:

Als etwa 400 Jahre später Norweger in ihren hochspezialisierten Wikinger-Langschiffen die offene Nordsee überquerten, um das nordenglische Kloster Lindisfarne zu überfallen, erregte das zwar großen Schrecken, wurde aber gleichzeitig als seefahrtstechnische Pioniertat und navigatorische Meisterleistung bestaunt. Es erschien den Zeitgenossen unglaublich, dass die Norweger diese Überfahrt nicht nur überlebt hatten, sondern mehr noch, dass sie imstande waren, ihr Ziel über diese Entfernung auch noch so punktgenau zu treffen (wenn das denn wirklich so geplant und Lindisfarne nicht nur ein Zufallsopfer war). Deshalb grenzt die immer noch verbreitete Vorstellung, dass die Angeln Jahrhunderte vorher eine riesige Flotte ihrer Boote – zusätzlich mit ihren Familien und ihrem Vieh an Bord – von Jütland aus über die Nordsee nach Britannien gerudert (!) haben sollen, eher ans Lächerliche. Alle Angeln und Jüten, die nach England gelangten, mussten zwangsläufig über eine sehr lange Strecke der Küste folgen, sei es zu Wasser oder zu Land, bis sie einen Punkt an der Kanalküste erreichten, von dem aus die Überfahrt problemlos möglich war. Das heißt, dass sie vorher mindestens bis ins heutige Belgien – idealerweise bis nach Frankreich – hätten ziehen müssen.

Natürlich ist das nicht unmöglich. Gerade das Zeitalter der Völkerwanderung, vor dessen Hintergrund sich auch das Schicksal der Angeln abspielt, kennt zahlreiche gut belegte Parallelen, bei denen ganze Völkerschaften sehr viel größere Entfernungen innerhalb Europas durchwanderten. Dennoch lauert hier bereits das nächste Problem: Durch die neue Technik der Luftbild-Archäologie (alte Siedlungsspuren lassen sich vom Flugzeug aus sehr viel deutlicher als vom Boden aus erkennen) und ihrer konsequenten, flächendeckenden Anwendung in England wurde schnell klar, dass das eisenzeitliche und römische Britannien sehr viel dichter besiedelt war als zuvor angenommen. Dadurch mussten die Bevölkerungsschätzungen drastisch nach oben korrigiert werden. War man zuvor von einer ungefähren Einwohnerzahl von 300.000 ausgegangen, legen neuere Erkenntnisse eher eine Zahl von 4 bis 5 Millionen nahe. Für einen völligen Bevölkerungsaustausch in England, so wie er stets als historische Tatsache hingestellt wird, hätte es also mindestens 1 Million Germanen bedurft, die über die Nordsee hereinströmten. Eine solche Zahl aber ist völlig unrealistisch, auch wenn man das 24 m lange Nydam-Boot mit seinem Fassungsvermögen von maximal 45 Personen als typisches Gefährt für das Unternehmen annimmt.

Auch Gildas zufolge war die Zahl der germanischen Söldner gering und kann anfangs nicht mehr als insgesamt 100 bis 150 betragen haben, je nach Größe ihrer Schiffe – wenn man Gildas glaubt, dass es drei gewesen sind. Aber auch, wenn man seine Angaben als zu unzuverlässig ablehnt, können es allein schon deshalb kaum viel mehr gewesen sein, weil keiner der einheimischen Fürsten freiwillig riesige Scharen fremder Krieger in seinem Gebiet riskiert hätte. Durch Verstärkungstruppen stieg die Zahl zwar, muss sich aber immer noch in einem Rahmen bewegt haben, dass ihr Auftraggeber sie bezahlen, unterbringen und verköstigen konnte. Ob sie ihre Familien bereits mitbrachten, wissen wir nicht, die wenigen archäologischen Belege deuten aber darauf hin. Spätere Nachrichten des Anglo Saxon Chronicle erwähnen weitere Namen und Zahlen: Ælle und seinen Söhnen werden drei Schiffe zugeschrieben, Cerdic und Cynric kamen mit fünf Schiffen, Port und seine Söhne mit zweien und eine weitere westsächsische Truppe ebenfalls mit dreien. Die erwähnten Schiffszahlen können aber sehr viel mehr den stilistischen Erfordernissen der Heldendichtung als den historischen Tatsachen entsprochen haben und somit lediglich eine literarische Abhängigkeit voneinander nahelegen. Dennoch deuten alle Angaben auf eine sehr kleine Zahl von Ankömmlingen hin, und weder archäologische Befunde noch literarische Quellen sind mit der Vorstellung einer Masseneinwanderung vereinbar oder stützen sie gar. Es ist bezeichnend, dass man eine Kriegergefolgschaft dieser Zeit mit der Zahl einer Schiffsbesatzung gleichsetzte, und es findet sich sogar die juristische Definition, dass eine Kriegertruppe von mehr als 38 Mann als „Heer“ zu bezeichnen war – dies vor allem als Hinweis darauf, mit welchen realistischen Zahlen man zu rechnen hat, wenn von damaligen „Heeren“ gesprochen wird. Aber gleichzeitig, und das dürfte kaum Zufall sein, stimmt die Zahl 38 auffällig genau mit dem Fassungsvermögen des Nydam-Bootes überein, wenn man die ebenfalls nötige Ausrüstung miteinbezieht.

