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Nordendorfer Fibel |
1 # 11  |
Jay Hornträger

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Eingetreten: 09.03.09
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Eingetragen am 04-02-2010 19:03 |
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Diese Fibel enthält, meinem Wissenstand nach, die erste erhaltene, südgermanische Nennung des Gottes Wodan:
logaPore, wodan, wigiPonar
Weiterhin haben wir den Männernamen Leubwini und den Frauenamen Awa.
Wie sieht es nun mit der Interpretation der Inschrift aus? Wie uns erklärt wurde, ist die Meinung von Klaus Düwel, der "logaPore" als Ränkeschmiede mit negativer Konnotation deutet, weit verbreitet. Düwel sieht deshalb in der Fibel eine Abwendung vom Heidentum mit Hinwendung vom Christentum.
Ich habe mich länger mit der Fibel beschäftigt und bin zu einer gegenteiligen Meinung gekommen. Folgende Hinweise möchte ich erwähnen:
Auf einer Fibel, die die germ. Götter dämonisieren soll, halte ich es für unwahrscheinlich, dass einem der Götter, nämlich in diesem Fall Donar, eine weihende, also segenspendende Funktion zugesprochen wird. Dieser postive Aspekt des Gottes passt nicht zu einer negativen Bedeutung der Inschrift. Das Donar hier mit dem Zusatz "Wigi-" erwähnt wird, muss einen bestimmten Grund haben. Da wir hier auch den Namen eines "Paares" haben, sehe ich die Erwähnung von WigiPhonar als Anrufung bzw. Bittstellung an Donar in seiner Funktion als Weiher der Ehe und Spender von Fruchtbarkeit.
Im alamanischen Raum werden Runen meist aus scheinbar "profanen" Gründen benutzt (auch hier wiederspreche ich teilweise, zu dieser Zeit waren Runen nie profan benutzt, sonst wären sie auch für Texte verwendet worden. Auch Namensbezeichnunen wohnen meiner Meinung nach "magische", bzw. glücksbringende Bedeutungen inne). Mit der Nennung der Götternamen und in Verbindung mit Runen haben wir hier aber eine ziemlich wahrscheinliche Verquickung von Runen und Bedeutung in magischer Form...z.B. als Anrufung.
Auch wenn logaPore tatsächlich "Ränkeschmiede" heißt (was nicht eindeutig bewiesen ist), muss das nicht negativ sein, wenn man bedenkt, dass in der germanischen Mythologie Begriff wie gut und böse, falsch und richtig nicht so eindeutig und dualistisch definiert sind, wie später im christlichen Dogmatismus. Odin und andere Götter erscheinen in der Edda mehrfach als Ränkeschmiede oder Meister der Intrigen, die auch mit List und Tücke an ihr Ziel kommen. Von einer Verdammung durch diese Bezeichnung kann also keine Rede sein.
Letzen Endes gehe ich aber hier von einem Göttertrias aus, wie es uns mehrfach in der germ. Überlieferung begegnet. Das alamannische Pendant zum sächsichen Göttertrias?
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RE: Nordendorfer Fibel |
2 # 11  |
Nebelwolf Edda-Leser

Beiträge: 221
Ort: Midgard, Asgard, Stuttgard
Eingetreten: 07.02.08
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Eingetragen am 04-02-2010 23:29 |
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| Quote | | Auf einer Fibel, die die germ. Götter dämonisieren soll, halte ich es für unwahrscheinlich, dass einem der Götter, nämlich in diesem Fall Donar, eine weihende, also segenspendende Funktion zugesprochen wird. Dieser postive Aspekt des Gottes passt nicht zu einer negativen Bedeutung der Inschrift. |
Damit lieferst du mir genau den Gedanken, der meine bisherige Sicht dazu wunderbar bestätigt.
Was die These der Triade betrifft: nun, Wodan und Donar treten sowiese in fast allen Fällen nebeneinander auf. Ich habe mir schon gedacht dass die dritte Gottheit wahrscheinlich Lodur/Loki ist, dafür spricht neben der Namensähnlichkeit und der typischen Bezeichnung als Ränkeschmied noch das Auftreten desselben in anderen Triaden.
Auf Deutschlandreise! Wer Interesse an Treffen o.ä. hat schreibt mir bitte eine Mail 
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RE: Nordendorfer Fibel |
3 # 11  |
m3SSi Freier