Wie aber kann es möglich gewesen sein, dass eine solch vergleichsweise winzige Zahl von Kriegern die Herrschaft über ein ganzes Land an sich gerissen haben soll? Die Antwort liegt in der britannischen Gesellschaftsstruktur jener Zeit: In der sozialen Hierarchie folgte auf die Kleinkönige die Klasse der Großgrundbesitzer, die auf ihren weit verstreuten Landsitzen residierten, gründlich romanisiert und christianisiert, Zivilisten ohne jede militärische Erfahrung, aus deren Schicht sich auch die Verwaltungsbeamten, Anwälte und der Klerus rekrutierte. In ihren Händen hätte eigentlich die gesellschaftliche Führungsrolle liegen sollen, aber sie waren an Zahl zu gering, zu römisch weltoffen in ihren Ansichten, und den harten Realitäten des Alltagslebens der einfachen Menschen zu sehr entfremdet. Gildas fungiert in seinen Schriften als Sprachrohr dieser Klasse. In der kritischen Zeit zwischen dem Abzug der Römer und der angelsächsischen Machtergreifung war diese Klasse unfähig, die Notwendigkeit sozialer Umgestaltung zu erkennen und erst recht, sie auch umzusetzen. Sie lebten weiter wie zuvor und nutzten ihre Ressourcen vor allem zum eigenen Machterhalt und zur Unterstützung der Kirche, wo es doch sehr viel nötiger gewesen wäre, ihre aristokratischen Landsitze in militärische Ausbildungslager umzuwandeln, um eine neue Kriegerschicht heranzuziehen, die dem alten Gefolgschaftswesen entsprochen hätte. Wie erwähnt – es gab durchaus entsprechende Ansätze, aber die spielten sich an den wenigen Fürstensitzen ab und hätten mehr Zeit gebraucht, um wirksam werden zu können. Und eine Art Mittelschicht, aus der sich der militärische Nachwuchs hätte rekrutieren lassen, gab es nicht mehr, sondern der Rest der Bevölkerung bestand aus einfachen Bauern, die in diesem politischen System zunehmend so verarmt waren, dass sie praktisch den Status von Unfreien hatten. Eine gemeinsame Ideologie, Religion, Kultur – ja, sogar Sprache – gab es auch nicht mehr, und deshalb war diese Gesellschaft Angriffen entschlossener Bewaffneter von außerhalb wehrlos ausgesetzt, und genau aus diesem Grund waren Fürsten wie Vortigern ja auch genötigt gewesen, fremde Söldner anzuheuern, um den irischen und piktischen Raubzügen begegnen zu können.

Eine der wenigen und rühmlichen Ausnahmen unter den Großgrundbesitzern war Ambrosius Aurelianus, der bei Beginn der germanischen Bedrohung seine Bediensteten bewaffnete und sie einfache militärische Grundtechniken lehren ließ. Auch von Ambrosius Aurelianus wurde vermutet, er könne ein historisches Vorbild für Artus gewesen sein. Trotz der offensichtlichen Amateurhaftigkeit ihres Widerstandes erreichten sie aber einen länger anhaltenden Waffenstillstand mit den Neuankömmlingen. Auch wenn der regional und zeitlich begrenzt gewesen sein dürfte, macht gerade das aber deutlich, dass sie eben keinen landhungrigen Einwanderungsmassen oder übermäßig eroberungswütigen germanischen Heerscharen gegenüberstanden, gegen die sie sicherlch wenig Chancen gehabt hätten. Der Großteil dieser Aristokraten aber floh und überließ die Bauern ihrem Schicksal, die nun selbst sehen mochten, wie sie sich mit den neuen Machthabern arrangierten.

Das beliebte Klischee, alle Briten seien aus England vertrieben oder gar getötet worden, kann so also nicht stimmen. Von einzelnen und örtlich begrenzten Schreckens-Szenarios einmal abgesehen, die auf die unmittelbar Betroffenen durchaus nach Weltuntergang geschmeckt haben könnten, wird der Großteil der britischen Landbevölkerung unter den neuen Herren aber genauso weitergelebt haben, wie vorher auch, was ihre Lebensumstände kaum verschlechtert haben dürfte. Im Gegenteil: Die germanischen Vorstellungen von Herrschaft und Beherrschten waren nachweislich im gesamten Europa der Völkerwanderungszeit – auch nach heutigem Maßstab – eher human. Die britische Landbevölkerung dürfte danach jedenfalls eher als zuvor in der Lage gewesen sein, ihren wirtschaftlichen und sozialen Status zu verbessern. Im Grunde tauschten sie nur eine Fremdherrschaft gegen eine andere – und hatten auch keine Wahl. Die neuen germanischen Herren aber boten ihnen zumindest eine Annehmlichkeit, die sie lange nicht mehr gekannt hatten: Sicherheit.

Die Archäologie unterstützt diese Sichtweise: Die wenigen nachgewiesenen angelsächsischen Siedlungsspuren zeigen vom Grundtyp her große Ähnlichkeit mit den Langhäusern, wie wir sie aus Norddeutschland kennen. Im Detail aber haben sie auch britische Elemente, und vor allem fehlt ein entscheidendes Merkmal ihrer deutschen Gegenstücke: die Boxen für das Vieh. Die beste Erklärung dafür ist nun einmal, dass die Angelsachsen beim Bau der Häuser auf die Arbeitskraft Einheimischer zurückgreifen konnten und dass sie eben keine Bauernhöfe, sondern Herrensitze bewohnten.

Es gibt aber ein Argument, das die herkömmliche Sichtweise einer plötzlichen Masseneinwanderung zu stützen scheint, und das ist sehr schwerwiegend: Die englische Sprache enthält so gut wie keine Einsprengsel und Elemente des Keltischen, was darauf schließen lässt, dass beide Sprachen nicht über längere Zeit nebeneinander existiert haben können. Selbst die eifrigsten Untersuchungen haben nicht einmal zwanzig keltische Lehnwörter im Englischen nachweisen können. Noch überzeugender ist, dass auch alle Orts- und Landschaftsnamen, die erfahrungsgemäß Sprachwechsel überdauern, germanischen Ursprungs sind. Die meisten Sprachwissenschaftler beharren deshalb darauf, dass die Zahl der germanisch sprechenden Ankömmlinge so groß gewesen sein muss, dass die einheimischen Sprachen dadurch schlagartig erloschen oder zur Bedeutungslosigkeit verkamen.

Dieser sprachwissenschaftliche Befund kann aber auch anders erklärt werden. Aus allen antiken Quellen wissen wir, dass Kelten und Germanen ihrer äußeren Erscheinung nach kaum auseinanderzuhalten waren. Eine entsprechende Gruppenzugehörigkeit kann sich damals also nur durch Sprache, materielle Kultur und dem Wissen der unmittelbar Beteiligten darum ausgedrückt haben. Die germanische Gesellschaft war zwar hierarchisch gegliedert und die ständische Zugehörigkeit war durchaus von juristischer und sozialer Bedeutung, sie bildete aber kein undurchlässiges Kastensystem. Wenn es also eine Art von „Apartheid-Politik“ in dem Sinne gegeben haben sollte, dass „britisch“ gleichbedeutend mit niedrigem sozialen Status war, dann muss es einen hohen Anreiz gegeben haben, sich der angelsächsischen Sprache und Kultur möglichst schnell anzupassen, da dies die Vorbedingung für jede gesellschaftliche Verbesserung der eigenen Situation darstellte. Wenn sich Sprache und Kultur der herrschenden Klasse auf diese Weise von oben nach unten durch die Gesellschaft verbreitete, wodurch ein stetig wachsender Anteil der Bevölkerung rechtlich gleichgestellt wurde, ist es absolut möglich, dass die ehemals keltischen Einheimischen innerhalb von zwei bis drei Generationen nicht mehr von Angeln und Sachsen zu unterscheiden waren. Das würde z.B. auch bedeuten, dass gerade aus Bestattungen, die eine wichtige archäologische Quelle darstellen, ethnische Zugehörigkeiten in keiner Weise abzulesen wären.

Dazu kommt ein weiteres Argument: Gerade die keltische Landbevölkerung abseits der wenigen städtischen Zentren dürfte – wenn überhaupt – nur sehr ansatzweise romanisiert und christianisiert gewesen sein. Dem überwiegenden Teil dieser Landbevölkerung müssen alle Aspekte der germanischen Gesellschaft mit ihrem Gefolgschaftssystem und vor allem auch ihrer Religion sehr viel bekannter und vertrauter vorgekommen sein, als alles, was sie von ihrer vorherigen Herrschaft kannte, die aus der christlich-römischen Oberklasse des Landes bestanden hatte. Die keltische Kriegergesellschaft, so wie sie uns in den irischen Quellen und den Legenden um Artus dargestellt wird, zeigt nämlich eine verblüffende Übereinstimmung mit all dem, was wir auch aus der germanischen Gesellschaft mit ihren Krieger-Eliten kennen.

Ein anderes Argument für die herkömmliche Sichtweise ist, dass im 5. Jahrhundert die meisten Siedlungen in Schleswig-Holstein aufgegeben wurden und die Bevölkerung verschwand. Aber was wurde aus ihnen, wenn sie nicht nach England auswanderten? Tatsächlich wissen wir, dass ein Teil der Angeln nicht nach Britannien ging, sondern gemeinsam mit den Warnen nach Süden in das Gebiet der oberen Elbe wanderte, wo sie noch zu Zeiten Karls des Großen die Oberschicht des Königreiches Thüringen bildeten (das geographisch aber eher im Nordteil des heutigen Sachsen-Anhalt lag). Auch das in karolingischer Zeit aufgezeichnete Thüringische Gesetz – das Lex Angliorum et Werinorum hoc est Thuringorum – belegt schon durch seine Benennung die dortige anglische Präsenz oder sogar Vorherrschaft. Der Landschaftsname Engilin an der Unstrut leitet sich ebenfalls von ihnen ab, und alle dortigen Siedlungen mit den Endungen „-leben“ und „-legen“ gelten als anglische Gründungen. Zudem ist nicht auszuschließen, dass weitere Teile von ihnen nach Süden zogen und in den Wirren der Völkerwanderung aufgingen, ohne schriftliche oder archäologische Spuren zu hinterlassen. Dennoch muss ein beträchtlicher Teil auch nach England ausgewandert sein, das will niemand bestreiten. Das aber war kein einmaliger Masseneinfall, sondern ein langsamer Prozess, eine eher stille Infiltration, die sich über mehrere Generationen hingezogen haben mag und die in ihren Anfängen schon lange vor dem Ende der römischen Herrschaft nachweisbar ist. Einen solch ursächlichen und einmaligen Zusammenhang, wie ihn Beda Jahrhunderte später zwischen der Anwerbung der Söldner und der Germanisierung Englands zieht, hat es in der Form also wahrscheinlich gar nicht gegeben. Bezeichnend ist auch, dass die Germanen das westliche englische Tiefland ja erst im 6. und 7. Jahrhundert militärisch aufrollten, wobei auch der „große Kriegszug“ mit der endgültigen Schlacht am Mons Badonius lediglich einige hundert Krieger, vielleicht sogar 1000, aber bestimmt nicht „viele Tausende“ umfasst haben kann. Dabei muss man überhaupt die möglichen Bevölkerungszahlen der Zeit im Auge behalten. Nach eingehender Abwägung aller Daten geht man für die gesamten kontinentalgermanischen Gebiete von einer Einwohnerzahl von 2 bis 5 Millionen Menschen aus. Wenn man bei dem vergleichsweise kleinen anglischen Gebiet also z.B. 30.000 Stammesangehörige annehmen würde, wäre das eine bereits sehr hochgegriffene Schätzung. Wenn man nun weiter annimmt, dass ein Drittel davon in Thüringen endete, ein weiteres Drittel in dem Mahlstrom der Völkerwanderung aufging und das letzte Drittel in England ansässig wurde, dürfte das einigermaßen realistisch sein. Und von den Sachsen wissen wir sowieso, dass ein Großteil nach Süden in ihre späteren niedersächsischen Wohnsitze zog.

Das konventionelle Bild der Geschehnisse beruht hauptsächlich auf den Schriften von Gildas und Beda. Gildas ist dabei alles andere als verlässlich. In der Tat ist es sogar so, dass sein Werk als eines der tendenziösesten des gesamten Frühmittelalters gilt. Seine Kindheit könnte zwar noch mit den letzten Kämpfen gegen Angeln und Sachsen zusammengefallen sein, da er sich sein ganzes Leben lang aber nie weit von seinem Geburtsort entfernt hat, dürfte er einige Einzelfälle aus seiner Nachbarschaft verallgemeinert haben. Alles, was er berichtet, weiß er sowieso nur vom Hörensagen. Ausschließlich auf ihn geht das verzerrte Bild der „sächsischen Horden“ zurück (wie überhaupt die bevorzugte Bezeichnung „Sachsen“), der „schrecklichen heidnischen Wölfe, die das ganze Land in einem Meer von Blut ertränkten“, ein Bild, das sich bis heute durch triviale Bücher und Filme zieht und selbst in Zimmer-Bradleys Nebel von Avalon noch verbreitet wird, wo den doch selbst zutiefst heidnischen Einwanderern auch noch dreist unterstellt wird, ausgerechnet sie hätten die „alte Religion vernichten“ wollen. Gildas zieht alle Register alttestamentarischer Wortgewalt und macht die Briten in flammender Rede selbst für das Unheil verantwortlich, indem sie durch ihre Sünden den Zorn Gottes auf sich gezogen hätten und die Angelsachsen nur eine der kommenden Strafen seien – vergleichbar den ägyptischen Plagen. Sein Blickwinkel repräsentiert den des christlichen Klerus und der einflussreichen Großgrundbesitzer, zwei Gruppen, die klar die großen Verlierer dieser Umwälzungen waren. Dass die Sichtweise des Großteils der übrigen Bevölkerung – vor allem auf dem Lande – aber ganz anders gewesen sein dürfte, wurde bereits erläutert.