Beiträge: 96
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Eingetragen am 06-02-2010 15:18 |
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Düwel kommt auf seine Übersetzung wohl durch zwei altenglischen Glossen, in denen die lateinischen Wörter cacomicanos(Unruhestifter) und marsius(Schlangenzauberer) mit logther und logether übersetzt wurden.
Beide Wörter haben eine negative Konnotation, woraus Düwel eine Abwendung ableitet.
"Unruhestifter(Schlangenzauberer) Wodan, Weihe-Donar"
Wobei Wigithonar scheinbar auch als "Kampf-Donar" von germ. *wigan "Kampf" abgleitet werden kann.
Das Ergebnis wäre dann, "Unruhestifter(Schlangenzauberer) Wodan, Kampf(Kriegs?)-Donar".
Marsius(Schlangenzauberer) könnte aber auch eine Bezeichnung von Loki sein, was dann wieder für ein Göttertrias spricht.
"Logathore(Schlangenzauberer als Eigenname), Wodan, Weihe-(oder Kampf)-Donar".
Interessant finde ich noch die Erwähnung, dass "Logathore" auch ein anderer Name für Ziu sein könnte.
Dafür spricht die Möglichkeit einer Verwechslung. Mit Marsius könnte auch der römische Gott Mars gemeint sein.
Dann wäre "Marsius" (vll. Mars) die lateinische Bezeichnung für "Logathore".
(vgl. Tineke Looijenga: Runes around the North Sea and on the Continent AD 150-700 S. 145)
Letzteres habe ich auch nur aus Wiki entnommen, ich habe leider keine Einsicht in das Buch
Das würde für ein Göttertrias mit Ziu (als "Logathore" , Wodan und Weihe-(Kampf) Donar sprechen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B...rdendorf |
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RE: Nordendorfer Fibel |
4 # 11  |
lynxaett Skalde

Beiträge: 1727
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Eingetragen am 06-02-2010 21:13 |
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Das ist zwar hoch spekulativ, aber auch sehr interessant, was ihr hier verzapft, meine Herren! Na egal, man wird ja wohl auch mal rumspinnen und kreatives Neuland erkunden dürfen... auch und gerade was germanische Mythologie angeht. Also: Loki/Lodur könnte ein "Schlangengott" sein - interessante Vorstellung... ist er doch schließlich laut Snorri Sturlusson Vater der Weltenschlange Jormungandr... könnte irgendwo passen...
Lynx
"Handele stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird."
Heinz von Foerster |
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RE: Nordendorfer Fibel |
5 # 11  |
Fenrirstochter Skalde

Beiträge: 1402
Ort: 04315 Leipzig
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Eldaring-Mitglied |
Eingetragen am 07-02-2010 19:37 |
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| Quote | Jay schrieb:
Ich habe mich länger mit der Fibel beschäftigt und bin zu einer gegenteiligen Meinung gekommen. Folgende Hinweise möchte ich erwähnen:
Auf einer Fibel, die die germ. Götter dämonisieren soll, halte ich es für unwahrscheinlich, dass einem der Götter, nämlich in diesem Fall Donar, eine weihende, also segenspendende Funktion zugesprochen wird. Dieser postive Aspekt des Gottes passt nicht zu einer negativen Bedeutung der Inschrift. Das Donar hier mit dem Zusatz "Wigi-" erwähnt wird, muss einen bestimmten Grund haben. Da wir hier auch den Namen eines "Paares" haben, sehe ich die Erwähnung von WigiPhonar als Anrufung bzw. Bittstellung an Donar in seiner Funktion als Weiher der Ehe und Spender von Fruchtbarkeit.
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Mit ist als hätte ich das gerade erst in der aktuellen Ringhorn gelesen...
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PS: Ich moderiere hier nicht, ich sag' nur meine Meinung! Administrator= technischer Verwalter
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RE: Nordendorfer Fibel |
6 # 11  |
Jay Hornträger