Beda versuchte das, was er zu wissen glaubte, vorurteilsloser zu berichten, aber seine Quellen waren selbst ein nebulöses Gemisch aus Mythen und Legenden – und eben die Schriften des unseligen Gildas. Beda selbst wusste praktisch gar nichts über diese zeitlich lange zurückliegenden Vorgänge. Aber er gab den Engländern Antworten auf die Grundfragen nach ihren Ursprüngen, und er war es auch, der Hengist und Horsa zu den Anführern der „Völkerwanderung“ machte. Er nahm sich die Gründungsmythen vor, verpasste ihnen willkürlich Jahreszahlen und umgab sie so mit einer Aura von Historizität, und viele Gelehrte nach ihm verfuhren genauso. Beda war aber z.B. nicht bewusst, dass die Anwerbung der ersten Söldner und das, was er als Masseneinwanderung deutete, zwei völlig unterschiedliche Ereignisse waren, die auch zeitlich auseinander lagen. Für ihn war das ein und dasselbe. Beda berichtet:

„Von den Jüten stammen die Völker in Kent und die Victuarier, das sind die Leute auf der Insel Wight, und die in der Prvinz Wessex, die der Insel Wight gegenüber liegt und die bis heute Jüten genannt werden. Von den Sachsen aus dem heute als Alt-Sachsen [d.i. Niedersachsen] bekannten Land stammen die Ost-, Süd- und Westsachsen. Und von den Angeln, die aus dem Land Angelus [d.i. Angeln] stammen, das bis heute unbewohnt geblieben ist, leiten sich die Völker in Ost- und Mittel-Anglia, Mercia und Northumbria […] sowie alle anderen englischen Völker ab.“

Aus anderen Quellen wissen wir zwar, dass auch andere Elemente (Franken und Friesen) an den Vorgängen Anteil hatten, es gibt aber eine sehr überzeugende Erklärung für Bedas literarische Beschränkung auf gerade die Angeln, Jüten und Alt-Sachsen: Wenn wir Bedas Latein nämlich zurück ins Altenglische übersetzen, wird daraus, dass die Engländer die Abkömmlinge of Englum ond of Eotum ond of Ealdsaxum sind. Und plötzlich haben wir hier die alte poetische und stabreimende Dreifachformel, die uns aus anderen germanischen Überlieferungen so geläufig ist und uns sofort z.B. an „Ingvaeonen, Istvaeonen und Irminonen“ erinnert. Das lässt es als ziemlich sicher erscheinen, dass Beda hier alte Dichtung aus mündlicher Überlieferung zitiert, die deshalb natürlich nicht falsch sein muss. Es ist aber sehr bezeichnend, dass Beda – von der oben zitierten Stelle abgesehen – die Einwanderer in ihrer Gesamtheit sonst immer pauschal „Angeln oder Sachsen“ nennt, als seien diese Namen lediglich unterschiedliche Begriffe für ein und dasselbe Volk. Einerseits haben Bedas Abstammungsangaben also alle Anzeichen einer Rückprojektion und müssen deshalb mit Vorsicht genossen werden, andererseits aber müssen sie auch einen wahren Kern haben, und es kann keinen Zweifel daran geben, dass Angeln und Sachsen die Hauptrollen in den Ereignissen gespielt haben müssen, während die Jüten, Franken und Friesen eine vergleichsweise vernachlässigenswerte Größe gewesen zu sein scheinen.

Das wirft die Frage auf, welcher Art denn überhaupt die alten Beziehungen zwischen Angeln und Sachsen in ihrer ursprünglichen Heimat Schleswig-Holstein gewesen sind. Die Sachsen werden erstmals von Ptolemaios um 150 n.u.Z erwähnt, also etwa 50 Jahre nach Tacitus’ Erwähnung der Angeln. Ptolemaios beschreibt diese ersten Sachsen als im südwestlichen Schleswig-Holstein lebend (was als ihr Ursprung von der Archäologie bestätigt wird) und ihr Gebiet als sich teilweise mit dem der Angeln überschneidend. Etliche Wissenschaftler haben daraus geschlossen, dass die Sachsen eine Abspaltung der Angeln gewesen sein könnten oder dass die Sachsen ursprünglich der Kriegerbund der Angeln waren, die schließlich zu einem eigenen Volk wurden. Genau ein solcher Prozess wird heute nämlich für viele ethnische Entwicklungen innerhalb der germanischen Welt verantwortlich gemacht. Die Existenz und soziale Bedeutung dieser Kriegerbünde ist ein hochkomplexes Thema, das deshalb hier nicht weiter vertieft werden kann. In jedem Fall aber muss es bereits in alter Zeit eine enge Verflechtung zwischen Angeln und Sachsen gegeben haben, egal ob sie aus jahrhundertelanger enger Nachbarschaft oder gemeinsamem Ursprung herrührt. Für Außenstehende dürften die beiden Gruppen durch nichts unterscheidbar gewesen sein.

Ethnizität war in der germanischen Welt keineswegs so festgelegt, wie ältere Modelle und auch noch gewisse Zeitgenossen das gerne hätten. Teilweise scheint immer noch die Vorstellung verbreitet, man müsse sich das germanische Stammessystem ähnlich vorstellen, wie die Beziehung der indianischen Völker in Nordamerika untereinander (die völlig unterschiedliche Sprachen und Kulturen hatten). Interkulturelle Vermischung war aber eine zwangsläufige Folge des gesamten germanischen Sozialsystems, da es sich um eine kriegerische Gesellschaft handelte. Und in einer solchen Gesellschaft war soziale Mobilität – sowohl bei Einzelnen wie auch bei Gruppen – eher Norm und Notwendigkeit. Das Schicksal politisch miteinander Verbundener war stets sehr unsicher, und jeder Krieger hatte völlige Freiheit, seinen Ruhm und sein Glück bei jedem beliebigen Gefolgschaftsherrn zu suchen, egal ob es sich dabei um einen germanischen oder keltischen Fürsten, den römischen Kaiser oder den König der Hunnen handelte. Dieses Sozialsystem bildete eine Art von kulturellem Klebstoff, der damals ganz Europa über alle Sprach- und Völkergrenzen hinweg zusammenhielt. Die damaligen europäischen Völker waren schon deshalb keine „geborenen Erzfeinde“, weil sie nie so etwas wie eine erst im 19. Jahrhundert erfundene „nationale Identität“ besaßen. Der Dienst in der römischen Armee muss extrem beliebt gewesen sein – kein Wunder bei der dort auch nach heutigem Maßstab mustergültigen Sozialversorgung. In allen europäischen Schlachten dieser Jahrhunderte kämpften regelmäßig auf beiden Seiten keltische und germanische Truppen.

Viele jener germanischen „Stämme“ und „Völker“, die in den römischen Quellen auftauchen, die fünfzig Jahre später aber niemand mehr kennt, können einfach keine „Völker“ im heutigen Sinne des Wortes gewesen sein, sondern müssen ursprünglich Kriegerverbände gewesen sein, die um so mehr Zulauf aus allen Richtungen erhielten, je erfolgreicher sie waren. Natürlich konnten aus solchen Zusammenschlüssen neue „Völker“ entstehen. Die Alemannen sind ein typisches Beispiel dafür, wobei bereits ihr Name beweist, dass es sich dabei um ein völlig multikulturelles Projekt gehandelt haben muss, was durch alle Quellen bestätigt wird. Im Fall der Goten und der Geschichte ihrer Wanderungen wird zusätzlich deutlich, wie wahllos sich völlig unterschiedliche (auch nichtgermanische) Völkerschaften als „Goten“ identifizierten, und zwar einfach dadurch, indem sie sich nach Anschluss oder Unterwerfung als solche bezeichneten. Das wiederum funktionierte vor allem durch Übernahme einer „ideologischen Mythologie“: Die Anführer der ursprünglichen Kerngemeinschaft waren geradezu gezwungen, einen göttlichen Abstammungsmythos für sich selbst zu definieren, der als Identifikationsmodell diente und durch dessen Anerkennung jede Person der sozialen Gruppe eingegliedert werden konnte. Für die Zeit der Völkerwanderung dürfte das eine solch politische Notwendigkeit gewesen sein, dass hier religionshistorisch völlig andere Maßstäbe angelegt werden müssen als z.B. im Island des 10. Jahrhunderts. Andererseits konnten solche Einheiten aber auch buchstäblich über Nacht wieder zerfallen, nämlich im Fall einer militärischen Katastrophe.

Auf jeden Fall war Ethnizität in der altgermanischen Welt ausschließlich eine Frage der individuellen und politischen Entscheidung und hatte nicht das Geringste mit genetischer oder gar „rassischer“ Zugehörigkeit zu tun. Das gilt nicht nur für die innergermanische Welt (in unserem speziellen Fall für Angeln und Sachsen), sondern für die gesamte damalige Welt, bildete somit also auch keinen Hinderungsgrund für die Verschmelzung von Kelten, Angeln und Sachsen in England. Sowohl Kelten wie auch Germanen waren in sich selbst ja kein jeweils einheitliches Volk, sondern diese heutigen Begriffe beziehen sich ausschließlich auf eine sprachliche Verwandtschaft, wohingegen Kultur und Religion sowohl innerhalb der keltischen wie auch germanischen Welt große Unterschiede aufgewiesen haben dürften. Man muss sich stets klar darüber sein, dass der Begriff „Kultur“ in archäologischem Sprachgebrauch ausschließlich auf Ähnlichkeiten von Keramikformen, Schmuckstilen usw. beruht, und ob dieser Kulturbegriff der damaligen sozialen Realität entsprach, ist keineswegs gesichert. Archäologen sind sich dieses Problems völlig bewusst, bei Laien löst der Begriff „Kultur“ aber meistens viel umfassendere Vorstellungen aus, als in diesem Zusammenhang damit gemeint sind.

Es gibt keine Gründe zu der Annahme, Angeln, Sachsen und Jüten seien getrennt und unabhängig voneinander als intakte ethnische Einheiten nach England gelangt. Diese Gruppen müssen bereits gemischten Ursprungs gewesen sein und auch andere ethnische Elemente enthalten haben. Das gilt gleichermaßen für die ersten Söldnertruppen wie für die späteren Siedler. Die bis heute existierenden Namen der Königreiche mit den alten Volksnamen (Essex, Wessex, Sussex, East- and Middle-Anglia) beweisen nicht, dass die Neuankömmlinge als ursprüngliche Volksgruppen getrennt voneinander blieben, sondern können bestenfalls vage Hinweise auf ursprüngliche Kerngruppen geben, die aber sehr klein gewesen sein mögen. Wenn das alte Stammessystem in der neuen Heimat überhaupt noch eine Bedeutung besaß, muss es jedenfalls sehr bald bedeutungslos geworden sein, und die weit verstreuten Angehörigen der ehemaligen Volksgruppen bildeten neue Machtblöcke, die sich ausschließlich an den veränderten politischen Notwendigkeiten orientierten und aus denen sich dann das mittelalterliche England formte.

Großes Augenmerk wurde von der Forschung auf die unterschiedlichen Begräbnisformen in England gerichtet, Körper- und Brandbestattung, und oftmals ist zu lesen, dass in sächsischen Gebieten die Körperbestattung, in anglischen dagegen die Brandbestattung üblich war. Daran ist zwar ein wahrer Kern, eine solche Befundinterpretation aber ist missverständlich. Nördlich der Themse (in den anglischen Gebieten) belegen ab der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts archäologische Funde tatsächlich die Ankunft von Siedlern mit einer ausschließlich nordgermanischen Kultur, hinter denen wir ganz klar die Angeln annehmen dürfen. Folgerichtig finden sich dort auch Beispiele für die germanische Brandbestattung, jedoch nicht in solcher Überzahl, dass sie Hinweis auf eine Masseneinwanderung sein könnten – zumindest, wenn man bei dem Begriff an Zehntausende von Menschen denkt. Im südlichen England hingegen (den sächsischen Gebieten) finden sich tatsächlich Kriegergruppen, die ihren Toten eine beigabenreiche Körperbestattung angedeihen ließen. Das aber kann kaum ein überzeugender Beleg für die Sachsen sein, denn die hatten auf dem Kontinent ebenfalls die Brandbestattung praktiziert, und warum hätten sie diese Sitte nach einer plötzlichen Eroberung geändert haben sollen? Hier haben wir neben dem einheimischen keltischen Brauchtum vielmehr die Tradition der seit Jahrhunderten als römische Soldaten in England vetretenen Gallier, Friesen, Franken (usw.). Das lässt es sogar fraglich erscheinen, ob von den kleinen Kriegertruppen abgesehen spätere sächsische Neusiedler hier überhaupt in nennenswerter Zahl vertreten waren, denn das hätte die Kontinuität dieses Bestattungsmusters doch durch einen zumindest teilweisen Wechsel zur Brandbestattung verändern müssen.