Threadstarter
Beiträge: 309
Ort: Winterhude Nobelbude
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Eingetragen am 08-02-2010 04:17 |
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| Quote | Fenrirstochter schrieb:
Jay schrieb:
Ich habe mich länger mit der Fibel beschäftigt und bin zu einer gegenteiligen Meinung gekommen. Folgende Hinweise möchte ich erwähnen:
Auf einer Fibel, die die germ. Götter dämonisieren soll, halte ich es für unwahrscheinlich, dass einem der Götter, nämlich in diesem Fall Donar, eine weihende, also segenspendende Funktion zugesprochen wird. Dieser postive Aspekt des Gottes passt nicht zu einer negativen Bedeutung der Inschrift. Das Donar hier mit dem Zusatz "Wigi-" erwähnt wird, muss einen bestimmten Grund haben. Da wir hier auch den Namen eines "Paares" haben, sehe ich die Erwähnung von WigiPhonar als Anrufung bzw. Bittstellung an Donar in seiner Funktion als Weiher der Ehe und Spender von Fruchtbarkeit.
Mit ist als hätte ich das gerade erst in der aktuellen Ringhorn gelesen... |
Stammt nur leider aus meinem Beitrag www.geschichtsforum.de/f35/nordendo...l-25869/ vom 5.02.2009, also bisschen vor dem Ringhorn. Im Übrigen hab ich darüber auch mal was im VFGH-Forum geschrieben, mag sein, dass sich der Autor inspirieren hat lassen.
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RE: Nordendorfer Fibel |
7 # 11  |
myrrdin Stórverkr

Beiträge: 675
Ort: Bad Waldsee, am Rande Niflheims
Eingetreten: 04.01.09
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Eingetragen am 08-02-2010 07:00 |
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...soso...
Wenn Du die Götter zum lachen bringen willst, plane Dein Leben |
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RE: Nordendorfer Fibel |
8 # 11  |
Ylva Skalde

Beiträge: 2555
Ort: Oberfranken
Eingetreten: 22.07.04
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Eingetragen am 08-02-2010 15:37 |
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myrrdin@: Glaubst du das nicht? Dein "..soso..." klingt für mich so, als ob du Jay das nciht als eigene Arbeit zutraust.
Jay hat seine oben veröffentlichte Interpretation der Inschrift auf der Nordendorfer Fibel am
04.02.09 in dem Geschichtsforum ( http://www.geschichtsforum.de/f35/n...l-25869/ ) und auch im VfgH-Forum ( http://www.vfgh.de/wbb235/thread.ph...did=1934 ) veröffentlicht.
Gruß,
Ylva |
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RE: Nordendorfer Fibel |
9 # 11  |
Jay Hornträger

Threadstarter
Beiträge: 309
Ort: Winterhude Nobelbude
Eingetreten: 09.03.09
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Eingetragen am 08-02-2010 15:56 |
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Das glaubst du doch selber nicht Ylva!
Bleibt halt noch die Frage was eine Abkehr von den alten Göttern auf einer verschenkten Fibel zu suchen hätte, noch dazu in Runenschrift und nicht in Latein.
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RE: Nordendorfer Fibel |
10 # 11  |
Nebelwolf Edda-Leser

Beiträge: 221
Ort: Midgard, Asgard, Stuttgard
Eingetreten: 07.02.08
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Eingetragen am 10-02-2010 00:55 |
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| Quote | m3SSi schrieb:
Das würde für ein Göttertrias mit Ziu (als "Logathore" , Wodan und Weihe-(Kampf) Donar sprechen.
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Das mit Mars klingt auch nicht schlecht aber Ziu wird der Titel wohl am allerwenigsten zufallen können und der Umweg über das lateinische ist wohl etwas übertrieben - ich bevorzuge es da etwas einfacher:
Lodr - Loki - Loke - Loge - Loga[thore]
(...die Verwandtschaft hat mich sogar früher bei Simek über dessen Übersetzung skeptisch gemacht )
spricht also für Wodan/Donar/Lodur,
was sich auch gut mit bisherigen bekannten Göttertriaden ergänzt.
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