Der Name „Angeln“ für alle in Britannien lebenden Germanen ist erstaunlich früh bezeugt, nämlich bereits 601 in einem Brief Papst Gregors des Großen an König Æthelberht von Kent (der selbst angeblich ein Jüte war), der darin als Rex Anglorum (König der Angeln) angeredet wird. Das belegt, dass die Selbstbezeichnung „Angeln“ sehr bald von allen Einwohnern für sich selbst angenommen worden ist. Die Gründe dafür sind nicht ganz klar: Entweder waren sie sich tatsächlich in überwiegender Mehrzahl dieser Herkunft bewusst oder aber eines der anglischen Königreiche übte eine entsprechende kulturelle Vorherrschaft aus, was zu der Zeit am ehesten auf Mercia zugetroffen haben könnte. Die Bezeichnung „Angeln und Sachsen“ fiel zwar nie in Vergessenheit, wurde nachfolgend aber fast nur noch von Gelehrten und Dichtern benutzt.

Wie steht es nun mit Hengist und Horsa? Waren die beiden historische Figuren? Beda erwähnt ein Steindenkmal mit Inschrift im östlichen Kent, das anlässlich des Todes von Horsa errichtet worden sein soll. Das aber ist unmöglich, denn abgesehen von den Runen waren dessen Gefolgsleute noch Analphabeten, und die Sitte, Runensteine zum Gedenken an Tote zu errichten, kam erst sehr viel später auf. Wenn eine solche Inschrift existierte, dann war sie entweder die Hinterlassenschaft römischer Truppen und enthielt wahrscheinlich das Wort (CO)HORS, oder aber es handelte sich um ein Erzeugnis aus dem 7. Jahrhundert, durch das die Könige von Kent ihren Herrschaftsanspruch über den ganzen Süden zu rechtfertigen trachteten, indem sie sich von einer der legendären Gründungsgestalten abzuleiten versuchten. Auch die Erwähnung Hengists in den königlichen Stammbäumen von Kent riecht verdächtig nach späterer Einfügung. Da beide Namen dasselbe bedeuten (Pferd), ist vermutet worden, die Doppelung könne ein Missverständnis aus einer möglichen Randbemerkung in einem alten Manuskript sein, in der lediglich erklärt wird, dass der Name Hengist eigentlich „Horse“ bedeute. Andererseits ist diese doppelte Führerschaft aber auch bei anderen Stämmen der Völkerwanderungszeit erwähnt (z.B. bei den Vandalen) und entspricht zudem dem als ver sacrum bei allen indoeuropäischen Völkern bekannten Brauch der Aussendung von Neusiedlern. In allen Fällen stammen diese Berichte aber aus mündlicher Überlieferung und müssen deshalb vom streng historischen Standpunkt aus unsicher bleiben. Es wurde auch die Möglichkeit erwogen, dass hinter diesen Erzählungen keine menschlichen Anführer stehen, sondern die alten Zwillingsgottheiten, die bei vielen indoeuropäischen Völkern belegt sind. Tacitus nennt sie bei den Germanen Alcis und setzt sie mit mit den römischen Entsprechungungen Castor und Pollux gleich. Die heutige Forschung sieht Hengist und Horsa eher als Mythos. Da aber Vortigern, der angeblich die ersten germanischen Söldner ins Land holte, durchaus für eine historische Person gehalten wird, ist es nicht unmöglich, dass zumindest für Hengist auch eine reale Person als Vorbild diente.

Belege für Details der heidnischen Religion finden sich deshalb kaum, weil Schriftquellen aus der fraglichen Zeit so gut wie gar nicht existieren. Beda berichtet lange Jahrhunderte später einige interessante Details, die aber nur Blitzlichtern in dunkler Nacht vergleichbar sind, und für die er selbst keine wirklichen Quellen mehr hatte. Orts- und Flurnamen, überlieferte Heil-, Segens und Zaubersprüche, sowie mittelalterliche Bußbücher geben ebenfalls Hinweise. Die meisten dieser Hinweise können aber nicht mehr als Belege für speziell alt-anglische Traditionsreste gelten: Ab 862 eroberten dänische Wikinger die anglischen Gebiete Northumberland und East-Anglia, was so viele dänische Neusiedler anzog, dass die Gebiete künftig als Danelag („unter dänischem Gesetz“) bekannt waren. Ab 978 stand dann das gesamte Land unter heftigster Bedrängnis dänischer Wikinger, dessen komplette Eroberung Alfred der Große, König von Wessex, nur mit großer Not verhindern konnte. 1016 wurde der dänische Herrscher Knut der Große auch König von England, vereinigte England mit Dänemark und dessen Söhne herrschten dort bis 1042. Auch in dieser Zeit kam es zu einer neuen und beträchtlichen Einwanderungswelle heidnischer Dänen.

Bestattungen wurden stets als reichhaltigste Quelle religiöser Anschauungen betrachtet. Aber neben den bereits erwähnten Problemen, wie weit eine ethnische Zugehörigkeit aus Gräbern in diesem Fall überhaupt abzulesen ist, treten hier auch rein archäologische Probleme zu Tage: Nur wenige Gräber, egal ob Brand- oder Körperbestattungen, lassen sich in genauen stratigraphischen Zusammenhang zueinander bringen, sodass sich eine Datierung nur über eine vergleichende Typologie der Grabbeigaben erreichen lässt. Die aber kann nur relativ und nicht absolut sein. Da der entscheidende Zeitraum sehr kurz ist, nutzt die C-14 Analyse hier wenig, da deren Resultate einen zu großen Spielraum aufweisen. Und eine verlässliche dendrochronologische Datenbasis existiert für die Britischen Inseln aus Mangel an Funden nicht.

Die Praxis von Grabbeigaben ist natürlich schon an sich eine rein heidnische Sitte, und Darstellungen wie die auf der Schatulle von Sutton Hoo, die einen Mann zwischen zwei Tierfiguren und einen Adler zeigt, die Gestalt mit Hörnerhelm auf der Spange von Finglesham, der Eber auf dem Helm von Benty Grange beziehen sich sicher auf allgemein bekannte, religiöse Details der germanischen Welt, aber sie lassen sich nicht mit konkreten Figuren aus der uns bekannten Götter- und Heldendichtung verbinden, auch wenn immer wieder phantasievolle Vorschläge dazu aufkommen. In Sewerby lässt sich ein Grabfund als Menschenopfer interpretieren und absichtlich zerstörte Gegenstände und Waffen aus Funden dürften ebenfalls Reste von Opfern sein. Es sieht so aus, als sei Runeninschriften Schutz- oder Zauberkraft zugeschrieben worden, aber dafür sprechen lediglich einige sprachlich sinnlos scheinende Ritzungen. Die weitaus meisten englischen Runendenkmäler stammen aus christlicher Zeit. Genausowenig wie in Skandinavien scheint die englische Kirche ein Problem mit dem Gebrauch der Runen gehabt zu haben.

Die Verehrung Wotans (als Woden) ist sehr gut belegt, denn alle königlichen Stammbäume Englands führen sich auf ihn zurück (mit Ausnahme der Dynastie von Essex, die sich auf Saxnot zurückführt). Auch damals scheint der Gott schon die späteren Charakterzüge besessen zu haben: Er galt als Gott der Schlachten und des Sieges, aber auch schon als Gott der Zauberei. Somit scheint seine Verbindung mit den Runen sehr alt und keine späte skandinavische Entwicklung zu sein. Aber es gibt keinen Hinweis auf ihn als „Götterkönig“, was wenig verwunderlich ist, denn als solcher taucht er auch in der Lieder-Edda noch nicht auf, sondern das scheint eine reine Interpretation Snorris zu sein, auch wenn man diese Rolle Odins in fast jedem Buch zu dem Thema als angebliche Tatsache findet. Sein Name hat sich in zahlreichen Ortsnamen erhalten (Wednesfield, Wensley, Woodnesborough usw.). Der heidnische Polytheismus ging bei den Einwanderern mit einer Ideologie einher, die sehr viel besser als das Christentum einem Pragmatismus und Opportunismus Vorschub leistete, der die begünstigte, die von den chaotischen politischen Verhältnissen der Zeit profitieren wollten. Die Verehrung Wodans gab den Kriegern vielleicht sogar ein Rollenmodell vor, das List und Betrug miteinschloss. Es dürfte somit kein Zufall sein, dass sich der Großteil der überlieferten Genealogien auf Wodan zurückführen lässt. Die Mehrheit der anglischen und sächsischen Krieger dürfte sich mit diesem Gott identifiziert haben.

Thunaraz / Thor scheint (als Thunor) genauso populär wie in allen anderen germanischen Ländern gewesen zu sein. Die altnordische Olafs Saga bezeichnet Thor ausdrücklich als Engilsmannagoð (Gott der Engländer). Altenglische Ausdrücke wie Þunor-rad (Donner-Fahrt) machen klar, dass er auch damals schon als wagenfahrend gedacht wurde. Ausgrabungen eines Gräberfeldes in Gilton (Kent) förderten zwei Hammer-Amulette aus dem 6. Jahrhundert zu Tage, die bereits um den Hals getragen wurden (Abb. in Capelle 1990, S. 81). Dieser Fund ist besonders erwähnenswert, widerlegt er doch die auch in neueren Büchern immer noch gängige Behauptung, das Tragen von Thorshämmern sei erst 400 Jahre später in Skandinavien gegen Ende der heidnischen Ära als Reaktion auf die um den Hals getragenen Kreuze der Christen aufgekommen. Auch Thunors Name ist in zahlreichen Ortsnamen belegt (Thunderfield, Thunderley, Thursley usw.), aber in keinem königlichen Stammbaum. Eine Verbindung von Ortsnamen mit dem Element „Hammer-“ zu ihm ist ebenfalls erwogen worden (Hameringham, Hamerton, Hammerwick etc.).

Die Belege für Teiwaz / Tyr (als Tiw) sind spärlich. Es gibt drei Ortsnamen (Tislea, Tyesmere and Tysoe), die als gesichert gelten, sowie einige Personennamen (Tiwald, Tiovald and Teolfinga) … und dann gibt es da noch diesen Saxnot als göttlichen Stammvater der Essex-Könige, über den man praktisch überhaupt nichts weiß. Der taucht allerdings auch in dem bekannten altsächsischen Taufgelöbnis aus dem Niedersachsen des 8. Jahrhunderts auf („Ich entsage allen Worten und Taten des Teufels, Donar, Wodan, Saxnot und allen Unholden, die ihre Genossen sind“). Er muss also eine bedeutende Gottheit gewesen sein, und die meisten Wissenschaftler vermuten in dem Namen lediglich eine andere Bezeichung für Teiwaz / Tyr. Allerdings gibt es dafür keinerlei Beweis, sondern das ist eine reine Hypothese, die zudem 1989 durch Peter Pieper mit bedenkenswerten Argumenten kritisiert wurde, der hinter diesem Namen mit größerer Wahrscheinlichkeit Freyr vermutet.

Brachten die Angeln den Nerthus-Kult mit nach England, oder glaubten sie die Göttin untrennbar mit der alten Heimat verbunden? Ihr Name ist in England nicht belegt, aber es gibt gute Gründe zu der Annahme, dass sich lediglich ihr Name geändert hat, denn die Verehrung einer Erdgöttin mit dem Namen Erce ist gut belegt. Ein alter Segensspruch lautet: Erce, eorþan modor, hal wes þu (Erce, Erdmutter, Unversehrtheit sei dir). Jahreszeitliches Brauchtum spricht zusätzlich für diese Theorie: Bis in neueste Zeit fanden Mai-Umzüge statt, die uns verblüffend an die Berichte des Tacitus erinnern. Priester und Göttin wurden von Verkleideten verkörpert. In lokalen Varianten wurde die Göttin aber auf den Schultern der Männer als Standbild herumgetragen, und auch ein Pflug war Bestandteil der Prozession, der als Erinnerung an den alten Kultwagen gedeutet wurde. Der friedliche Fruchtbarkeitscharakter des Spektakels würde sich abermals mit Tacitus’ Bemerkung decken, dass bei den Nerthus-Feiern alles „Eisen“ (also Waffen) weggeschlossen werden musste. Von Beda wiederum erfahren wir, dass altenglischen Kultdienern angeblich das Tragen von Waffen generell verboten war und sie nur Stuten reiten durften. Das könnte ein weiterer Hinweis auf den Nerthus- oder auch Wanenkult sein, denn jemand in kultischer Funktion, der auf Grund seines Amtes in konstantem Kontakt mit der Göttin stand, konnte somit niemals Waffen tragen.

Von Beda stammt auch der einzige Hinweis auf die Göttin Eostre. Jakob Grimm hat aus diesem Namen eine gemeingermanische Göttin mit dem Namen Ostara konstruieren wollen. Dieser Monatsname und sein heidnischer Ursprung stehen zwar außer Zweifel, die althochdeutsche sprachliche Form aber stammt aus späteren christlichen Zeiten. Wenn diese Göttin tatsächlich auch hierzulande bekannt war, dann muss ihr alter Name Austro gelautet haben.

Seltsamerweise gibt es keine altenglischen Belege für Frigg. Sie muss aber bekannt gewesen sein, denn William von Malmesbury erwähnt sie als Wodens Gattin (auch das also wohl eine recht alte Vorstellung). Aber keine weitere Spur findet sich von ihr in den altenglischen Quellen. Außer Frigg, Erce and Eostre ist der einzig weitere belegte weibliche mythologische Name der der Sonne (Sunna).

Auch wenn wir nur ein sehr verschwommenes Bild der Lage besitzen, scheint es doch sehr sicher, dass es keine landesweite „Priesterschaft“ gab. Genausowenig wie in der alten Heimat gab es auch in England keine zentrale geistliche Autorität (weil es sich eben nicht um moderne zentralistische Staaten handelte), sondern bestenfalls ein unzusammenhängendes System einzelner Tempel und Heiligtümer, die den jeweiligen Bedürfnissen der Bevölkerung vor Ort dienten. Heidnische Tempel sind durch Ausgrabungen bezeugt (u.a. in Yeavering).

Aber das Christentum kam schnell und breitete sich zwischen 600 und 660 vom Südosten nach Westen und Norden aus. Das heißt, dass germanisches Heidentum nicht einmal hundert Jahre lang in England vorherrschend war. Die Bekehrung scheint friedlich und gewaltlos erfolgt zu sein und begann bei den Königen, die schnell die politischen Vorteile erkannten, die sich ihnen dadurch boten. Die Bekehrung war meistens auch deshalb einfach, weil die germanische Religion nicht auf verkündeten Glaubensvorschriften beruhte, sondern ausschließlich auf Erfolg in allen Lebensbereichen als Resultat von Opfer und Kult, und die Menschen opferten, weil die Götter ihnen halfen. Die Religionsgrundlage war nicht dogmatischer Fundamentalismus, sondern schlicht und einfach die Effektivität, die man sich davon erhoffte. Wenn sich jemand einer neuen Gottheit zuwandte und das Erfolg zeigte, wurde die neue Gottheit (auch von anderen in der Gemeinde) problemlos akzeptiert. Andererseits ließ diese Haltung die Menschen aber genauso problemlos zum Heidentum zurückkehren, wenn der neue Gott in seiner Hilfsbereitschaft zu wünschen übrig ließ. So bauten die Leute in Essex 664 ihre alten heidnischen Tempel wieder auf und kehrten zum alten Glauben in der Hoffnung zurück, dieser könne sie besser gegen eine gerade grassierende Seuche schützen.

Es scheint klar, dass auch die viel späteren christlichen Könige noch heidnische Ahnen mit Heldenruhm benötigten, um ihren Thronanspruch durchzusetzen und zu rechtfertigen, und die Rückführung auf Wodan selbst in den Stammbäumen scheint vor allem dem Zweck gedient zu haben, königliche Abstammung schlechthin beanspruchen zu können. Gleichzeitig macht das abermals die Bedeutung des Ahnenkultes sichtbar, der nicht nur die germanische, sondern auch die gesamte indoeuropäische Welt als wichtiges Element durchzog.

Die Briten sind sich ihres germanischen Erbes heute nicht mehr sonderlich bewusst. Die Kelten gelten seit der Romantik des 19. Jahrhundert dort als populärer, und das historische Selbstbild der heutigen Briten basiert eher auf dem frühen römisch-christlichen Erbe und den Mythen um Artus, während die Angeln und Sachsen immer noch den Ruf barbarischer Horden haben, die nur plündernd über das Land herfielen. Aber alle Aspekte und Institutionen der englischen (und infolgedessen auch amerikanischen) Gesellschaft tragen durchweg noch einen weitaus unverfälschteren germanischen Charakter als z.B. in Deutschland. Und es waren die Angeln und Sachsen, die diese Kultur maßgeblich prägten. Das änderte sich auch nicht nach der normannischen Eroberung 1066, denn diese Eroberer waren Wikinger, die sich erst zwei Generationen zuvor in der Normandie angesiedelt hatten. Sie hatten allerdings bereits die französische Sprache angenommen, die dadurch mit vielen Begriffen in die englische Sprache eindrang, und es ist eine äußerst faszinierende Vorstellung, wie das Englische heute ohne diesen Einfluss klingen würde. Dennoch ist Englisch bis heute eindeutig eine germanische und keine romanische Sprache.

Die kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen England und Norddeutschland blieben traditionell über all die nachfolgenden Jahrhunderte sehr eng. Vergessen haben die Engländer ihre alten Ursprünge nie. Und als 1701 der Act of Settlement erlassen wurde, der gegen die schottische Krone gerichtet war und deshalb Katholiken auf immer vom englischen Thronanspruch ausschloss, war es das niedersächsische Königshaus, das wie selbstverständlich die englische Thronfolge antrat: 1714 bestieg Georg I. aus Hannover den englischen Thron, in dem die Engländer nun wieder einen „echten“ sächsischen König hatten (der zeitlebens die englische Sprache nicht richtig lernte) und dessen direkte Nachkommen bis zum heutigen Tag im Buckingham Palast leben.

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Erschienen 2005 in Herdfeuer 9-10